Mobilität
Fahreignungstest für Senioren: Kanton Aargau soll Kosten auf 120 Franken festlegen

In keinem anderen Kanton sind die Tarifempfehlungen für den Fahreignungstest von Senioren so hoch wie im Aargau. SVP-Grossrat Manuel Tinner will die Kosten auf 120 Franken festlegen. Der Präsident des Aargauischen Ärzteverbandes hält das für falsch.

Fabian Hägler
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SVP-Grossrat Manuel Tinner verlangt einheitliche Fahreignungsuntersuchungen und will den Preis dafür auf 120 Franken festlegen. Symbolbild: Gaetan Bally / Keystone

SVP-Grossrat Manuel Tinner verlangt einheitliche Fahreignungsuntersuchungen und will den Preis dafür auf 120 Franken festlegen. Symbolbild: Gaetan Bally / Keystone

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Die gesetzliche Vorgabe ist klar: Heute müssen sich Autofahrer ab dem 70. Altersjahr alle zwei Jahre einer verkehrsmedizinischen Untersuchung stellen. Ab dem kommenden Jahr steigt die Altersgrenze auf 75 Jahre, doch die Tests bleiben obligatorisch. Und sie werden, anders als die meisten medizinischen Leistungen, nicht von den Krankenkassen bezahlt. Deshalb gibt es keine fixen Tarife, und Ärzte, die solche Tests bei Senioren durchführen, können die Preise selber festlegen.

Kürzlich hat der nationale Preisüberwacher Stefan Meierhans die Tarife für die Seniorentests in der ganzen Schweiz untersucht. Dabei zeigt sich: Vorgaben der Kantone zu den Kosten für die Untersuchungen gibt es nur im Tessin (100 Franken) und im Kanton Genf (höchstens 170 Franken, siehe Tabelle).

«Ansonsten gibt es nur einzelne, unverbindliche Empfehlungen einiger weniger kantonaler Strassenverkehrsämter und Ärztegesellschaften», schreibt der Preisüberwacher. Wie die Aufstellung zeigt, liegt die Tarifempfehlung der Aargauer Ärzte im schweizerischen Vergleich mit 150 bis 200 Franken am höchsten.

Grossrat kritisiert Unterschiede

Dies stösst Manuel Tinner sauer auf: Der SVP-Grossrat aus Döttingen verlangt in einem Postulat vom Regierungsrat, dieser solle «einen vorgegebenen fixen Tarif von 120 Franken bei Standardfällen prüfen und bei der kantonalen Ärztegesellschaft durchsetzen». Tinner hat selber den Lastwagen-Ausweis und kennt verkehrsmedizinische Untersuchungen, wie er auf Anfrage sagt. Diese dienten der Verkehrssicherheit, gerade bei Senioren, «das stelle ich nicht infrage». Allerdings stelle er fest, «dass die Handhabung der Überprüfung in der Praxis sehr unterschiedlich ist», schreibt Tinner in seinem Vorstoss.

Aus seiner Sicht sollte eine Standarduntersuchung auch tatsächlich standardisiert sein. In seinem Umfeld habe er aber festgestellt, dass es grosse Unterschiede gebe «Teilweise müssen Fahrzeuglenker schriftliche Aufgaben lösen, teils nicht, dies unabhängig vom Alter», hält der Grossrat fest. Tinner findet, die Senioren sollten sich bei den Prüfungen nach verbindlichen Kriterien richten können.

«Willkürlich und teils horrend»

Auch bei den Tarifen für die obligatorischen Tests gebe es grosse Unterschiede, er habe von Kosten zwischen 80 und 250 Franken gehört. «Ich bin sehr für die freie Marktwirtschaft und gegen neue Regelungen, aber in diesem Fall sind die Tarife nicht transparent, daher ist für die Betroffenen nicht ersichtlich, welches nun der günstigste Arzt ist.» Die heutigen Tarife seien «willkürlich und teils horrend», schreibt Tinner in seinem Postulat. Dabei daure eine solche Untersuchung in der Regel maximal 15 bis 20 Minuten.

Es müsse möglich sein, dass der Kanton den Tarif für die obligatorischen Untersuchungen festlege, findet Tinner. «Wie die Zusammenstellung des Preisüberwachers zeigt, gibt es Kantone, die fixe Vorgaben machen.» Der SVP-Grossrat weist auf die stetig steigenden Gesundheitskosten hin und ergänzt: «Mit einem fixen Tarif von 120 Franken könnte man gerade älteren Leuten, die finanziell oft Probleme haben, etwas entgegenkommen.

Ärztepräsident gegen fixen Tarif

Jürg Lareida, der Präsident des Aargauischen Ärzteverbandes, schüttelt über den Vorstoss den Kopf. «Ich bin gegen einen fixen Tarif für die Fahreignungs-Untersuchungen, der Aufwand ist von Fall zu Fall sehr unterschiedlich, deshalb wäre eine Pauschale falsch.» Lareida hält fest, der Verband habe eine realistische Tarifempfehlung von 150 bis 200 Franken herausgegeben. «Jeder Arzt ist natürlich frei, nach unten davon abzuweichen – und ich weiss, dass viele Kollegen dies auch tun.»

Zudem sollte man laut Lareida die Kosten für eine solche Untersuchung, die alle zwei Jahre anfallen, mit den Ausgaben fürs Autofahren in Relation setzen, also mit den Benzinkosten, mit der Autoversicherung, mit den Reparaturen. «Dann stellt man fest, dass diese Fahreignungsuntersuchung nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten ausmacht», sagt Lareida.

Derweil hält der Preisüberwacher fest, Senioren könnten sich auch in anderen Kantonen untersuchen lassen, die Gutachten werden gesamtschweizerisch anerkannt. Er empfiehlt den Betroffenen, sich vor einem Fahreignungstest bei mehreren Ärzten über den Preis zu erkundigen und sich «in Standardfällen an einem Richtpreis von 100 bis 150 Franken pro Untersuchung zu orientieren».