Corona-Virus

Kurzarbeit: Aargauer Behörden stocken Personal ums Zehnfache auf – prekäre Lage für Selbständige

Das Aargauer Amt für Wirtschaft und Arbeit muss reihenweise Kurzarbeit-Gesuche von Unternehmen bearbeiten. Am härtesten trifft die Coronavirus-Krise aber Selbstständige.

Sébastian Lavoyer
Drucken
Teilen
Viele Aargauer Betriebe beantragen Kurzarbeit. (Symbolbild)

Viele Aargauer Betriebe beantragen Kurzarbeit. (Symbolbild)

KEYSTONE/TI-PRESS/GABRIELE PUTZU

Es ist die bange Frage „Wann trifft es mich?“, die derzeit Unternehmer herumtreibt. Das Corona-Virus bremst uns ab. Die Gesellschaft, die Wirtschaft, die Politik, alles. Es gibt kein Entrinnen, zeigt auch die Entwicklung in den Ländern um den ganzen Globus. In der Schweiz kann man sich verhältnismässig glücklich schätzen, weil nicht nur das Gesundheitswesen funktioniert, sondern auch Wirtschafts- und Sozialsystem greifen. Als eine erste Reaktion hat der Bundesrat die Bewilligung für Kurzarbeit erleichtert.

Im Aargau sind die Anträge auf Kurzarbeit denn auch ähnlich rasant angestiegen, wie die Zahl der Corona-Infizierten. Exponentielles Wachstum. Kurven wie Sprungschanzen. Am 6. März hatte das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) knapp über 20 Gesuche bearbeitet und die meisten davon bewilligt. Mehrheitlich für Betriebe aus dem Event- und Gastrosektor. Nur eine Woche später hatte das AWA bereits über 120 Gesuche bearbeitet, bloss deren fünf abgelehnt. Fast 1500 Arbeitnehmende sind davon betroffen.

Von 60 auf bald 500 Stellenprozent

Allein am Donnerstag letzter Woche flatterten 30 neue Anträge herein. Seit Anfang März über 180. In mehr als 95 Prozent der Fälle wegen des Corona-Virus. Um dieser Flut von Anträgen gerecht zu werden, hat das AWA des Kantons Aargau seine Kapazitäten hochgeschraubt. Stephan Nauer, Leiter des Teams, das sich um die Kurzarbeitsanträge kümmert, sagt: «Wir haben die Ressourcen des Bewilligungsteams seit März von 60 auf 300 Stellenprozent erhöht.»

Aber das ist nicht alles. Zusätzlich hat man andere Leute aus dem AWA einer Schnellbleiche unterzogen, damit sie Unternehmern die wichtigsten Fragen am Telefon beantworten können. So werden die Experten entlastet. So ist es noch möglich, dass man Gesuche innert drei Tagen zum Abschluss bringen kann. Noch, denn entwickelt sich die Lage an der Kurzarbeitsfront ähnlich dramatisch wie im Gesundheitssektor, dann wird das nicht mehr lange möglich sein. Und das obschon Nauer sein Team schon diese Woche auf 500 Stellenprozent aufstocken will.

Rund die Hälfte der Gesuche waren am Freitagmittag abgearbeitet. 30 waren in Bearbeitung, weil man Nachfragen hatte, Abklärungen machen musste oder etwas fehlte – 30 waren noch komplett unbearbeitet. Nauer und sein Team arbeiten auf Hochtouren, um die Pendenzen rasch möglichst abzuarbeiten. „Wir wollen kontrollieren, ob alles den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Aber es ist logisch, dass man in dieser Situation den Fünfer auch mal gerade sein lässt“, sagt Giovanni Pelloni, stellvertretender Leiter des AWA.

Die prekäre Situation der Selbständigen

Am härtesten trifft die Corona-Krise aber Selbstständige. Sie können weder Kurzarbeit beantragen (da dies nur für Festangestellte möglich ist), noch sich gegen das Risiko des Umsatzeinbruchs versichern. Selbst wenn die Geschäfte bis Anfang 2020 hervorragend liefen, kann es sein, dass für sie der Markt innert weniger Tage einfach wegbricht. Weil die Kunden nicht mehr ins Tattoo-Studio kommen, weil es keinen Tontechniker mehr braucht, weil die Menschen auf Distanz gehen. Der Bundesrat sei über die Situation informiert, heisst es von verschiedenen Arbeitsämtern auch aus Nachbarkantonen. Ganz allgemein rechnet man damit, dass sich der Staat in dieser ausserordentlichen Lage auch um Selbstständige kümmern wird.

Aber auch die Privatwirtschaft bleibt nicht untätig. So hat zum Beispiel die Aargauische Kantonalbank soeben mitgeteilt, dass sie KMU, die aufgrund des Corona-Virus unverschuldet in Liquiditätsprobleme geraten sind und über intakte Geschäftsmodelle verfügen, unkompliziert und schnell Überbrückungshilfe biete. Direktionspräsident Dieter Widmer: „Selbstverständlich suchen wir gemeinsam mit unseren Kunden nach individuellen Lösungen.“ Man fokussieren dabei auf die bestehenden Kunden, auf deren Beratung und Unterstützung. Widmer: „Solidarität ist uns in diesem für viele Unternehmen äusserst anspruchsvollem Umfeld wichtig, auch im Hinblick auf die mitbetroffenen Arbeitnehmenden.“