Sprachdebatte
Streit um Hausordnung der Neuen Kanti Aarau: «Ein Genderstern – oh jemine!»

Ratsrechte stört sich an der Hausordnung der Neuen Kanti Aarau, weil dort von Schüler:innen die Rede ist. Der Grosse Rat stritt darum, ob der Regierungsrat die Einhaltung der richtigen Schreibweise genügend kontrolliert.

Dominic Kobelt
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In der Hausordnung der Neuen Kantonsschule Aarau ist von Schüler:innen die Rede – daran stören sich manche Grossrätinnen und Grossräte. (Symbolbild)

In der Hausordnung der Neuen Kantonsschule Aarau ist von Schüler:innen die Rede – daran stören sich manche Grossrätinnen und Grossräte. (Symbolbild)

Severin Bigler

Die Motion von Martin Bossert (EDU) verlangte die Durchsetzung der sprachlichen Gleichbehandlung der Geschlechter in Verwaltung und Schulen im Kanton Aargau, speziell bezüglich des Einsatzes typografischer Mittel wie Genderstern, Genderdoppelpunkt, Gender-Gap und Gender-Medio-punkt. Dies, weil in der Hausordnung der Neuen Kantonsschule Aarau nicht von Schülerinnen und Schülern gesprochen wird, sondern von Schüler*innen.

Die Schule sei umgehend auf die geltenden Richtlinien hingewiesen worden, argumentierte der Regierungsrat. Weil dies der einzige Fall war, den die Motionäre anführten, erachtete er das Anliegen als erfüllt. Er erklärte sich zur Entgegennahme des Vorstosses bereit und beantragte gleichzeitig dessen Abschreibung.

Auch FDP will Motion nicht abschreiben

Diese wurde aber bestritten: Bossert fehlte in der Regierungsantwort eine «proaktive Haltung». «Wir bedauern, dass der Regierungsrat auf weitere Beispiele nicht selber aufmerksam geworden ist.» Am Samstag hatte die Junge SVP in einer Medienmitteilung darauf hingewiesen, dass auch die SVA Aargau den Genderstern verwendet.

Silvan Hilfiker (FDP) erklärte, dass seine Fraktion die Motion ebenfalls nicht abschreiben möchte. Der Regierungsrat mache es sich zu einfach. «Wir möchten keine Genderpolizei, aber eine verstärkte Sensibilisierung.»

«Wir brauchen keine Sprachpolizei»

Dagegen argumentiert Carol Demarmels (SP), dass die Genderschreibweise in vielen Bereichen bereits Tatsache sei. «Soll unseren Kantonsschulen tatsächlich verboten werden, was sich in Wirtschaft und Gesellschaft schon durchgesetzt hat?» Andreas Fischer Bargetzi (Grüne) wies darauf hin, dass es bei der Ablehnung der Genderschreibweise vielmehr um die Ablehnung von Menschen gehe, die sich nicht in die Geschlechterrollen einordnen wollten.

«In der Hausordnung steht ein Genderstern – oh jemine!», sagte Lelia Hunziker (SP). Die rechtskonservative Ratshälfte wittere eine feministische Verschwörung. «Das hat die Sprachpolizei auf den Plan gerufen, Übertretungen sollen sanktioniert werden.» Sonst schreie man überall nach Liberalismus, so Hunziker. Dominik Peter (GLP) fand ebenfalls: «Wir brauchen keine Sprachpolizei im Aargau.»

Landammann Alex Hürzeler betonte, dass es wichtig sei, dass man sich an die Richtlinien halte, die sich an denjenigen des Bundes orientierten. Dies zu kontrollieren, sei aber nicht immer ganz einfach. «Wir erkennen aber keinen besonderen Handlungsbedarf, der über das hinausgeht, was wir schon tun.»

Die Entgegennahme war unbestritten. Die Abschreibung wurde mit 66 zu 62 Stimmen unterstützt.