Verkehrsunfälle

Risiko fährt immer mit: Das sind die gefährlichsten Töffstrecken im Aargau

Dieses Wochenende ist es im Aargau trocken, es wird bis 18 Grad. Viele Motorradfahrer werden eine erste Ausfahrt machen. Doch Vorsicht, mit keinem anderen Verkehrsmittel geschehen so viele schwere Unfälle wie mit Motorrädern. Das zeigt die Karte mit der Töffunfall-Statistik.

Mathias Küng
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Perfektes Töffwetter verleitet manche Biker übermütig zu fahren.

Perfektes Töffwetter verleitet manche Biker übermütig zu fahren.

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Besonders beliebt sind bei den Motorradfahrern Passfahrten. Der Mittellandkanton Aargau weist immerhin zehn Passtrecken auf, die von Bikern gern befahren werden. Darunter sind kurze wie die Route von Bad Zurzach über den Zurzacherberg nach Tegerfelden, aber auch längere wie die von Brugg über den Bözberg nach Frick, von dort weiter über die Staffelegg nach Küttigen. Ab dort kann, wer mag, gleich wieder via Benkerjoch ins Fricktal fahren und von Wöflinswil via Kienberg und die Salhöhe über Erlinsbach zurück nach Aarau.

Karte Sahlhöhe

Karte Sahlhöhe

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Hier kommt es auch immer wieder überdurchschnittlich zu Unfällen. 5 von 28 im Jahr 2015 im Aargau bei Verkehrsunfällen getöteten Personen waren Lenker von Motorrädern bzw. Mofas. Über 200 Töfffahrer wurden verletzt. Dank Prävention und besserem Schutz sind die Opferzahlen stark gesunken. 1976 starben im Aargau 26 Mofa- und Motorradfahrer im Verkehr.

Was die einzelnen Zeichen und Farben in der interaktiven Grafik bedeuten

Was die einzelnen Zeichen und Farben in der interaktiven Grafik bedeuten

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Was aber macht den Reiz des Motorradfahrens überhaupt aus? Der Grossrat und frühere Gemeindeammann von Spreitenbach, Josef Bütler, ist ein begeisterter Harley-Davidson-Fahrer: «Es ist der alte Mythos von der Freiheit auf dem Motorrad. Ich fühle mich anders auf dem Töff. Ich bin gern mit Kollegen unterwegs. Wir geniessen diese Gemeinschaft, tauschen Erlebnisse aus und reden über Töffs.» Eine Harley Davidson hat er nicht von ungefähr: «Sie ist ein Zeichen der Individualität, und wunderschön. Eine Fahrt auf dieser Maschine in eher gemächlichem Tempo zu geniessen steht im Vordergrund.»

Leidenschaft Töff Josef Bütler bei einer kleinen Ausfahrt mit seinem Göttikind Laura auf seiner Harley Davidson.

Leidenschaft Töff Josef Bütler bei einer kleinen Ausfahrt mit seinem Göttikind Laura auf seiner Harley Davidson.

Zur Verfügung gestellt

«Ich sang vor Freude auf dem Töff»

Bütler freut sich auf kommende Ausfahrten und Touren, aber: «Meine und viele andere Maschinen standen monatelang in der Garage. Jetzt fehlt die Fahrpraxis. Um diese zurückzuerlangen und mich wieder an die Maschine zu gewöhnen, mache ich anfangs nur kleine Fahrten.» Einst fuhr Bütler eine Rennmaschine, verkaufte die aber, als er heiratete und Vater wurde: «Ich wollte meine Familie nicht dem Risiko aussetzen, womöglich eines Tages ohne mich auskommen zu müssen.» Das zog Bütler 20 Jahre durch.

Doch als er dann mit einem Motorrad leihweise fahren konnte, packte es ihn wieder: «Ich sang vor Freude auf dem Töff, danach verwirklichte ich mir einen alten Traum, eine Harley Davidson.» Doch bevor er mit dieser losfuhr, absolvierte er einen TCS-Kurs in Frick: «Das war für mich nach einem so langen Fahrunterbruch selbstverständlich. Man darf auch keine Hemmungen haben, sich im Kurs unter 20-jährigen wiederzufinden.

So ein Kurs, den auch Fahrlehrer anbieten, oder spätere Auffrischungskurse sind sehr wichtig. Schliesslich fährt das Risiko immer mit, und wir Motorradfahrer haben keine Knautschzone. Der Kurs brachte mir extrem viel. Da lernte ich, in Extremsituationen eher richtig zu reagieren.» Aber ist seine Frau nicht voller Sorge, wenn er etwa auf einer grösseren Tour unterwegs ist? Bütler verneint: «Meine Frau fährt manchmal sogar auf dem Rücksitz mit. Sie weiss und darf sich darauf verlassen, dass ich die technischen Möglichkeiten der Maschine nicht ausreize.»

Lederkombi auch bei 30 Grad

Bütler ist sehr bewusst, dass bei Unfällen überproportional viele Biker schwer verletzt werden, wie auch die Karte mit den Töffunfällen der letzten sechs Jahre auf der beliebten Motorradstrecke über die Salhöhe zeigt: «Deshalb trage ich immer die ganze Schutzkleidung, selbst auf ganz kurzen Fahrten und auch im Sommer bei 30 Grad und noch höheren Temperaturen.»

Für Motorradfahrer – ebenso wie für Autofahrer – die Kurven schneiden, oder in Selbstüberschätzung des eigenen Könnens sich und andere gefährden, hat Bütler kein Verständnis: «Das hat auch damit zu tun, dass ein Kollege von mir einst schwer verunfallt ist. Ich habe ihn oft im Spital besucht, und sein Leiden gesehen. Das prägt. Deswegen musste ich auch den Kopf schütteln, als auf der Autobahn vor wenigen Tagen ein Motorradfahrer nur mit Helm, T-Shirt und kurzen Hosen an mir vorbeifuhr. Ich finde, man darf das Schicksal nicht derart herausfordern.»