Wetter

Neuer Rekord: Der Aargau ist so trocken wie seit über 100 Jahren nicht mehr

Regen fällt seit Wochen kaum und der Schnee lässt auf sich warten. Der laufende Monat dürfte an einigen Orten der trockenste Dezember seit Messbeginn werden. Nicht der einzige Rekord.

Manuel Bühlmann
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Trockener Dezember im Aargau, im Bild: Schneisingen
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Trockener Dezember Eindrücke aus Schneisingen: Schafe und ein Esel von einem Tessiner Schäfer grasen auf einer Weide.
Trockener Dezember Eindrücke aus Schneisingen: Schafe und ein Esel von einem Tessiner Schäfer grasen auf einer Weide.
Trockener Dezember Der Dezember war noch nie so trocken wie dieses Jahr. Im Bild: Schneisingen.
Trockener Dezember Blick über das Zurzibiet in Richtung Zürich, fotografiert in Fisibach.
Trockener Dezember Eindrücke aus Schneisingen: Schafe und ein Esel von einem Tessiner Schäfer grasen auf einer Weide.

Trockener Dezember im Aargau, im Bild: Schneisingen

Sandra Ardizzone

Der Wunsch nach weisser Weihnacht blieb unerfüllt – einmal mehr. Stattdessen erinnert der Sonnenschein mehr an Frühling denn an Winter. Keine Spur von Regentropfen oder gar Schneeflocken. Die Trockenheit im Aargau hält an; bis Neujahr sind keine Niederschläge zu erwarten. In einigen Regionen wurden noch nie längere Trockenperiode gemessen.

Einen Rekordwert meldet Meteoswiss aus Zofingen: 34 Tage, zwischen dem 19. November und dem 22. Dezember, fiel kein Niederschlag – solange wie noch nie seit Messbeginn vor über 100 Jahren. Und am Messstandort im bernischen Wynau, gleich an der Aargauer Grenze, wurden sogar 37 Tage ohne einen Regentropfen registriert.

Ebenfalls Rekord bedeuten die 30 trockenen Tage in Buchs-Aarau, die von Ende November bis kurz nach Weihnachten gemessen wurden. Die 0,2 Millimeter Regen, die in Buchs am Abend des 26. Dezembers fielen, sind die einzigen Niederschläge im ganzen Monat. Stimmen die Prognosen und bleibt der Regen bis zum Wochenende aus, wird es dort der trockenste je gemessene Dezember.

Der bisherige Rekordwert geht auf das Jahr 1963 zurück, damals fiel in Buchs 1 Millimeter Niederschlag. In Muri, wo die Messergebnisse bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen, bedeuten die 0,8 Millimeter ebenfalls einen neuen Tiefstwert.

Der Vorteil des Nebels

«Eine ausgesprochene Niederschlagsarmut» in der Region des Aargauer und Solothurner Jurasüdfusses, stellt Stefan Bader von Meteoswisss seit dem letzten Novemberdrittel fest. In Nachbarkantonen wurde bereits auf die anhaltende Trockenheit reagiert: In Solothurn wurde die Gefahrenstufe von gering auf mässig gehoben, ebenso in Baselland, wo eine «Mahnung zu sorgfältigem Umgang mit Feuer im Wald und im Freien» erlassen wurde.

Im Tessin und in Graubünden, wo Waldbrände wüten, gilt ein absolutes Feuerverbot im Freien. Und im Aargau? «Im Moment ist nicht mit einer Warnung zu rechnen», sagt Giovanni Leardini, Sprecher des kantonalen Umweltdepartements. «Im Wald ist es zwar trocken, aber anders als im Sommer ist es nicht heiss, deshalb ist die Situation weniger angespannt.»

Dazu kommt ein Vorteil des nebligen Winterwetters: «Der Nebel sorgt für eine gewisse Feuchtigkeit, auch wenn er sich verzieht, bleibt eine gewisse Restfeuchtigkeit.» Für Feuerwerk-Fans bedeutet dies: Raketen und Zuckerstöcke dürfen am Silvesterabend gezündet werden. Dennoch rufen die Zuständigen beim Kanton auf zur Vorsicht mit offenen Feuern im Wald und dem Abbrennen von Feuerwerk insbesondere in Waldnähe.

Lange trockene Phasen sind für die Natur eine Belastung. Doch Norbert Kräuchi, Leiter Abteilung Landschaft und Gewässer beim Kanton, gibt vorerst Entwarnung: «Da für die Vegetation die winterliche Ruhezeit bereits begonnen hat und zudem die Verdunstung im Winter geringer ist als in den warmen Jahreszeiten, stellt die gegenwärtige Trockenheit für die Natur kein Problem dar.» Für ihn stehen denn auch weniger die Folgen der aktuellen niederschlagsarmen Phase im Fokus als vielmehr die Frage nach den zu erwartenden Risiken des Klimawandels. «Die aktuelle Trockenheit fügt sich nahtlos in das Muster vergangener Jahre ein und verdeutlicht, wo die grössten Herausforderungen des Klimawandels für die Schweiz liegen: etwa beim Auftreten von Extremen wie Starkniederschlägen, Hitzewellen oder eben Trockenperioden», sagt Kräuchi.

Pflanzen brauchen wenig Wasser

Bereits jetzt zu sehen sind die Auswirkungen der ausbleibenden Regenfälle bei den Flüssen, die wenig Wasser führen. Beispiel Aare: In Brugg fliessen nur 123 Kubikmeter pro Sekunde durch, womit der Wert für Niedrigwasser (143 Kubikmeter pro Sekunde) deutlich unterschritten wird. Klar unter dem langjährigen Mittel liegt auch die Wassermenge im Aabach. Für die Stromproduktion verbleibe nach Abzug des Restwassers für die Fische kaum ausreichend Wasser, sagt Kräuchi. Immerhin: Fälle von Fischsterben aufgrund der Trockenheit sind beim Kanton keine bekannt.

Auch die Landwirtschaft leidet bis jetzt nicht unter den ausbleibenden Niederschlägen. «Die Pflanzen müssen zurzeit nicht wachsen und benötigen deshalb kaum Feuchtigkeit. Weil die Tage kurz und die Sonnenstrahlen schwach sind, trocknen sie dennoch nicht aus», sagt Ralf Bucher, Geschäftsführer des Aargauer Bauernverbands. «Doch irgendwann müssen sich die Wasserspeicher wieder füllen.» Weil der Wasserstand bereits im Herbst in einigen Gewässern kritisch war, musste der Kanton die Wasserentnahme etwa im Wissenbach und in der Sissle verbieten. Zurzeit sei der Wasserbedarf für landwirtschaftliche Kulturen gering, sagt Norbert Kräuchi. «Doch im Frühjahr wird die Nachfrage stark steigen. Bleibt zu hoffen, dass sich bis dahin die Abflussmengen unserer Bäche und Flüsse wieder normalisiert haben.»