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Sponsoring, Spenden und Anlässe: So bringen uns die AKW zum Strahlen

Atomkraftwerke verteilen Geld und versuchen so, die Bevölkerung für sich zu gewinnen. Von einer Imagekampagne in der breiten Öffentlichkeit wollen sie aber nicht sprechen.

Tim Honegger
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Das Kernkraftwerk Leibstadt spendet jährlich bis zu 200'000 Franken an die lokale Bevölkerung.

Das Kernkraftwerk Leibstadt spendet jährlich bis zu 200'000 Franken an die lokale Bevölkerung.

Chris Iseli

Zwischen Ständen mit herbstlichen Spezialitäten und regionalem Handwerk herumbummeln, während direkt nebenan gewaltige Turbinen Strom produzieren: Gleich vor den Toren des Kernkraftwerks Leibstadt (KKL) findet am Sonntag in zwei Wochen ein Herbstmarkt statt. Das ist nur einer der Anlässe, mit denen sich das KKL in ein gutes Licht stellt.

Ein Blick in die Öffentlichkeitsarbeit der umliegenden Atomkraftwerke zeigt: Sie bezirzen die Bevölkerung mit Sponsoring, Spenden und Anlässen.

Atomgegner sind weit weg

Von einer Werbekampagne in der breiten Öffentlichkeit will aber partout niemand sprechen. Karin Giacomuzzi, Leiterin Kommunikation und Informationszentrum KKL, betont, dass hinter der Öffentlichkeitsarbeit keine politische Motivation stecke: «Wir betreiben keine Imagepflege für die Kernkraft, sondern eine Beziehungspflege mit der lokalen Bevölkerung – zu politischen Themen äussern wir uns prinzipiell nicht.» Ins gleiche Horn bläst Bruno Elmiger, Mediensprecher des KKW Gösgen: «Es geht einzig darum, der Bevölkerung ein verlässlicher Partner zu sein und kleine Vereine zu unterstützen.»

Die zwei Kraftwerke geben beide zwischen 100'000 und 200'000 Franken für Sponsoring und Spenden aus – von den KKW Beznau waren keine Angaben dazu einzuholen. Das KKW-Geld verteilt sich auf je rund 250 Gesuche. Zum Zug kommen insbesondere Vereine, die nahe bei den Kühltürmen angesiedelt sind. Die Unterstellung, damit lullten die Kraftwerke die lokale Bevölkerung ein, weisen Elmiger und Giacomuzzi vehement zurück: «Die direkt umliegende Bevölkerung hat am wenigsten Bedenken wegen der Sicherheit – sie ist mit dem Kraftwerk gross geworden.»

Giacomuzzi stellt sogar eine Gegenthese auf: Je weiter entfernt die Leute lebten, desto kritischere Fragen stellten sie. «Für sie ist Kernenergie etwas Fremdes – es ist natürlich, dass sie Unbekanntem gegenüber Zweifel haben», so Giacomuzzi. Selbst der Aufschrei, der nach dem Atom-Unglück in Fukushima erschallte, sei mittlerweile abgeklungen. «Direkt nachher gab es aber einen Besucherandrang.»

Alle Parteien sind willkommen

Letztes Jahr diente der Glasbau des KKL als Tagungsort der FDP Aargau. «Dass ausgerechnet die Freisinnigen hier ihren Parteitag durchführten, ist aber reiner Zufall», versichert Giacomuzzi. So gebe es keine Auswahlkriterien für die Parteien – die SP sei etwa trotz ihrer Opposition gegenüber der Kernenergie willkommen.

Um die Bevölkerung differenziert zu informieren, setzen die Kraftwerke auf öffentliche Führungen: Fast 25'000 Personen blicken jedes Jahr hinter die Fassaden der Stromproduzenten in Leibstadt. «Wir versuchen die Mitarbeiter so zu schulen, dass sie neutral über die Kernenergie informieren», so Giacomuzzi. Es sei jedoch nicht auszuschliessen, dass jemand aus Freude und eigener Überzeugung über die Kernkraft auch einmal Partei ergreife.