Grüner Vorstoss
Mini-Einkommen dank Solarstrom soll für Aargauer Hausbesitzer steuerfrei werden

Wer Solarstrom produziert und diesen ins Netz einspeist, soll auf diesem kleinen Einkommen keine Steuern bezahlen müssen. Die Idee von Grünen-Grossrat Jonas Fricker wird bis in die SVP unterstützt.

Eva Berger
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Auf einem Dach werden Solarmodule installiert.

Auf einem Dach werden Solarmodule installiert.

Christian Beutler / KEYSTONE

Der Aargau hat bei den erneuerbaren Energien noch Potenzial. Insbesondere auf und an Gebäuden könnte im Kanton noch deutlich mehr Solarenergie produziert werden. Gemäss einer Studie des Bundesamts für Energie könnten 2,8 Terawattstunden an Solarenergie auf Aargauer Dächern gewonnen werden. Zum Vergleich: Heute werden schweizweit erst 2,2 Terawattstunden Strom aus Sonnenenergie gewonnen. Bis 2050 sollen es landesweit 34 Terawattstunden pro Jahr sein.

Der Kanton schätzt derzeit das Solarpotenzial neu ein, um daraus Massnahmen abzuleiten, wie Adrian Fahrni von der Abteilung Energie auf Anfrage mitteilt. Das Postulat Solaroffensive der SP-Fraktion von 2019 hat diese Angaben verlangt.

Motionäre von Grüne bis SVP

Grünen-Grossrat Jonas Fricker.

Grünen-Grossrat Jonas Fricker.

Sandra Ardizzone / AGR

Das Potenzial soll aber rascher genutzt werden, findet Grünen-Grossrat Jonas Fricker. Um Hausbesitzern den Entscheid zu erleichtern, ob sie sich eine Solarstromanlage montieren lassen sollen, möchte er einen kleinen Anreiz schaffen: Wer Strom ins Netz einspeist, soll befristet und bis zu einer noch zu bestimmenden Bagatellgrenze auf dem daraus resultierenden Einkommen keine Steuern bezahlen müssen.

Zusammen mit Gian von Planta (GLP), Ralf Bucher (Die Mitte), Martin Brügger (SP), Daniel Notter von der SVP und dem freisinnigen Adrian Meier hat Fricker eine entsprechende Motion eingereicht.

«Die Solarstromproduktion muss auf Vorderfrau gebracht werden», sagt Fricker. Solange die Ziele der Energiestrategie des Kantons nicht erreicht sind, müsse der Zubau von Fotovoltaikanlagen beschleunigt werden. «Wir möchten erreichen, dass die Solarenergie eine Priorität wird und der Kanton mehr auf sie setzt.»

Vernachlässigbare Mindereinnahmen für den Kanton

Eine temporäre Steuerbefreiung ist für Fricker ein mehrheitsfähiger Vorschlag; die Idee habe Symbolkraft und werde breit unterstützt. Pro Solaranlage handelt es sich um ein paar hundert Franken Einnahmen pro Jahr, ein Minimalbetrag an Steuerausfall, der in der Kantonsrechnung vernachlässigbar ist.

Das eigentlich Reizvolle an der Idee sei aber, dass «administrative Umtriebe eingespart werden», so Fricker. Die Verwaltung müsse keine Steuern eintreiben, die Hausbesitzer diese nicht anmelden, insgesamt würde der Aufwand gegenüber heute also reduziert.

Bis 2050 braucht es 15-mal so viele Anlagen wie heute

«Es wäre ein kleines Element, um den Ausbau der erneuerbaren Energien rasch zu fördern, ohne dass es jemandem wehtut», glaubt Jonas Fricker. Er führt im Vorstoss aus, warum dies notwendig ist: Laut einer Studie des Bundesamts für Energie steigt der Stromverbrauch in der Schweiz von heute rund 66 Terawattstunden pro Jahr auf 84 Terawattstunden im Jahr 2050. Weil die Schweiz zusätzlich den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen hat, muss mit der Abschaltung der Atomkraftwerke der Strom aus anderen Quellen kommen.

«Die Stromproduktionssteigerung muss primär mit massiv mehr Fotovoltaikanlagen produziert werden», so Fricker. Bis 2050 brauche es 15-mal mehr solche Anlagen als heute.

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