Ausbildung

Immer mehr Aargauerinnen wollen Bäuerin werden – nicht nur aus Liebe

In den letzten zehn Jahren haben sich die Anmeldungen bei der Bäuerinnenschule auf der Liebegg in Gränichen verdreifacht – das sind die Gründe für den Ansturm.

Nora Güdemann
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Regula Minikus (links) und Silvia Emmenegger absoliveren die Bäuerinnenschule auf der Liebegg.

Regula Minikus (links) und Silvia Emmenegger absoliveren die Bäuerinnenschule auf der Liebegg.

Severin Bigler

Vor zwei Jahrzehnten ist die Bäuerinnenschule von Frick auf die Liebegg nach Gränichen gezügelt. Laut Lisa Vogt, Lehrgangsverantwortliche Fachkurs Bäuerin, war das der Anfang einer Erfolgsgeschichte. «In den letzten zehn Jahren haben sich die Anmeldungen für die Ausbildung zur Bäuerin an der Liebegg verdreifacht», sagt Vogt. Momentan besuchen 38 Frauen und ein Mann – der erste in der Geschichte der Bäuerinnenschule überhaupt – das erste Jahr der zweijährigen Ausbildung. «Im zweiten Jahr sind es 33 Absolventinnen», sagt Vogt. Ein Mann ist hier nicht dabei.

Verliebt in einen Bauern

Der Lehrgang boomt und die Klassen wachsen stetig. «Die meisten Teilnehmerinnen sind Quereinsteigerinnen, die einen Landwirt als Partner haben und ihr Fachwissen zum Betrieb mit externen Quellen ergänzen möchten», so Vogt. «Sie nutzen die Ausbildung, um sich auf künftige Aufgaben vorzubereiten, aber auch um ein persönliches Netzwerk mit Frauen in ähnlichen Situationen zu knüpfen.» Andere Teilnehmende hätten wiederum gar keinen landwirtschaftlichen Bezug und wollten sich einfach aus Interesse weiterbilden, erklärt die Lehrgangsverantwortliche.

Ihr ist es passiert: Regula Minikus hat sich in einen Bauern verliebt und absolviert jetzt die Ausbildung zur Bäuerin. Lesen Sie hier ihre Geschichte.

Der Hof "zum Jägerhuus" in Hertenstein Regula Minikus (38) ist Produktmanagerin. Jetzt ist sie jedoch mit einem Bauern verheiratet, erwartet im April ihr erstes Kind und will sich mehr im Hofleben einbringen. Deswegen absolviert sie die Ausbildung zur Bäuerin.
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SEVERIN BIGLER

Dass sich plötzlich mehr Frauen in Bauern zu verlieben scheinen, ist aber nicht der einzige Grund für den Ansturm auf die Bäuerinnenschule. «Die Ausbildung bietet Wissenswertes und Praxistaugliches zu Ernährung, zur Textilpflege, zur Reinigungstechnik oder zum Gartenbau. Später folgen Module zum Haushaltsmanagement, der Kommunikation, Buchhaltung und landwirtschaftlichem Recht», sagt Lisa Vogt. «Nach Abschluss aller Modulprüfungen können die Absolventinnen der Ausbildung Bäuerin zur Eidgenössischen Berufsprüfung antreten und diese mit dem Fachausweis abschliessen.»

Neben der Ausbildung zur Bäuerin mit Fachausweis können Interessierte auch einen Lehrgang zur Bäuerin mit höherer Fachprüfung absolvieren. Doch: Warum machen die Frauen nicht einfach die Ausbildung zur Landwirtin? «Die Ausbildung zum Landwirt oder zur Landwirtin EFZ ist eine dreijährige Lehre mit Lehrbetrieb und Berufsschule», erklärt Lisa Vogt. «Der Fachkurs Bäuerin hingegen ist eine berufsbegleitende Ausbildung. Für Interessierte ohne landwirtschaftlichen Bezug besteht die Möglichkeit, auch nur das erste Bildungsjahr zu absolvieren.»

Sivlia Emmenegger ist auf einem Bauernhof aufgewachsen. Trotzdem absolviert sie die Ausbildung zur Bäuerin. Was für Ziele die junge Frau verfolgt, lesen Sie hier.

Der Hof von Silvia Emmenegger in Buttwil
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Der Waldhof in Buttwil Silvia Emmenegger erzählt, dass man neu nicht mehr selbst melken müsse. "Die Kühe gehen von selbst zur Maschine und kriegen Kraftfutter zur Belohnung", sagt sie. Das erleichtere ihre Arbeit sehr.
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Der Waldhof in Buttwil Kühe lassen sich selbständig im Melkroboter melken – hier Kuh "Edelweiss".
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Der Waldhof in Buttwil Dieses Kalb ist erst einen Monat alt.
Der Waldhof in Buttwil Der Betrieb wird von Silvia Emmeneggers Freund Thomas Näf geführt.
Der Waldhof in Buttwil Emmeneggers Ziel ist es, mehr Zeit auf dem Betrieb zu verbringen und ihren Freund und dessen Mutter bei der Arbeit dort zu entlasten.

Der Hof von Silvia Emmenegger in Buttwil

SEVERIN BIGLER

Zurück zu den Wurzeln

Ziel sei es, den Teilnehmenden nachhaltiges und professionelles Haushalten zu vermitteln. Laut Vogt sei dieses Wissen in den letzten Jahren immer mehr verloren gegangen. «Jetzt interessiert es die Menschen wieder mehr, wie man ökologisch handelt oder weiss, wo Lebensmittel herkommen und wie man sie verarbeitet.» Viele Absolventen wollten nicht mehr in den Laden gehen und einfach alles einkaufen, sondern beispielsweise das Brot selber backen. «Die Gesellschaft verändert sich immer wieder», so Vogt. «Und momentan geht der Trend zurück zu den Wurzeln und zu den natürlichen Werten.»