«Gault-Millau»

Kein Spitzen-Restaurant im Freiamt — ehemaliger Gastro-Präsident: «Das tut weh»

Das Freiamt als Gastrowüste: Nachdem das Restaurant Usagiyama im Januar seine Pforten schloss, wird in der Region kein Restaurant mehr im Gastro-Führer Gault Millau aufgeführt. Den ehemaligen Gastro-Präsidenten und Freiämter Josef Füglistaller schmerzt das.

Sarah Kunz
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Das Restaurant Usagiyama musste seine Pforten schliessen. Nun ist das Freiamt ohne Spitzen-Restaurant.

Das Restaurant Usagiyama musste seine Pforten schliessen. Nun ist das Freiamt ohne Spitzen-Restaurant.

870 Restaurants wurden in den Gastro-Guide von Gault-Millau aufgenommen und dürfen sich nun zur kulinarischen Elite des Landes zählen — darunter auch 18 Aargauer Restaurants. In beinahe jeder Region des Kantons sind führende Restaurants vertreten. Ausser im Freiamt.

Das japanische Lokal Usagiyama auf dem Hasenberg führte die Liste in den vergangenen Jahren an. Im Januar musste das Restaurant seine Pforten jedoch schliessen und ging wegen schlechten Geschäftsgangs Konkurs. Damit verlor das Freiamt das beste und zugleich einzige Elite-Restaurant in der gesamten Region.

Josef Füglistaller, ehemaliger Präsident Gastro Aargau und Freiämter

Josef Füglistaller, ehemaliger Präsident Gastro Aargau und Freiämter

Emanuel Freudiger

«Wir haben viele, traditionelle Betriebe»

Der ehemalige Gastro-Präsident und Freiämter Josef Füglistaller bedauert, dass die Region nun kein Spitzen-Restaurant mehr beheimatet: «Das tut schon weh.» Er ist aber überzeugt, dass das Freiamt ein breites Spektrum in der Gastronomie anzubieten habe. «Wir haben viele gute, traditionelle Betriebe, die eine Auszeichnung im Gastro-Führer gar nicht anstreben.»

Zudem gibt er zu Bedenken, dass eine Aufführung im Gault-Millau auch Druck auf die Betriebe ausüben kann. «Eine Erwähnung kann die Kundschaft verängstigen. Sie fürchten dann, dass die Preise steigen oder ein Restaurant zu nobel wird», sagt Füglistaller. «Ich behaupte sogar, dass das der Tod des Restaurants Usagiyama war.»

Bis im Juni 2016 leitete der Freiämter noch sein eigenes Restaurant, die Rôtisserie Kellerämterhof. Seit da ist er nicht mehr in der Küche, sondern in der Gaststube anzutreffen. Wo er denn im Freiamt gerne essen gehe. Da muss der ehemalige Gastro-Präsident lachen. Nach kurzer Überlegung gibt er dann seine Antwort: «Im Gasthaus Linde in Büttikon oder in der Brasserie Terrasse in Widen.»

Region Aargau West und Baden mit den meisten Spitzen-Restaurants

Zu den kulinarischen Hochburgen zählen die Regionen Aargau West und Baden. Rund um die Kantonshauptstadt sind elf Betriebe im Gastro-Führer zu finden, in Baden sind es fünf. In den weiteren Regionen Brugg, Fricktal und Zofingen erhielt je ein Betrieb Gault-Millau-Punkte.

