Bilanz

Wie es für Aargauer an der Börse lief – und welche Gemeinden profitieren

Einige bekannte und wohlhabende Familien respektive Familienmitglieder wohnen im Aargau – oder sind zumindest unternehmerisch hier tätig. Für wen zahlt sich das im letzten Jahr aus?

Urs Helbling
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Wessen Aktien an der Börse zulegen, dessen Vermögen wächst. (Symbolbild)

Wessen Aktien an der Börse zulegen, dessen Vermögen wächst. (Symbolbild)

KEYSTONE/STEFFEN SCHMIDT

Es ist von grosser Bedeutung, ob die Aktien eines Unternehmens gefragt sind. Erstens für die Angestellten: Weil Investoren im Idealfall Entwicklungen vorwegnehmen, deuten steigende Aktienkurse auf eine Verbesserung des Geschäftsgangs hin. Zweitens für Aktien-Besitzer: Je höher die Kurse, desto grösser ihr Vermögen. Drittens für den Staat: Florierende Unternehmen und reichere Anleger zahlen mehr Steuern. Wichtige Anleger sind auch die Pensionskassen – also nahezu wir alle.

Blocher-Effekt in Rheinfelden

Nachfolgend wird die Börsenentwicklung von einigen an der SIX kotierten Aktien analysiert, die irgendeinen Bezug zum Aargau haben. Etwa zur Stadt Rheinfelden: Dort lebt Miriam Baumann-Blocher (41). Im Gegensatz zu ihren drei Geschwistern wohnt sie nicht in einem schweizerischen Steuerparadies. Miriam Baumann-Blocher besitzt das «Läckerli Huus» (150 Angestellte). Aber richtig reich ist sie wegen ihrer Anteile an der EMS-Chemie (8,9 Prozent des Aktienkapitals) und an Dottikon ES (5,1 %). Alleine der Kurs der EMS-Aktien ist dieses Jahr um 17 Prozent gestiegen. Das Vermögen von Miriam Baumann-Blocher liegt deutlich über der Milliarden-Grenze.

Um sagenhafte 105 Prozent legte dieses Jahr die Dottikon-ES-Aktie zu. Das ist vor allem für Miriams Bruder Markus Blocher (45) von Bedeutung. Er besitzt 72,6 Prozent des Feinchemie-Unternehmens. Sein Aktienpaket hatte gestern einen Wert von rund 380 Millionen Franken – mehr als doppelt so viel wie vor einem Jahr. Markus Blocher ist daran, in Dottikon 100 neue Jobs zu schaffen. Die Gemeinde profitiert davon, dass es dem Unternehmen nach einer Durststrecke jetzt gut geht. Vermögenssteuern zahlt Markus Blocher allerdings nicht im Aargau, sondern im steuergünstigen Wilen bei Wollerau SZ.

Marianne Hayek die Reichste?

Wer ist der reichste Aargauer? Es könnte Willi Liebherr (68) sein, der zurückgezogen in Nussbaumen lebt. Die «Bilanz» schätzt das Vermögen der Liebherr-Sippe auf acht bis neun Milliarden Franken. Oder ist es eine Frau? Marianne Hayek? Es ist nicht öffentlich bekannt, wie gross der Anteil der Hayeks am Uhrenkonzern überhaupt ist. Bekannt ist einzig, dass es einen Aktionärsbindungsvertrag zwischen der Erbengemeinschaft N. G. Hayek, der WAT Holding, der Ammann Group, der Hayek Holding und anderen gibt. Diese Gruppe kontrolliert 40,1% der Stimmen und 22,3% des Kapitals.

Marianne Hayek (86), die Witwe von Nicolas G. Hayek (2010 im Alter von 82 Jahren verstorben), wohnt in Meisterschwanden. Die Hayeks haben in den letzten Jahrzehnten massgeblich dazu beigetragen, dass sich die Gemeinde am Hallwilersee zu einer der steuergünstigsten im Kanton Aargau entwickeln konnte.

Nayla Hayek (65) und Nick Hayek (62) zahlen in Hergiswil NW und Zug Steuern. An der Börse hatte die Erbengemeinschaft kein allzu gutes Jahr: Die Swatch-Group-Aktie verlor dieses Jahr fast zehn Prozent an Wert. Die «Bilanz» schätzt das Vermögen der Hayeks dennoch auf fünf bis sechs Milliarden Franken.

Die Franke AG (Aarburg) gehört zu den aargauischen Vorzeigeunternehmen. Ihr Besitzer, Michael Pieper (69), ist allerdings nur ein gefühlter Aargauer. Er hat seinen Wohnsitz im steuergünstigen Hergiswil NW. Dort ist auch seine Artemis Holding AG domiziliert. Sie ist unter anderem massgeblich an Feintool, Forbo, AFG, Autoneum und Adval Tech beteiligt. Deren Aktienkurse legten alle zu – teilweise über 50 Prozent. Keine gute Performance hatten die Rieter-Aktien (minus 5%).

Unter den Universalbanken hat sich die von Marianne Wildi (51) geleitete Hypi Lenzburg an der Börse gut gehalten: plus 3%. Zum Vergleich: Valiant (entstanden unter anderem aus Bank Suhrental und Banken Reinach/Menziken) büssten 14 Prozent ein.

ABB profitierte von Trump-Effekt

Von den Schweizer Schwergewichten, die auch im Aargau eine Bedeutung haben, hielt sich ABB am besten: plus 20% – unter anderem dank eines Trump-Effektes. Lafarge-Holcim sind mit 7 Prozent im Plus. Die Pharma-Werte Novartis und Roche dagegen deutlich im Minus: 14 respektive 15 Prozent. Syngenta ist nur knapp im roten Bereich. Deutlich positiv ist die Jahresperformance von Siegfried.

Und wie profitierten die Aargauer Investoren? Die Pensionskassen investieren vor allem in Aktien des Leitindexes SMI. Er verlor rund 6,5 Prozent – was sich entsprechend negativ auf die Performance der Pensionskassen auswirkte.

Die IBAarau (und damit vor allem die Stadt Aarau) bekamen zu spüren, dass der Stromriese Alpiq an der Börse weitere fast zwanzig Prozent verlor. Die Genossenschaft Milchproduzenten Mittelland (Suhr) profitierte davon, dass ihr Engagement in Hochdorf-Aktien sich hervorragend entwickelte: Jahresperformance über 80 Prozent!