Museum Aargau

Zeitreise in die Aargauer Industriegeschichte: Ausstellung «Von Menschen und Maschinen» feierlich eröffnet

Museum Aargau eröffnete heute Freitag die Sonderausstellung «Von Menschen und Maschinen».

Stefania Telesca
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 Museum Aargau organisierte zur Eröffnung der Sonderausstellung "Von Menschen und Maschinen" einen historischen Zug für die Fahrt nach Windisch.
 Die Geschichtenvermittler von Museum Aargau verkörperten Patrons und Arbeiter aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts.
 Die Habersack-Dampflokomotive aus dem Jahr 1914 brachte die Gruppe in historischen 1.-Klasse-Wagen der SBB nach Windisch.
 Sogar der Zugchef trug eine Originaluniform aus dem Jahr 1904.
Der Zug fuhr maximal 65 Stundenkilometer schnell.
 "Gibt es Schirmträger vor Ort?" fragte diese Dame und blieb in ihrer Rolle.
 Ankunft in Brugg-Windisch: Aufgrund der rasant steigenden Infektionszahlen musste die liebevoll geplante Aktion kurzfristig ohne Publikum stattfinden.
 Die Dampflokomotive hat ihr Ziel erreicht: Das SBB-Historic-Gebäude in Windisch.
 Alle aussteigen, bitte.
 Die Ausstellung zeigt die unterschiedlichen Lebenswelten von Arbeitern und Patrons.
 Die Fabrikarbeiter trafen sich zum Mittagessen. Das kostete damals 1.50 Franken.
 So sah die Arbeitszeiterfassung zum Ende des 19. Jahrhunderts aus: Eine Stempeluhr.
 Schöne Möbel und Blumen in der guten Stube: So lebten die Patrons.
 Die Ausstellung "Von Menschen und Maschinen" zeigt mehr als 150 Objekte, Produkte und Maschinen aus der Aargauer Industriegeschichte.
 Auch Designlampen wurden im Kanton Aargau hergestellt.

Chris Iseli

Der Dampf steigt aus der Lokomotive empor, hoch hinaus über der Aarauer Bahnhof. Die «Habersack», Baujahr 1914, steht auf Gleis 1 und wartet auf seine Passagiere: Die historischen Personen – eigentlich Geschichtenvermittler, die an den verschiedenen Standorten von Museum Aargau tätig sind – verkörpern Patrons und Arbeiter aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Stilvoll gekleidet versinken sie vollends in ihrer Rolle. «Ich hoffe es hat genügend Schirmträger vor Ort», kommentiert eine Dame die Regentropfen, die auf das Fenster des historischen 1.Klasse-Abteils prasseln. Sogar der Zugchef trägt eine Originaluniform aus dem Jahr 1904.

Mit maximal 65 Stundenkilometern zieht die Lokomotive die SBB-Wagen nach Brugg. Halt macht sie vor dem SBB-Historic-Gebäude in Windisch. Dem Standort der heute Freitag eröffneten Sonderausstellung «Von Menschen und Maschinen». Der aufwendig und liebevoll geplante Vernissagenauftakt musste aufgrund der rasant steigenden Infektionszahlen kurzfristig ohne Publikum stattfinden. Auch auf ein geplantes Apéro musste verzichtet werden.

Regierungsrat Urs Hofmann erwartete die Arbeiter und die Patrons trotzdem bereits in Windisch. Sein Grusswort an die nicht anwesenden Besucherinnen und Besucher richtete er via Videobotschaft aus. Auch Museumsdirektor Marco Castellaneta und Chefkurtator Ruedi Velhagen hielten ihre Reden zur Eröffnung auf Video fest.

Start der Ausstellung um ein halbes Jahr verschoben

«Von Menschen und Maschinen» hätte eigentlich im Frühling eröffnet werden sollen. Wegen Corona verschoben die Verantwortlichen von Museum Aargau die Sonderausstellung auf jetzt. «SBB Historic hat weiterhin und auf grosszügige Weise ihre Räume zur Verfügung gestellt und somit ermöglicht, dass die Ausstellung nicht annulliert werden musste», sagte Direktor Marco Castellaneta.

Die gesamte Ausstellung ist auf über 1000 Quadratmetern in drei Elemente aufgeteilt: Im ersten Raum taucht man ein in die unterschiedlichen Lebenswelten von Arbeiter und Patrons. Während die einen täglich bis zu 15 Stunden arbeiteten und auf engstem Raum nahe an der Armutsgrenze gemeinsam lebten, sieht man in der Wohnwelt der Patrons mit Porzellangeschirr gedeckte Tische und elegante Schuhe, die sie in ihrer Freizeit für den Opernbesuch trugen.

Im zweiten Teil der Ausstellung sind in einem spektakulären Spiegelsaal mehr als 150 Originalmaschinen, Objekte und Erfindungen ausgestellt, die die vielfältige Aargauer Industriegeschichte massgeblich prägten: Von der WESA-Modelleisenbahn, Aargauer Tabak- und Strohprodukte bis über zu den in Massen hergestellten Produkten wie dem Würfelzucker aus Rupperswil, die Staubsauger oder Haartrockner von Rotel, das Closomat, die Zahnbürste oder auch Skibindungen.

Die Ausstellung ist ab heute Freitag und bis am 1. Mai 2021 zu sehen

Im dritten und letzten Teil der Ausstellung, der «Arena», lädt die Sonderausstellung zur Diskussion, wie wir in Zukunft produzieren und konsumieren werden. Ein Roboter der Aargauer Firma Bachmann Engineering schweisst nebenbei selbstständig ein Metallobjekt. Der sogenannte Cobot kann in der direkten Zusammenarbeit mit Menschen eingesetzt werden. Statt den Menschen zu ersetzen, arbeiten sie gemeinsam.

«Tausende von Menschen - Arbeiterinnen und Arbeiter, Unternehmer, Tüftler, Schweizerinnen und Schweizer, Ausländerinnen und Ausländer - haben in unserem Kanton Industriegeschichte geschrieben. Zum ersten Mal ist es hier in Windisch möglich, diese enorme Vielfalt an Zeugnissen der Aargauer Industrie an einem Ort zu sehen», sagte Urs Hofmann.

Die Sonderausstellung «Von Menschen und «Maschinen» ist bis zum 1. Mai 2021 zu sehen.