Sondereinheit

Mann der ersten Argus-Stunde: «Die Schusswaffe ist immer das letzte Mittel»

Hauptmann André Zumsteg war selbst Mitglied der Aargauer Sondereinheit Argus. Im Interview erklärt er, warum die Einheit in den 70er-Jahren gebildet wurde und warum es sie heute noch braucht.

Interview: Bastian Heiniger
Drucken
Teilen
Hauptmann André Zumsteg über die Argus-Gründung: «Sie erfolgte in der Zeit, als linksextremistische Terrororganisationen in Europa blutige Anschläge verübten.»

Hauptmann André Zumsteg über die Argus-Gründung: «Sie erfolgte in der Zeit, als linksextremistische Terrororganisationen in Europa blutige Anschläge verübten.»

Sandra Ardizzone

Der Hauptmann André Zumsteg (61) ist heute Abteilungschef «Führung und Einsatz» bei der Kantonspolizei Aargau.

Herr Zumsteg, Sie waren von Beginn an ein Mitglied der Sondereinheit, wie oft mussten Sie schiessen?

Ich selber habe die Schusswaffe nie eingesetzt. Ich hätte sie einsetzen können, man versucht jedoch, eine Situation möglichst anders zu lösen. Die Schusswaffe ist immer das letzte Mittel. Auch bei der Sondereinheit.

Die Einsätze von «Argus» sind gefährlich. Wie oft wurden Sie verletzt?

Bei der Sondereinheit wurde ich nie verletzt. Aber bei einem normalen Ordnungsdiensteinsatz. An einem Fussballspiel wurde ich einmal von einem Stein getroffen.

Was sind die häufigsten Fälle, bei denen die Sondereinheit zum Einsatz kommt?

Oft wenn mehrere Täter gleichzeitig festgenommen werden müssen oder wenn wir es mit besonders gefährlichen Personen zu tun haben. Aber auch bei Razzien oder Festnahmen im Zusammenhang mit Erpressungen. Und: Wenn Diebesgut oder Drogen an mehreren Tatorten beweissichernd konfisziert werden müssen. Die Mitglieder von «Argus» sind jedoch keine Helden. Sie sind stark im Team.

Die Ursprünge von «Argus» liegen in den 70er-Jahren. Warum brauchte die Polizei eine Spezialtruppe?

Die Gründung erfolgte in der Zeit, als linksextremistische Terrororganisationen wie die Rote Armefraktion oder die Roten Brigaden in Europa blutige Anschläge verübten. Damals erkannte man, dass normal ausgerüstete Polizisten diesen Bedrohungen nicht standhalten können. Aus der Gegründeten Antiterroreinheit entwickelte sich nach und nach die heutige Sondereinheit. Der damalige Kommandant Léon Borer hatte gute Kontakte zu der Antiterroreinheit «GSG 9» aus Deutschland und dem «Einsatzkommando Cobra» aus Österreich. Im Austausch konnten wir viel Know-how mitnehmen.

Aargauer Sondereinheit Argus
9 Bilder
Die Sondereinheit Argus bei der Arbeit
Die Sondereinheit Argus bei der Arbeit
Die Sondereinheit Argus bei der Arbeit
Eigenschutz hat Priorität. Ein Polizist mit einem Schutzschild geht voraus.
Für Übungen nimmt die Polizei Seifenmunition. Ein Treffer schmerzt dennoch.
Das Kettenhemd schützt vor einem Messerangriff.
Die Türe wurde mit einer Hydraulikpresse geöffnet.

Aargauer Sondereinheit Argus

Archiv/az

Heute ist die Gesellschaft wiederum durch Terror bedroht.

Aufgrund der jüngsten Anschläge in Paris und Kopenhagen stellt sich die Frage: Sind die normalen Polizeikorps überhaupt noch genügend ausgerüstet? Die Gegner setzen Sturmgewehre und Kalaschnikows ein. Polizisten haben normale Pistolen und Maschinenpistolen.