Region

Abwasser für 40 Gemeinden: Hier könnte die neue Super-ARA entstehen

An einem Anschluss an die geplante kantonsübergreifende ARA in Möriken-Wildegg ist auch das Bünztal interessiert. Sie muss sowieso ausgebaut werden wegen einer neuen Reinigungsstufe. Erst wenn es Planungssicherheit gibt, wird der Bau konkretisiert.

Michael Küng
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Die ARA in Wildegg liesse sich über den Waldstreifen auf die Schlosswiese (rechts) hinaus ausbauen. Archiv

Die ARA in Wildegg liesse sich über den Waldstreifen auf die Schlosswiese (rechts) hinaus ausbauen. Archiv

Chris Iseli

Der Ausbau der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Langmatt in Möriken-Wildegg war 2016 noch nicht mal fertig, da wurden schon die nächsten Pläne vorgestellt. Es sind deutlich grössere, als man sie bisher in der Region Lenzburg-Seetal kannte. Die Idee: Die ARA Langmatt wird so weit ausgebaut, dass sie zusätzlich die Abwasser verarbeiten kann, die heute in den ARA in Hochdorf, Mosen und Seengen anfallen. Damit könnten die drei ARA am See abgeschaltet werden und die Seetaler Gewässer wären frei von Abwässern. Denn selbst in gereinigten Abwässern finden sich noch viele Nährstoffe wie etwa Phosphor. Landet zu viel davon im See, kommt es zu einem übermässigen Algenwachstum, das die übrige Tier- und Pflanzenwelt unter Wasser bedroht. Mit der Umleitung der Abwässer könnte deshalb die Wasserqualität im Seetal gesteigert werden.

Und bei der ARA Möriken-Wildegg muss sowieso ausgebaut werden: Bald schreibt das Gesetz eine zusätzliche Reinigungsstufe für Mikroverunreinigungen vor und für die braucht es Bauland. «Die Gemeinde Möriken-Wildegg teilt die Idee hinter dem Projekt», sagt Vizeammann Markus Eichenberger auf Anfrage der AZ. Er gehört der Begleitgruppe für das Projekt ARA Seetal an. Noch sei das Projekt noch in einem sehr frühen Stadium und für die Gemeinde werde sich früher oder später die Frage nach dem benötigten Bauland stellen. «Allerdings wird die ARA sowieso zusätzliches Land brauchen, ob mit oder ohne Anschluss vom Seetal. Und wenn man die Abwasser von so vielen Gemeinden an einem einzigen Ort klären kann, ist das natürlich eine sexy Sache.»

Alle an einem Strick

Damit die ARA ausgebaut werden kann, könnte der Kanton etwa einen Teil der benachbarten Schlosswiese an die ARA abtreten. Dazu müsste allerdings die Gemeinde Möriken-Wildegg den Streifen Wald neben dem Kraftwerk und das anliegende Landwirtschaftsland umzonen. «Und für den betroffenen Bauern müsste ein Stück Land zur Kompensation gefunden werden, das er auch erreichen und bewirtschaften kann», sagt Markus Blättler, Geschäftsführer der SWL Energie AG, die die ARA Langmatt betreibt. Auch ein Gebäude bei der nahen Brücke, ein kompletter Neubau auf der benachbarten Schlosswiese und weitere Varianten seien im Gespräch.

Anlage könnte grösser werden

Aktuell wird besprochen, wie die neue Lösung organisiert sein soll: als Aktiengesellschaft, als neuer Superverband? Insgesamt stehen etwa zehn Varianten zur Auswahl, sagt Blättler. «Es gibt noch viel zu tun. Erst wenn wir Planungssicherheit haben, können wir uns an den Bau machen», sagt Blättler. Dazu ist geplant, bis Ende Jahr von allen involvierten Gemeinden eine Absichtserklärung zu bekommen, die den Bau der ARA Seetal unterstützt. Auf Aargauer Seite involviert sind bislang 22 Gemeinden: Seengen, Beinwil am See, Birrwil, Boniswil, Dürrenäsch, Fahrwangen, Hallwil, Leutwil, Meisterschwanden (heute alle an der ARA Hallwilersee angeschlossen) sowie Auenstein, Egliswil, Holderbank, Lenzburg, Möriken-Wildegg, Niederlenz, Oberflachs, Othmarsingen, Seon, Staufen, Schinznach-Dorf, Thalheim und Veltheim (alle an die ARA Langmatt in Möriken-Wildegg angeschlossen). Dazu kommen etwa 18 Luzerner Gemeinden.

Ausserdem sind die Projektleiter im Gespräch mit der ARA Falkenmatt in Hendschiken. Diese verarbeitet die Abwasser der Gemeinden Ammerswil, Dintikon, Dottikon, Hägglingen, Hendschiken und Villmergen (Ballygebiet). Dort wird eine Lösung gesucht, um die Abwasser künftig nicht mehr der Bünz zuführen zu müssen. Markus Blättler meint, es sei etwa denkbar, dass die ARA Falkenmatt aufgegeben wird und die Abwasser über ein neues Rohr nach Othmarsingen geführt werden – und von da in die ARA Seetal.

Aargau und Luzern

Wasser, Taxito und Seetalkonferenz

Das Kantonsübergreifende Entwicklungskonzept KEK entstand 2011 mit der Unterzeichnung einer Vereinbarung zur gemeinsamen Entwicklung des Seetals. Involviert sind Gemeinden, Verbände und beide Kantone. Fürs KEK arbeiten je vier Vertreter der Kantone. Der Aargau wird durch die Vorsitzende Gabi Lauper Richner (Regionalplanung Lebensraum Lenzburg Seetal), Ueli Haller (Gemeindepräsident Meisterschwanden und Vorstand Lebensraum Lenzburg Seetal), Peter Lenzin (Gemeindeammann Beinwil am See) und Dani Lüscher (Vizeammann Hallwil) vertreten.

Und dank Richard Stadelmann bringt sogar der Kanton Luzern Aargauer Wissen mit ein: Der Hitzkircher leitet eine Zimmerei in Fahrwangen und mit seiner Partnerin führt er die Fischerei Hallwilersee. Zu den Projekten vom KEK gehören nebst der ARA Seetal der Mitfahrdienst Taxito und die bilaterale Seetalkonferenz, die nach vier Jahren Pause wieder stattfinden soll. «Unsere Ressourcen werden stark von Taxito beansprucht, doch nächstes Jahr soll es wieder eine Konferenz geben», sagt Jörg Kyburz, Geschäftsleiter Lebensraum Lenzburg-Seetal.