Sprengstoffdiebe

Falsche Anschuldigungen des Sprengmeisters lösten sich in Luft auf

Das Bezirksgericht Brugg verhängt eine Geldstrafe gegen einen Sprengmeister wegen falscher Anschuldigungen. Er bezichtigte einen Bekannten des Sprengstoff-Diebstahls und weiterer Vergehen.

Louis Probst
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Die für den Steinbruch bestimmten 25 Kilogramm Sprengstoff sind vor mehr als 30 Jahren verschwunden.

Die für den Steinbruch bestimmten 25 Kilogramm Sprengstoff sind vor mehr als 30 Jahren verschwunden.

Louis Probst

«Ich wollte mit den Briefen erreichen, dass alte Vorfälle untersucht werden und dass aktuelle Vorfälle aufhören», erklärte der Beschuldigte vor Gericht. «Ich wollte nichts inszenieren.»

Vor gut zwei Jahren hatte er einen Brief an die Polizeikommandos aller Kantone geschickt, in dem er auf einen bis heute ungeklärten Sprengstoffdiebstahl aus dem Jahre 1980 aufmerksam machte.

Damals waren in einem kleinen Dorf im Bezirk Brugg 25 Kilo Sprengstoff verschwunden. Der Sprengstoff war für die Verwendung in einem Steinbruch bestimmt, der damals dem Vater des Beschuldigten gehörte.

Schwere Vorwürfe erhoben

Auf die Briefe hin hatte die Kantonspolizei den Absender befragt. Dabei bezichtigte dieser einen Bewohner des Dorfes des Diebstahls. Später verschickte der Angeklagte mehrere Briefe an Zeitungen und Amtspersonen, in denen er aufforderte, Schritte gegen den Bezichtigten zu unternehmen, da dieser «als Krönung seiner Gaunereien ein Blutbad anrichten könnte».

Schliesslich versandte er Briefe an alle Haushaltungen des Dorfes, in denen er seinen Kontrahenten – mit dem er einst im Gemeinderat gesessen hatte und mit dem er gemäss Staatsanwaltschaft wegen einer pachtrechtlichen Angelegenheit zerstritten ist – des Diebstahls, der Brandstiftung und der versuchten Tötung bezichtigte. Der Bezichtigte selber sah davon ab, Anzeige zu erstatten.

In der Folge kam es beim Angeklagten zu einer Hausdurchsuchung. Dabei wurden vier Abreisszünder für Markierhandgranaten sowie vier Gewehr-Markierpatronen – im Soldatenjargon «Grüeni Pfüpf» – gefunden. Der Beschuldigte wurde wegen falscher Anschuldigung und wegen des Besitzes militärischer pyrotechnischer Gegenstände zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 30 Franken und zu einer Busse von 300 Franken verurteilt. Dagegen erhob er Einsprache.

«Gefährliche Sabotageakte»

In der Befragung durch Bezirksgerichtspräsidentin Franziska Roth erklärte der Beschuldigte, dass während der Zeit, als er im Steinbruch gearbeitet hatte, laufend Sabotageakte an Maschinen erfolgt seien, die nicht nur grosse Schäden verursacht, sondern auch zur akuten Gefährdung von Personen geführt hätten.

Manipulationen seien auch später an Fahrzeugen vorgenommen worden, die er für Kunden repariert habe. Zudem sei er mit anonymen Schreiben bei der Baudirektion des Kantons und beim Strassenverkehrsamt angeschwärzt worden. «Ich habe nur Sachen kundgetan, die von amtlichen Stellen verfolgt werden sollten», betonte er.

Als Sprengmeister und Inhaber der Sprengbewilligung C habe er die Pflicht, alles zu tun, um Gefahren abzuwenden. Zu den pyrotechnischen Gegenständen sagte er, dass er «absolut keine Kenntnis von diesen Gegenständen» habe. Die Sachen seien in einem Zimmer gefunden worden, das sein Bruder bewohnt habe.

Aussagen wider besseres Wissen

Der Verteidiger forderte Freispruch in beiden Anklagepunkten. Sein Mandant habe eine alte, unangenehme Geschichte aufrollen und klären wollen, sagte er zum Vorwurf der falschen Anschuldigung. Für einen Schuldspruch fehle es am Vorsatz.

Das Gericht sprach den Beschuldigten jedoch im Sinne der Anklage schuldig und es folgte den Strafanträgen der Staatsanwaltschaft. Das Gericht kam zum Schluss, dass der Beschuldigte eine Strafverfolgung habe in Gang setzen wollen, obwohl beim Diebstahl inzwischen die Verfolgungsverjährung eingetreten sei, und dass er mit vagen Aussagen zu unbelegten Vorfällen wider besseres Wissen gehandelt habe.