Oper Schenkenberg

Gläubiger: «So viel Geld bei einem Goodwill-Anlass zu verlieren, ist katastrophal»

Die Oper Schenkenberg kann Rechnungen in sechsstelliger Höhe nicht bezahlen. Gläubiger sind wütend, dass diskussionslos ein neues Programm auf die Beine gestellt werden soll, obwohl das letztjährige Projekt finanziell noch nicht aufgearbeitet wurde.

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Das monumentale, bis zu 15 Meter hohe «Trovatore»-Bühnenbild beeindruckte das Publikum.
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Die Oper Schenkenberg ist auf der Suche nach einem neuen Standort.
Die Inszenierung von Verdis «Il Trovatore».
Peter Bernhard als «Trovatore» Manrico, neben ihm Mary Elizabeth Williams als Leonora.
Oper-Schenkenberg-Intendant Peter Bernhard.

Das monumentale, bis zu 15 Meter hohe «Trovatore»-Bühnenbild beeindruckte das Publikum.

Ingo Höhn

Die Oper Schenkenberg hat finanzielle Probleme und kann Gläubigern ausstehende Rechnungen in sechsstelliger Höhe nicht bezahlen, weil die Organisatoren mit deutlich mehr Besuchern für das 4,3 Millionen Franken teure letztjährige Projekt «Il Trovatore» gerechnet hatten.

Trotzdem vermeldet die Oper nun, dass die Abschlussrechnung ausgeglichen sein werde. Überdies plane man bereits das nächste Grossprojekt im Jahr 2016 - und das, obwohl die letzte Aufführung finanziell noch nicht aufgearbeitet wurde.

Das stört die Gläubiger. Einer der Hauptbetroffenen ist das bekannte Aarauer Restaurant «Zum Schützen» mit Patron Hans Schneider, der das Essen lieferte.

«Ich bin erstaunt, dass ein grosser finanzieller Verlust einer Oper einfach vergessen geht und man zum Alltag übergeht, als wäre nichts geschehen», sagt Schneider dem SRF-Regionaljournal: «Wir haben in etwa einen Betrag, der ein mittlerer Angestellter pro Jahr verdient, verloren.»

Auf Anfrage der Aargauer Zeitung wird Schneider, der Anfang Jahr die Geschäftsleitung seinen Kindern abtrat, konkreter: Das Schützen-Catering für die Oper hatte einen Gegenwert von rund 100 000 Franken, wovon das Restaurant noch nichts erhalten hat.

Im Gegenteil: Alle Gläubiger unterschrieben eine Verzichtserklärung. Schneider rechnet mit einem Verlust von rund 60 000 Franken und hofft, dass er nun wenigstens ein Drittel des Gesamtbetrages noch erhält.

Wohlwollend habe er den grossen Auftrag, notabene mit einem Sponsoring von 20 000 Franken, angenommen, den er schliesslich mit einer schwarzen Null hätte abschliessen wollen. «Dass wir nun so viel Geld verlieren, ist eine riesige Katastrophe», sagt Schneider und hält mit Zeigefinger fest: «Um in der Gastrobranche wieder so viel Geld zu verdienen, braucht es sehr viel Kraft und sehr viel Effort jedes einzelnen Angestellten.»

Auch weitere Gläubiger, die aufgrund von «Geschäftsinteressen» anonym bleiben wollen, bestätigen, dass sie auf «viel Geld» verzichten müssen.

Bei der Oper Schenkenberg will man über Geldbeträge nicht sprechen. Alle Gläubiger würden aber definitiv zwei Drittel ihrer Forderungen erhalten. «Ich kann versichern, dass wir bis Anfang März die grössten Ausstände beglichen haben werden», sagt Peter Bernhard, Intendant der Oper Schenkenberg.

«Einen Tropfen auf den heissen Stein», verwirft Schneider die Arme und meint nachdenklich: «Die Liebe zur Oper bleibt, das Vertrauen ist aber weg.» (sha)