Kommentar
Die SP Aargau richtet den Blick nach innen ‒ das ist für die angeschlagene Partei ein Risiko

Am Samstag hat die SP Aargau Nora Langmoen und Stefan Dietrich als Co-Präsidium gewählt. Sie setzen sich für die Bezirks- und Ortsparteien ein. Doch damit macht die SP ihre Verluste kaum wett.

Eva Berger
Eva Berger
Drucken
Der Bremgarter Stefan Dietrich und Nora Langmoen aus Baden freuen sich nach der Bekanntgabe ihrer Wahl zum neuen Co-Präsidium der SP Aargau am Parteitag 2022 in Oberkulm.

Der Bremgarter Stefan Dietrich und Nora Langmoen aus Baden freuen sich nach der Bekanntgabe ihrer Wahl zum neuen Co-Präsidium der SP Aargau am Parteitag 2022 in Oberkulm.

Henry Muchenberger

Die Wahl von Nora Langmoen und Stefan Dietrich ins Co-Präsidium der SP Aargau ist eine Überraschung. Die beiden sind in den letzten Wochen durch den Kanton getingelt, haben sich bei der Basis vorgestellt, ihr Unterstützung zugesagt und so das Vertrauen gewonnen. Schliesslich haben sie am Parteitag die Konkurrenz aus Lelia Hunziker und Rolf Schmid hinter sich gelassen. Dabei war diese klarer positioniert und in der kantonalen Politik zuvor deutlich besser bekannt.

Wegen der Basisarbeit haben viele Genossinnen und Genossen dem Duo Langmoen/Dietrich ihre Stimmen gegeben. Das ist verständlich: Die Orts- und Bezirksparteien sind die erste Anlaufstelle, wenn sich jemand in der Politik engagieren will. Dort sind die erfolgreichen Politikerinnen und Politiker von morgen schon heute tätig, man muss sie nur finden. Das ist eine wichtige Arbeit. Es ist aber fraglich, wie stark sich das Kantonalpräsidium darauf konzentrieren soll und wie viel es den Sektionen selber überlassen muss.

Abstimmung am Parteitag der SP Kanton Aargau in Oberkulm.

Abstimmung am Parteitag der SP Kanton Aargau in Oberkulm.

Henry Muchenberger

Die SP ist in einer unbequemen Situation, auch im Aargau: 2020 verlor sie im Grossen Rat vier Sitze und 2,4 Prozent Wähleranteil, das war mit Abstand am meisten aller Parteien. Das kann die Partei aber nicht korrigieren, indem sie den Blick nach innen richtet und sich auf den Mitglieder-Aufbau in den Gemeinden konzentriert. Die SP verliert keine Sitze, weil sie zu wenig sichtbar wäre, sondern weil sich die Wählerinnen und Wähler von der Partei nicht vertreten fühlen.

Mit einer klaren Haltung zu drängenden Fragen und dem Fokus auf das Kernthema ‒ den Sozialstaat ‒ könnte es der SP gelingen, sie zurückzugewinnen. Wählerinnen und Wähler kann man auch in den Gemeinden nicht einfach abholen. Man muss sie von sich überzeugen ‒ wie das die SP Aargau tun will, liegt jetzt bei Nora Langmoen und Stefan Dietrich. Bis zum Ernstfall dauert es nicht mehr lange: Die Nationalratswahlen sind bereits in 18 Monaten.