Geothermie
In Oftringen soll Erdwärme aus 1500 Meter Tiefe genutzt werden

Die Initianten hoffen nach den ernüchternden Resultaten aus Basel und St. Gallen auf Erfolg neuer Bohrungen für Wärme in Oftringen und Strom in Haute-Sorne im Jura.

Hans Lüthi
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Ein ausrangierter Bohrkopf vor dem Turm des Geothermieprojektes in St. Gallen

Ein ausrangierter Bohrkopf vor dem Turm des Geothermieprojektes in St. Gallen

Keystone

Das Erdbeben in Basel und der Misserfolg in St. Gallen haben auch die Aargauer Freunde der Geothermie erschüttert. «Die positiven Ergebnisse fehlen uns sehr», sagt Präsident Mark Eberhard vom Verein Geothermische Kraftwerke Aargau (VGKA). Aber der Glaube an die unerschöpfliche Wärmequelle für Strom und Heizung aus dem tiefen Untergrund ist nicht verblasst. «Mit Leuchtturm-Projekten könnten wir zeigen, dass es funktioniert», sagt Eberhard und hofft auf zwei neue Bohrungen. Eine kleine bis 1500 Meter für Wärme in Oftringen, eine grosse bis 4000 Meter für Strom im Kanton Jura.

Erste Bewilligung erwartet

Matthias Jauslin ist neuer Präsident

Nach einzelnen Austritten zählt der Verein Geothermische Kraftwerke Aargau noch 115 Mitglieder, darunter prominente Unternehmen von ABB Schweiz über die Kantonalbank bis zur Nagra. Nach fünf Jahren Aufbau gibt Mark Eberhard die Leitung ab. Hoffnung auf neuen Schwung und neue Mitglieder gibt Matthias Jauslin, der auf Schloss Habsburg einstimmig und mit viel Applaus zum neuen Präsidenten gewählt wurde. «Ich sehe nicht so tief in den Boden, aber dafür zu den Menschen», meint der Präsident der FDP Aargau zu seinem neuen Job. (lü)

Noch diesen Mai erwarte man die Bewilligung für die Vorabklärungen. Obwohl die Bohrung nur drei Millionen Franken verschlingt, könne das die Gemeinde nicht allein stemmen und sei auf Unterstützung durch Private und auf Gelder von Kanton und Bund angewiesen. «Wir sind überzeugt und willens, bis Ende Jahrzehnt dieses Leuchtturm-Projekt zu machen», verspricht Anton Bucher. Bei 30 Litern pro Sekunde könnte man jährlich 30 Gigawattstunden Wärme erzeugen und diese ins Netz der Kehrichtentsorgung einspeisen.

Seit dem Erdbeben bei der Bohrung in Basel ist auch die saubere und endlose Zukunftsenergie mit einem Makel behaftet «und hat mit vielen Emotionen zu tun». Das sagt Florentin Ladner, Projektleiter für die Deutschschweiz bei der Geo-Energie Suisse AG. Von 130 potenziellen Standorten entwickle man fünf weiter: in Avenches, Pfaffnau, Triengen, Etzwilen und Haute-Sorne.

Das Projekt im Jura ist weit fortgeschritten. «Wir sind optimistisch, die Bohrbewilligung schon im Juni zu erhalten», so Ladner. Bei einer ersten Bohrung 2017 könnte ab 2020 Strom produziert werden. Im besten Fall mit fünf Megawatt Leistung, das Kraftwerk ist neben einer Holzfabrik geplant. Das Risiko von Erdbeben besteht auch hier, aber dank der Lehren aus Basel will man den Druck im Kristallin örtlich beschränken.

Erschütterungen seien möglich, aber dank einer genauen Seismik-Überwachung würde man aufhören, bevor es zu Schäden komme. Zwei Dinge könnten das Projekt verzögern: Mögliche Einsprachen und die fehlende Finanzierung für die nötigen 80 bis 100 Millionen Franken. «Wir wollen alle Förderkässeli anzapfen», meint Ladner dazu. Der harten Realität hierzulande entfliehen die Erdwärme-Fans nächstes Jahr für eine Woche ins Schlaraffenland der Geothermie. In Island kommt das heisse Wasser gratis aus dem Boden und liefert endlos Wärme.