Zürich

Nur «komisch angeschaut» und dann spitalreif geprügelt - Aargauer Schläger verurteilt

Da er in Zürich einen Clubbesucher brutal verprügelt hat, muss ein junger Schläger aus Mülligen ein halbes Jahr ins Gefängnis. Ein Mittäter aus Mellingen kam mit einer Geldstrafe davon.

Attila Szenogrady
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Plötzlich schlägt ein Clubbesucher einem anderen die Faust ins Gesicht. (Symbolbild)

Plötzlich schlägt ein Clubbesucher einem anderen die Faust ins Gesicht. (Symbolbild)

Keystone

Es war in der Nacht auf den 7. Dezember 2014, als sich zwei Aargauer nach Zürich in den Ausgang begaben und kurz nach Mitternacht den Club «Sektor 11» in Zürich Nord aufsuchten. Einer der beiden, ein 21-jähriger Schweizer aus Mülligen mit Migrationshintergrund, sah dort eine Aargauer Kollegin, die in Begleitung ihres Freundes und von zwei weiteren Männern war.
Die Anklageschrift schildert, wie der spätere Beschuldigte aus Mülligen seiner Kollegin plötzlich eine Whatsapp-Mitteilung zustellte.

Darin schrieb er, dass ihr Partner ihn nicht so komisch anschauen solle. Sonst werde ihr Freund schon bald nie mehr etwas sehen. Dann ging es schon los. Der in Mellingen wohnhafte kosovarische Begleiter des Beschuldigten stürmte auf die Gruppe um die Kollegin zu und schlug einem der überraschten Clubbesucher wuchtig die Faust ins Gesicht.

Nun ging auch der Provokateur aus Mülligen zum Angriff über und knöpfte sich einen zweiten Geschädigten vor. Er schlug das Opfer zu Boden, worauf die beiden Aargauer diesen brutal mit weiteren Faustschlägen und Fusstritten gegen den Kopfbereich traktierten.

Nach rund 20 Sekunden konnten mehrere Sicherheitsbeamte die Lage beruhigen und die Polizei einschalten. Allerdings hatten sich die beiden Angreifer unmittelbar nach der Schlägerei vom Tatort abgesetzt. Die beiden Geschädigten hatten erhebliche Prellungen und Rissquetschwunden an Kopf und am Rücken erlitten.

Waffen sichergestellt

Die Zürcher Staatsanwaltschaft IV leitete eine Strafuntersuchung ein und liess die beiden ermittelten Beschuldigten am 18. Februar 2015 an ihren Wohnorten festnehmen. In Mellingen konnten die Polizisten beim heute 20-jährigen Kosovo-Albaner mehrere verbotene Waffen wie Schlagringe und einen Schlagstock sicherstellen.

Beide Männer verbrachten zwei Monate in Untersuchungshaft und sahen sich nun mit einer Anklage wegen versuchter schwerer Körperverletzung sowie Angriffs konfrontiert. Beim Beschuldigten aus Mellingen kam Widerhandlung gegen das Waffengesetz hinzu.

Am Strafprozess hinterliessen die beiden Beschuldigten nicht den besten Eindruck. Während der Schweizer Hauptbeschuldigte die Schlägerei bagatellisierte, machte der Mitbeschuldigte einen kompletten Filmriss infolge Alkoholkonsums geltend.

Dagegen sprach allerdings ein nachträglicher Whats-app-Verkehr unter den Tätern. Diesen konnte die Polizei sichern und damit nachweisen, dass die Beschuldigten detaillierte Angaben über den Ablauf der Ereignisse gemacht hatten. Während die Staatsanwaltschaft Gefängnisstrafen von 16 Monaten teilbedingt sowie 14 Monaten bedingt verlangte, setzte sich die Verteidigung für eine milde Busse oder gar Freisprüche ein.

Haupttäter muss ins Gefängnis

Das zuständige Bezirksgericht Zürich schlug beim Strafmass einen Mittelweg ein. Es verurteilte den Hauptbeschuldigten aus Mülligen aufgrund von glaubhaften Zeugenaussagen der Opfer wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 16 Monaten. Ein halbes Jahr soll er im Gefängnis absitzen.

Erheblich milder kam der Mitbeschuldigte davon. Er kassierte infolge des einzigen erwiesenen Faustschlags wegen einfacher Körperverletzung eine unbedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 30 Franken. Die zwei Aargauer wurden ausserdem verpflichtet, den beiden Geschädigten Schmerzensgelder von 400 Franken sowie 100 Franken zu bezahlen.