Stolperfalle

Galaxus versucht sich mit Lokalkampagne – und scheitert nicht nur an Turgi

Digitec Galaxus fährt mit seiner neuen Plakatkampagne regional. Dabei tappt das Onlinewarenhaus aber in die Falle des lokalen Sprachgebrauchs.

Drucken
Teilen
Mit diesem Plakat hat sich Galaxus bei den Turgemer*innen wohl ins Abseits gestellt.

Mit diesem Plakat hat sich Galaxus bei den Turgemer*innen wohl ins Abseits gestellt.

Sandra Ardizzone

Da dürfte sich die Eine oder der Andere gewundert haben über das prominente Galaxus-Plakat am Bahnhof Turgi. Wie immer wirbt der Onlinehändler mit schlichten aber oft verblüffenden Aussagen. So werden in Turgi offenbar grössere Backformen gekauft als in Würenlingen. Dieses Mal aber sorgt nicht der Inhalt des Statements für Schmunzeln, sondern die Bezeichnung «Turgierinnen».

Falls der Groschen nicht gleich fällt: Die Einwohnerinnen und Einwohner von Turgi werden «Turgemer*innen» genannt. In eine ähnliche Falle ist Galaxus auch in Uster (Usterer*innen statt Ustermer*innen) oder Schlieren (Schlierer*innen statt Schlieremer*innen), so schreibt Kommunikationsleiter Alex Hämmerli auf Anfrage der AZ. Wie es zu diesen Patzern gekommen ist? «Die Galaxus-Plakatkampagne ist komplett computergeneriert entstanden. Da unser Algorithmus keine Lokalkenntnisse hat, haben sich hier und da Fehler eingeschlichen.» So dann auch bei den Bezeichnungen der Bewohnerinnen, die ebenfalls durchgehend automatisiert gewesen sei: Ortsnamen plus die jeweiligen Endungen. Über 11'000 unikate Plakate mit regionalen Vergleichen und Eigenheiten hängen schweizweit – und eben einige mit kleinen Ungereimtheiten.

Galaxus nimmt dies gelassen. Die Rückmeldungen seien bis jetzt durchwegs positiv gewesen, so Hämmerli. «Vermutlich schmunzeln auch die Einwohner und Einwohnerinnen von Turgi über den sprachlichen Fehltritt aus Zürich.»

Alle Ungereimtheiten der computer-generierten Kampagne können Sie übrigens hier nachschauen.

Weitere sprachliche Stolpersteine im Aargau:

Bewohner*innen von Sins sind nicht etwa Sinser*innen, sondern Seiser.

- Wohlen: Wohler*innen

- Wislikofen: Wisliker*innen

- Rietheim: Rietemer*innen

- Boswil: Bosmeler*innen

- Schafisheim: Schofiser*innen

- Seon: Seener*innen

- Beinwil am See: Böjuer*innen

- Uerkheim: Uerkner*innen

- Birrwil: gesprochen Birrbuer*innen

- Leutwil: gesprochen Lüpuer*innen

- Mosleerau: Mosleerber*innen

- Kirchleerau: Kirchleerber*innen

- Erlinsbach: Erlinsbacher oder Speuzer*innen

- Böbikon: Böbiker*innen

- Mellikon: Melliker*innen

- Beinwil: Beueler*innen

- Etzwil: Etzbeler*innen

- Leuggern: Lüggemer (geschrieben auch Leuggemer)

Und dann gibt es noch spezielle Kreationen. So wird Fischbach-Göslikon im lokalen Sprachgebrauch schlicht «Fi-Gö» genannt. Glücklicherweise hat Galaxus hier keine Plakate aufgehängt.