Leserwandern
Tourismusdirektor Eggimann sagt, was die Leserwanderer im Baselbiet erwartet

Neue Wanderkarten, Einführung der Gasttaxe und zwei überregionale Velowege: Tobias Eggimann, Direktor von Baselland Tourismus, spricht Klartext über den Tourismus im Baselbiet.

Oliver Maurer
Drucken
Teilen
Tobias Eggimann an seinem Lieblingsort, der Belchenfluh. Kenneth Nars

Tobias Eggimann an seinem Lieblingsort, der Belchenfluh. Kenneth Nars

Kenneth Nars

Wieso soll man im Baselbiet Ferien machen?

Tobias Eggimann: Das Baselbiet ist keine klassische Ferienregion, dort bewegen wir uns auch gar nicht hin. Es gibt keine Freizeit-Hotellerie, wir sind eher business- und seminarlastig. Dazu gibt es eine Handvoll Betriebe, welche sich für ein schönes Wochenende oder ein paar Tage eignen. Das Baselbiet ist aber kein Ort, wo man zwei Wochen Ferien macht.

Welches ist Ihr Lieblingsort im Baselbiet?

Eindeutig die Belchenfluh oberhalb von Eptingen. Diesen Ort besuche ich fast ein Dutzend Mal pro Jahr. Dort oben habe ich eine 360-Grad-Aussicht. An einem schönen Tag sieht man die gesamten Alpen, das Baselbiet, aber auch die Vogesen und den Schwarzwald. Ausserdem sagt man, der Belchen sei ein keltischer Kraftort und der Name stamme vom Sonnengott «Belenus». Zusammen mit dem «Grand Ballon» in den Vogesen und dem Belchen in Deutschland ergibt sich ein Dreieck. Früher nutzten dies die Menschen zur Bestimmung der Sommer- und Wintersonnenwende.

Was für Angebote gibt es speziell im Sommer?

An heissen Tagen muss es nicht eine Panoramawanderung unter praller Sonne sein. Am besten, die Wanderung führt entlang von Bächen und durch kühle Wälder. Im Internet haben wir ein Kategorie dazu mit dem Namen «Kühle Perlen» ausgearbeitet, das einen zum Beispiel ins Kaltbrunnental führt. Auf dem Weg kann man die Füsse ins Wasser halten oder baden. Während der warmen Tage ist auch eine Rheinschifffahrt angenehm. Der Rhein ist mit dem Streckenabschnitt zwischen Birsköpfli bis zum Stauwehr bei Augst/Whylen nämlich auch eine Baselbieter Attraktion.

Wann waren Sie das letzte Mal wandern?

Aufgrund unserer neuen Wanderkarte lief ich einiges ab. Die letzte richtige Wanderung machte ich an meinem Geburtstag durch den Schlosspark in Wildenstein. Diesen Dienstag werde ich übrigens auch beim Leserwandern der «Nordwestschweiz» dabei sein. Sonst bin ich mehrfach wöchentlich joggend auf den Wanderwegen unterwegs. Da probiere ich auch oft etwas Neues aus, um meine mentale Landkarte des Baselbiets zu komplettieren.

Kann man sagen, Sie kennen jeden Stein im Baselbiet?

Das will ich nicht behaupten, aber ich kenne mich schon recht gut aus. Das gehört auch zum Job. Man könnte mich wohl überall aussetzen und ich würde wieder nach Hause finden (lacht).

In welchen Bereichen im Tourismus Baselland gibt es noch Potenzial?

Vor allem im Übernachtungstourismus: Wir wollen die Direktbuchbarkeit der Hotels im Internet verbessern. Die Situation ist noch nicht befriedigend. Man soll die Hotels zu jeder Zeit und von jedem Ort aus buchen können. Die grösseren Hotels haben dies gut gelöst, aber bei den kleineren muss man noch nachhelfen. Denn wenn Betten im Internet nicht existieren, werden sie weniger gebucht. Ausserdem ist die Rate an klassifizierten Hotels noch zu tief. Es wäre besser, wenn diese ein Gütesiegel wie etwa von «Hotellerie Suisse», «Gastro Suisse» oder «Schweiz Tourismus» hätten. Der Gast kann das Hotel dadurch besser einordnen. Und es zeigt, dass der Betrieb sich mit dem Thema Qualität befasst hat.

Wäre eine Fusion mit Basel Tourismus sinnvoll?

Nein. Wir stehen in regelmässigem Kontakt. Aber man muss sehen, dass wir völlig unterschiedliche Produkte haben: Das Baselbiet ist in den Bereichen Seminar- und Langsamtourismus wie Velofahren, Wandern und mit naturnahen Angebote stark. Basel setzt hingegen klar auf Kongresse mit vielen Besuchern und Kulturtourismus. Daher ist ein unterschiedlicher Auftritt durchaus gerechtfertigt. Auch von der Kostenseite her wäre Sparpotenzial nicht vorhanden, da wir durch die organisatorische Einbettung in die Wirtschaftskammer Baselland sehr schlanke Geschäftsstrukturen haben.

Wohin entwickelt sich der Tourismus im Baselland?

Der nächste Meilenstein ist die Einführung der Gasttaxe ab Anfang nächsten Jahres. Dadurch erhalten unsere Hotelgäste ein öV-Ticket für das komplette Netz des Tarifverbundes Nordwestschweiz. Dieses gilt von Schwaderloch im Fricktal bis nach Ederswiler im Jura. Ausserdem lancieren wir zwei Velorouten von Liestal ausgehend nach Olten und nach Laufen. Wir wollen die Altstädte miteinander verbinden. Olten haben wir ausgewählt, da die Stadt für viele Leute im Mittelland noch auf der Landkarte ist, Liestal ist da schon zu weit weg. Dabei arbeiten wir mit Solothurn zusammen. Denn der Gast interessiert sich nicht für Kantonsgrenzen. Es sollen Genussvelotouren mit schönen, verkehrsarmen Routen werden. In der Zentralschweiz funktioniert dieses Konzept sehr gut. Die Herzroute von Lausanne nach Zug gilt zum Beispiel als touristisches Zugpferd.

Wo sehen Sie den Baselbieter Tourismus im Vergleich zum Aargauer oder Solothurner?

Alle sind ähnlich aufgestellt, denn es sind keine klassischen Tourismusdestinationen. Deshalb müssen Tagestouristen angesprochen werden. Die Leute sollen einfach die Schönheit ihrer eigenen Region erkennen und diese als Botschafter verbreiten. Dies ist auch ein gutes Standortmarketing. Wir haben keine Busse voll asiatischer Touristen wie Luzern. Der Schweizer Tourismus versucht, mit neuen Themenrouten diese Konzentration auf Orte wie Zermatt, Interlaken und Luzern aufzubrechen. Dazu muss es aber auch Themenrouten in andere Gebiete geben. Schweiz Tourismus ist in diesem Bereich bestrebt, aber wir müssen dasselbe auch auf regionaler Basis machen.

Aktuelle Nachrichten