Hier finden Sie alle Restaurants im Überblick:

Rosmarin, Lenzburg «Philipp Audolensky hat mit seiner Liebe zum Detail und mit seinen lustvollen Gerichten begeistert», schreibt der Gault Millau. Sein Restaurant Rosmarin (im Hintergrund) hat 15 Punkte.
26 Bilder
Schlossgarten, Schöftland Der Schlossgarten gehört weit über die Dorfgrenzen hinweg zu den bevorzugten Adressen. Auch der Schlossgarten kann 15 Gault-Millau-Punkte vorweisen.
Wirtshaus zur Heimat, Ehrendingen Tim Munz und seine Partnerin Melina Rychener haben das Wirtshaus im Frühling 2016 übernommen. Munz hat als Küchenchef 2018 um einen Punkt zugelegt und ist neu bei 14 Punkten.
Tim Munz vom Wirthaus zur Heimat hat 14 Punkte "Heimat"-Wirt Tim Munz und sein Team: "Jeder Gast wird bei uns so behandelt, wie ein potenzieller Gault-Millau-Tester."
Restaurant Fahr, Künten-Sulz Die jungen Wirte Alexandra von Allmen und Manuel Steigmeier sind mit 15 Punkten ausgezeichnet worden.
Alexandra von Allmen und Manuel Steigmeier in der Gaststube.
Pfändler's Gasthof zum Bären, Birmenstorf Die Wirte haben 2018 von Gault Millau 14 Punkte erhalten - wie im Vorjahr.
Bären, Mägenwil Die Wirte haben 2018 von Gault Millau 14 Punkte erhalten - wie im Vorjahr.
Silvio's Ampère, Rupperswil Das Ampère erhielt wie im Vorjahr 14 Punkte.
Bänziger, Seon Das Restaurant erhielt wie auch schon im Vorjahr 14 Punkte.
 Martin Bänziger führt das Gourmet-Restaurant.
Zum Hirschen, Villigen Der Gastro-Kritiker verlieht dem Restaurant in Villigen 15 Punkte.
Nadja Schuler und Stephane Wirth haben den Landgasthof zum Hirschen in Villigen im Februar 2013 übernommen.
Landgasthof Ochsen, Wölflinswil Auch er erhielt wie im Vorjahr 13 Punkte.
Kettenbrücke, Aarau Ende März 2016 öffnete das Aarauer Vierstern-Stadthotel Kettenbrücke seine Tore im neuen Glanz. Nun hat es erneut 13 Punkte erhalten und gehört neu zu den Aargauer Gault-Millau-Restaurants.
Die Küche unter der Leitung von Jörg Krölls überzeugte die Tester mit Wiener-Schnitzel und Kartoffel-Gurken-Salat.
Barracuda, Lenzburg Die Brasserie wurde im Juni 2017 eröffnet. Auch sie befindet sich neu im Gault Millau – mit 13 Punkten.
Hotel Bären, Bärenstübli, Suhr Das Restaurant erhielt wie im Vorjahr 13 Punkte von Gault Millau.
Das Ziel von Chefkoch Stephan Pletschacher ist es, den 14. Punkt zurückzuerobern.
Mürset, Aarau Das Restaurant erhielt wie im Vorjahr 13 Punkte von Gault Millau.
Pinte, Dättwil Das Restaurant erhielt wie im Vorjahr 13 Punkte von Gault Millau.
Patrick Troxler, Küchenchef und Inhaber der Restaurant Pinte Dättwil AG, vor der Dättwiler Traditionsbeiz.
Zur Mühle, Oberentfelden Das Restaurant erhielt wie im Vorjahr 13 Zähler.
Beluga, Aarau Küchenchef Robin Dürlewanger. Das Restaurant erhielt 13-Gault-Millau-Punkte, einen weniger als im Vorjahr.
Seerose, Cocon, Meisterschwanden Das Restaurant erhielt 13 Punkte von Gault Millau, einen mehr als im Vorjahr.
Federal, Zofingen Aufgetischt wird im Restaurant Federal in Zofingen von Aline & Rudolf Zünd. Sie erhielten 14 Punkte.

Rosmarin, Lenzburg «Philipp Audolensky hat mit seiner Liebe zum Detail und mit seinen lustvollen Gerichten begeistert», schreibt der Gault Millau. Sein Restaurant Rosmarin (im Hintergrund) hat 15 Punkte.

ho