Verabschiedung

Pascale Bruderer verabschiedet sich – mit einem letzten Appell an die Aargauer Genossen

Die frühere Ständerätin wurde am Parteitag der SP Aargau in Baden offiziell verabschiedet. Sie ruft ihre Parteikolleginnen- und Kollegen zu Offenheit gegenüber liberalen Positionen und Mitgliedern auf.

Fabian Hägler
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Am Parteitag der SP Aargau in der Stanzerei Baden wurde alt Ständerätin Pascale Bruderer offiziell verabschiedet.
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Sie richtete sich in einem letzten Appell an ihre Parteigenossen und forderte Offenheit gegenüber liberalen Positionen.
Sie vertrat den Aargau von 2001 bis 2015 im Stöckli.
Pascale Bruderer mit SP-Aargau-Präsidentin Gabriela Suter.
Nationalrat Cédric Wermuth würdigte die alt Ständerätin.
Auch Kantonalpräsidentin Suter würdigte Bruderer.
Pascale Bruderer mit Nationalrätin Yvonne Feri.
Als Überraschungsgäste traten an der Verabschiedung Sina und Adrian Stern auf.
Bruderer freute sich sehr über die musikalische Einlage.
Die SP-Delegierten fassten am Parteitag auch ihre Parole für die kantonale Abstimmung vom 17. Mai.
Mit 49 zu 35 Stimmen spricht sich die SP für die Abschaffung der Schulpflegen aus.

Am Parteitag der SP Aargau in der Stanzerei Baden wurde alt Ständerätin Pascale Bruderer offiziell verabschiedet.

Alex Spichale

«Danke Pascale» – unter diesem Motto stand die Verabschiedung der ehemaligen Ständerätin Pascale Bruderer am SP-Parteitag in der Stanzerei Baden. «Du hast unglaublich viel geleistet für unsere Partei», sagte Kantonalpräsidentin Gabriela Suter, als sie Bruderer würdigte.

Mit der Wahl in den Ständerat im Jahr 2011 habe die junge Sozialdemokratin etwas Aussergewöhnliches geschafft. Zuvor war die SP 63 Jahre lang nicht im Stöckli vertreten, und nach Bruderers Verzicht auf eine weitere Kandidatur ging der Sitz im letzten Herbst zurück an die SVP.

Es sei alles andere als selbstverständlich, dass die SP im stockbürgerlichen Kanton Aargau einen Ständeratssitz erobern könne, betonte Suter. Bruderer habe dies mit ihrem riesigen Netzwerk, ihrem langjährigen Einsatz für Benachteiligte und ihrem grossen politischen Talent geschafft. In den letzten acht Jahren sei der eine Aargauer Sitz im Stöckli jedenfalls sehr gut besetzt gewesen, sagte Suter.

Bruderer wirbt für sozial-liberale Positionen innerhalb der SP

Unter lautem Applaus der SP-Mitglieder betrat Pascale Bruderer die Bühne und wandte sich an die Genossinnen und Genossen, obwohl dies im Drehbuch des Abends nicht vorgesehen war. Der Moment des Abschieds berühre sie sehr, sagte Bruderer, und dankte der SP-Basis für die langjährige Unterstützung. Danach folgte ein eindringlicher Appell an die Sozialdemokraten, den Bruderer mit einem Rückblick auf ihre erste nationale Kampagne begann.

«Ihr habt mir immer das Vertrauen geschenkt, obwohl Ihr wusstet, dass es mit mir nicht einfach wird», sagte sie rückblickend. Bruderer betonte, sie sei schon bei ihrer ersten Kandidatur für den Nationalrat mit dem Slogan «sozial und liberal» angetreten. «Da läuteten bei einigen die Alarmglocken, und ich glaube, es gibt nicht viele Mitglieder unserer Partei, die sich trauen würden, auf einen solchen Slogan zu setzen.»

Genau diese Kombination machte Bruderer aber wählbar für bürgerliche Kreise im Aargau und war damit auch ihr Erfolgsrezept. Sie wurde wohl nur deshalb Ständerätin, weil sie nicht auf starre Ideologie und Linksaussen-Positionen setzte, sondern auf pragmatische Lösungen und Offenheit gegenüber anderen politischen Meinungen.

Offenbar befürchtet Bruderer, dass sozial-liberale Positionen in ihrer Partei keinen Platz mehr haben könnten. Hintergrund ist die Nachfolge von SP-Schweiz-Präsident Christian Levrat. Offiziell beworben haben sich mit dem Aargauer Nationalrat Cédric Wermuth und der Zürcher Nationalrätin Mattea Meyer zwei Vertreter des linken Parteiflügels. Dies hatte unter anderem die Aargauer SP-Nationalrätin Yvonne Feri kritisiert.

Bruderer erwähnte die Auseinandersetzung um die Besetzung des Präsidiums und den Konflikt zwischen der Reformplattform, der sie selber angehört, und dem linken Flügel in der SP bei ihren Abschiedsworten nicht direkt.

Doch ihr Anliegen brachte sie klar auf den Punkt: «Ich hoffe, dass es in der Partei auch künftig Platz hat für Menschen, die eine soziale und eine liberale Einstellung verbinden.» Die SP würde sich unter ihrem Wert verkaufen, wenn sie den Platz für solche Politiker versperre, mahnte Bruderer.

Lob von Feri und Wermuth, Buch und Einrad von der Partei

Das heisse nicht, dass sie ihre Partei in der politischen Mitte sehe, hielt die ehemalige Ständerätin fest. «Aber ich sehe die SP in der Mitte der Gesellschaft, dafür braucht es Bereitschaft zum Dialog und eine Breite in der Partei, an der wir jedes Interesse haben müssen», betonte sie.

Künftig werde sie sich öffentlich nicht dazu äussern, doch sie vertraue darauf, dass viele SP-Mitglieder ihre Werte weitertragen würden. Auch für sie sei die Eigenverantwortung der Menschen, die primär von SVP und FDP betont wird, ein wichtiges Element ihrer Politik. «Das ist die eine Seite der Medaille, während Solidarität und Chancengleichheit die andere Seite darstellen», sagte sie.

Nach ihrem Appell gab es für Bruderer erneut Applaus von der SP-Basis – und viel Lob von Yvonne Feri und Cédric Wermuth. Feri zeigte sich beeindruckt von der Fähigkeit der ehemaligen Ständerätin, ihre Worte so zu wählen, dass sie auch von harten Interviewern wie Roger Schwawinski nicht in die Enge getrieben werden könne.

Wermuth sprach von einer politischen Ausnahmekarriere, die Bruderer hinter sich habe, und attestierte ihr Menschlichkeit, Vertrauenswürdigkeit, Klarheit in den Aussagen und ein grosses Gespür für politische Strategie und Taktik. Von der Partei erhielt sie ein Einrad als sportliche Herausforderung und ein Buch, in dem Parteimitglieder ihre Widmungen hinterlassen hatten.