Menziken

Hotel als Asylzentrum: Glarner kritisiert den SVP-Wirt als «prinzipienlos»

Ausgerechnet ein SVP-Politiker vermietet den «Sternen» in Menziken dem Kanton, so dass dort bis zu 90 Asylbewerber einziehen können. Das stösst Andreas Glarner, dem SVP-Fraktionspräsidenten im Grossen Rat, sauer auf.

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Andreas Glarner kritisiert, dass Wirt und SVP-Mitglied Hans Marti den «Sternen» in Menziken an den Kantonalen Sozialdienst vermietet.

Andreas Glarner kritisiert, dass Wirt und SVP-Mitglied Hans Marti den «Sternen» in Menziken an den Kantonalen Sozialdienst vermietet.

Alex Spichale / Pascal Meier

Das Hotel/Restaurant Sternen ist an den Kanton vermietet worden und soll ab Mitte August 2015 als Unterkunft für Asylbewerber genutzt werden. Pikant: «Sternen»-Besitzer Hans Marti war von 1994 bis 2001 selbst Ammann von Menziken - und gehört auch der SVP an, also jener Partei, die vehement gegen neue Asylunterkünfte eintritt.

Über die Vermietung ist nicht nur der Gemeinderat (wir berichteten) nicht erfreut, sondern auch Andreas Glarner, der SVP-Fraktionspräsident im Grossen Rat. Er ärgert sich über seinen Parteikollegen. «Ich kenne Herrn Marti zwar nicht persönlich, aber es ist sehr unerfreulich, dass er als SVP-Mitglied dem Kanton zu einer Asylunterkunft verhilft.»

Die Partei werde nicht aktiv, die Vermietung des Hotels an den Kanton sei Martis Privatsache. «Es ist aber ein Beispiel, das zeigt, dass auch Politiker ihre Prinzipien über Bord werfen, wenn es um Geld geht.»

«Fressen kommt vor der Moral»

Leser stossen in Online-Kommentaren ins gleiche Horn: «Unglaubwürdiger geht es wohl nicht mehr. Als Politiker stelle ich mir Personen mit anderem Charakter vor. Es geht nicht an, dass einer vor mit wehenden Fahnen für oder gegen etwas votiert (...) und hintenherum mit dem Gegenteil Kasse macht,» schreibt Klaus Bruggisser.

«Das Fressen kommt halt doch vor der Moral, auch bei der SVP», meint User Andy. Und auf Facebook meint Leser Patrick Musci: «Wenn man genug Kohle verdienen kann, verstösst jeder gegen seine eigenen Prinzipien.»

Es gibt allerdings auch andere Stimmen, die Verständnis haben für den Wirt. «Dieser Herr Marti geht den richtigen Weg. Sein Lokal rentiert als Hotel und Restaurant nicht mehr, also sucht er sich eine Möglichkeit das Haus zu erhalten», sagt Leser Robert Stefan. «Dies ist nicht verwerflich, sondern lobenswert. Die Partei spielt da absolut keine Rolle, da geht es ums persönliche Überleben.» (fha/pz)