FC Wohlen

Fall Wellington hat für FC-Wohlen-Sponsoren noch keine Folgen

Neu vertreten zwei Anwälte aus der Kanzlei von SVP-Grossrat Jean-Pierre Gallati den ehemaligen FC-Wohlen-Spieler Wellington. Die wichtigsten Sponsoren des Vereins beobachten die Entwicklung, ziehen aber im Moment noch keine Konsequenzen.

Fabian Hägler
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FC Wohlen Sponsoren ziehen noch keine Konsequenzen aus dem Fall Wellington

FC Wohlen Sponsoren ziehen noch keine Konsequenzen aus dem Fall Wellington

Jean-Pierre Gallati, Rechtsanwalt und SVP-Grossrat aus Wohlen, hat den Fall Wellington (siehe Box) in den Medien verfolgt. «Ich bin zum Schluss gekommen, dass ich diesem armen Mann helfen möchte», sagt Gallati. Schliesslich sei Wellington Ferreira Gomes Sobrinho «ein mittelloser Mann und ein korrekter, sympathischer Sportler».

Deshalb lanciert der Anwalt einen Spendenaufruf zugunsten von Wellington.

Der Fall Wellington

Der 26-jährige Brasilianer Wellington hat beim FC Wohlen zwei Verträge unterschrieben: einen mit dem für eine Arbeitsbewilligung vorgeschriebenen Mindestlohn von 3800 Franken und einen mit 3000 Franken. Seit dies bekannt ist, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Urkundenfälschung und Täuschung der Behörden.
Der Klub behauptet, die fehlenden 800 Franken würden Wellington von seinem Berater überwiesen. Der Spieler wurde am Dienstag einvernommen, die Staatsanwaltschaft nahm ihm den Pass ab. Andreas Wyder, Delegierter des Verwaltungsrats des FC Wohlen, wurde am Dienstag in Untersuchungshaft gesetzt, am Mittwoch befragt und wieder entlassen. (fh)

Ursprünglich wollte Gallati den Fussballer und seine Familie bei der Finanzierung des Flugtickets für die Rückkehr nach Brasilien unterstützen. Weil die Staatsanwaltschaft dessen Pass eingezogen hat, sollen die Spenden nun für den Lebensunterhalt des Spielers in der Schweiz eingesetzt werden. Neben der Spendenaktion gibt es juristischen Support für Wellington: Zwei Anwälte aus Gallatis Kanzlei werden den Spieler vertreten.

Gallati: Keine politische Absichten

Gallati kritisiert den FC Wohlen: «Es ist eine Frechheit, einen Mitarbeiter, der volle Leistung bringt, so zu behandeln und hängen zu lassen.» Der Anwalt betont auch, Wellington habe entgegen Behauptungen des FC Wohlen keine Schulden. Als Einwohnerrat hatte Gallati das Sponsoring des FC Wohlen durch die IB Wohlen AG kritisiert. Er äusserte Filz-Vorwürfe, weil FC-Ehrenpräsident René Meier von 2002 bis 2012 zugleich auch Verwaltungsratspräsident der IBW war.

Gallati hält aber fest, er verfolge keine politischen Ziele. «Ich mache den Spendenaufruf nicht als Einwohnerrat und nicht als SVP-Politiker.» Er will auch weiterhin Wohlen-Heimspiele besuchen, «schliesslich ist nur ein kleiner Teil der Führungsriege des Vereins und der Aktiengesellschaft in den Fall Wellington verwickelt».

Sponsoren noch zurückhaltend

Mit einem Brief hat der FC Wohlen seine Sponsoren informiert. Hanspeter Weisshaupt, Verwaltungsratspräsident des Hauptsponsors IBW, will sich zum Fall nicht äussern, so lange das Verfahren läuft.

Cornelia König, die stellvertretende Mediensprecherin beim Co-Sponsor Neue Aargauer Bank, bedauert den Vorfall. «Noch sind die Fakten aber nicht geklärt, es handelt sich um ein laufendes Verfahren», sagt sie. König hält fest, es wäre zu früh, über mögliche Konsequenzen aus dem Fall Wellington für das Engagement der NAB zu sprechen. «Sollte es zu einer Verurteilung von Verantwortlichen des FC Wohlen kommen, müssen wir unser Sponsoring überprüfen», sagt sie.

Urs Schürmann, der Präsident der Donatorenvereinigung, die den Klub pro Jahr mit gut 380 000 Franken unterstützt, möchte sich vor dem Ende des Verfahrens nicht äussern. Er hält aber fest: «Bei uns ist kein einziges Mitglied ausgetreten, seit der Fall Wellington bekannt ist.»