Eltern

Dipl. Ing. Eltern: Mami und Papi sollen ab in die Lehre

Nun kann man im Kanton Aargau für das Elternsein eine Ausbildung machen. Am Schluss der Ausbildung gibt es dann ein Zertifikat. Die erste Elternlehre startet im Oktober in Frick und dauert 18 Monate.

Silvia Schaub
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Alles kann man in Kursen oder in einer Lehre lernen, nur eines nicht: das Elternsein. Bisher jedenfalls. Nachdem in Bern bereits seit 2007 eine sogenannte Elternlehre angeboten wird, zieht der Kanton Aargau nun im Oktober nach.

Sicherer erziehen

Innerhalb von 18 Monaten absolvieren die Eltern 18 Kursabende. Dort lernen sie den richtigen Umgang mit ihrem Baby. Am Ende gibt es ein Diplom. Der Elternlehre ist ein präventives Angebot, das Eltern in ihrer Erziehungsaufgabe stärkt und mithilft, einer möglichen Überforderung vorzubeugen. Mütter und Väter werden dabei auf Entwicklungsabläufe und Erziehungsverhalten vorbereitet und gewinnen mehr Sicherheit für den Erziehungsalltag.

«Heute sind Eltern oft isoliert und dadurch unsicher», stellt Marianne Ryf von der K&F Fachstelle Kinder und Familien Aargau fest. Schliesslich werden heute Frauen und Männer auf keine Lebensaufgabe so wenig vorbereitet wie auf die Elternschaft. «Damit können wir Eltern stärken, bevor es zu Schwierigkeiten kommt.»

Die Elternlehre, die vom Kanton Aargau finanziell unterstützt wird, basiert auf den Grundlagen des Fit-Konzeptes von Remo H. Largo, Professor für Kinderheilkunde und Autor der Bücher «Baby- und Kinderjahre». Pro Modul kostet die Ausbildung 190 Franken für Einzelpersonen und 290 Franken für Paare.

«Dieses bereits erfolgreich erprobte Angebot entspricht den heutigen Bedürfnissen junger Eltern. Damit schliessen wir eine bestehende Lücke in der Elternbildung Aargau», sagt Christina Leimbacher, Leiterin der Fachstelle Familie und Gleichstellung.

Auch Regierungsrätin Susanne Hochueli steht hinter der Elternausbildung: «Die Elternlehre ist etwas Sinnvolles und Hilfreiches, weil sie praxisorientiert und niederschwellig ist, Mütter und Väter gleichermassen anspricht und eine langfristige Investition ins Familienleben ist.»

Selbst Susanne Hochueli, Mutter einer heute fast erwachsenen Tochter, gibt zu: «So wie viele andere Eltern auch wäre ich manchmal froh gewesen, Wissen und Erfahrung im Austausch mit Eltern in der gleichen Situation mit kompetenter Begleitung erweitern zu können.»

Nicht überall gleich erfolgreich

Während in Bern, Lyss und Thun die Nachfrage nach den Elternkursen gross ist, musste in Langenthal das erste Modul mangels Anmeldungen abgesagt werden.

Aus anderen Gründen scheint jetzt das ganze Erfolgsprojekt in Gefahr: Der Verein Elternbildung Kanton Bern, der die Elternlehre lancierte, wird aufgrund von administrativen Hürden und knappen Ressourcen aufgelöst. Was nun mit dem «Elterndiplom» passiere, sei noch unklar, heisst es bei 20 Minuten online. Die schon geplanten Kurse sollen aber auf jeden Fall durchgeführt werden. Dabei war man gerade dabei, die Ausbildung mit dem Fokus «Schulstart» auszuweiten.

Weitere Infos: www.elternlehre.ch, info@kinderundfamilien.ch