Generalversammlung

«Und wie viel bezahlen Sie?»: Auch der ABB-Chef muss für den Parkplatz bezahlen

An der Generalversammlung der ABB wählten die Anleger einen umstrittenen Kandidaten in den Verwaltungsrat – für Unterhaltung sorgte ein alter Bekannter.

Fabian Hock
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ABB-CEO Ulrich Spiesshofer.

ABB-CEO Ulrich Spiesshofer.

KEYSTONE/ENNIO LEANZA

Gebe es an Generalversammlungen neben den obligatorischen Reden, Wahlen und Wortmeldungen auch Preise für gelungene Auftritte, dann ginge die Auszeichnung für den besten Konter des Tages zweifellos an ABB-Präsident Peter Voser.

Eine Aktionärin empörte sich über die gestiegenen Löhne des Managements, während gleichzeitig Tausende Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze durch ein rigoroses Sparprogramm verlören.

„Ein kleiner Angestellter in Turgi muss 40 Franken für seinen Parkplatz berappen.“ Das sei sein Beitrag zum Kostensparprogramm.

„Wie viel bezahlen Sie für Ihren Parkplatz?“, rief sie in Richtung Konzernchef Ulrich Spiesshofer. Voser darauf trocken: „Unser CEO zahlt 120 Franken pro Monat für seinen Parkplatz.“ Man mache keinen Unterschied zwischen unten und oben.

Der Konter sass, doch mit der Vergütung für die Geschäftsleitung war trotzdem nicht jeder einverstanden. 35 Millionen Franken allein an Zusatzleistungen und Boni für das Management, das wollten nicht alle Anwesenden akzeptieren. Mit 76 Prozent der Stimmanteile wurde die Entlohnung letztlich aber doch durchgewunken.

Und noch einer bekam Probleme: Frederico Fleury Curado. Mit 62 Prozent holte er das schwächste Ergebnis aller zur Wahl gestandenen Verwaltungsräte.

Die Anleger-Organisationen Ethos und ISS hatten zuvor Stimmung gegen Curado gemacht.

Der Grund: Er habe zu viele Mandate. Als Embraer-Konzernchef (ein Flugzeugbauer aus Brasilien) und Verwaltungsrat bei Transocean sowie beim Automobilzulieferer Iochpe Maxion könne er nicht auch noch im VR von ABB Einsitz nehmen. ABB und Curado sehen das anders und beteuern, er werde sein sonstiges Pensum zurückschrauben.

Bei Hermann Struchen kann von einem reduzierten Pensum derweil keine Rede sein. Der bald 86-jährige Kleinaktionär, der seit 50 Jahren auf Generalversammlungen – immerhin 30 Stück im Jahr, wie er kürzlich dem Magazin „Cash“ sagte – mit Lob und Tadel für die jeweils präsentierte Strategie und die aufgetischte Verpflegung auf sich aufmerksam macht, hatte auch am Donnerstag seinen Auftritt.

Zusammengefasst: das Essen bei ABB zählt zu den besten (allerdings gibt’s wie überall zu wenig), Peter Voser hinterlässt nach einem Jahr im Amt einen hervorragenden Eindruck („endlich wieder ein Schweizer an der ABB-Spitze“).

Und: der Aktienkurs böte, trotz der jüngsten Erholung, nicht gerade Grund zur Freude. Erst wenn die Aktie wieder bei 35 Franken statt heute 20 steht, sei dies angebracht. Voser pflichtete ihm bei.

Die Parkplatzgebühren gelten im Übrigen auch für den Präsidenten. Sein Tesla parkt in Sichtweite zu Spiesshofers BMW i3.

Ob der Strom für die Elektroflitzer der Chefetage gesondert abgerechnet wird, bleibt indes offen. Eine mögliche Wortmeldung für die nächste Generalversammlung.