Staufen

David Beer: Vom Aargau auf den Gucci-Laufsteg

Model David Beer aus Staufen hat seine erste internationale Show hinter sich.

Janine Gloor
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David Beer auf dem Laufsteg. (Bildmontage)

David Beer auf dem Laufsteg. (Bildmontage)

Bildquellen: Filippo Fior/Keystone

In Mailand ist für David Beer ein Traum in Erfüllung gegangen. Das 20-jährige Model durfte an der Fashion Show für Gucci über den Laufsteg laufen. Einen Tag später ist er immer noch völlig aufgekratzt und glückstrunken. «Das war eine unglaubliche Erfahrung», sagt er.

Der Staufner David Beer wollte schon als Kind Model werden. «Ich war schon immer gerne vor der Linse und habe mit Freunden Bilder gemacht, um Kleider in Szene zu setzen», sagt er. David Beer ist ein Mann, der auffällt. Gross und grazil, braune Augen, hellbraune Haut.

Oder vielleicht bleibt der Blick an David Beers auffälligem Kleiderstil oder an seinen des Öfteren gefärbten Haaren hängen. «Mein Stil war schon immer etwas abgehoben», sagt er und lacht. «Ich habe angezogen, was mir gefiel.»

Auch bevor er je einen Laufsteg betreten hatte. Auf den Staufner Strassen habe er dafür als Paradiesvogel gegolten, sei aber nie gemobbt worden. Seinen Stil beschreibt er als «recht mixed, von den 80ern und 90ern inspiriert, urban».

Wie das aussieht? Ein bisschen so, wie die Kinder der späten 80er von ihren Eltern angezogen wurden. Viel Farbe und glänzende Materialien. Einfach in cool.

Von der Strasse weg für Modeshow engagiert

Sein Äusseres hat schon mehrmals dafür gesorgt, dass der Sohn einer Mutter aus Moçambique und eines Vaters aus der Schweiz auf der Strasse angesprochen wurde. Zum ersten Mal vom Zürcher Designer Julian Zigerli, der ihn Anfang 2019 gleich für seine Show engagierte.

Von da an erhielt Beer immer wieder Anfragen und Aufträge für verschiedene Modeljobs. Letztes Jahr nahm er bei «Switzerland’s Next Topmodel» teil, wo er als Fünftplatzierter ausschied. Das war keine Entmutigung, im Gegenteil. David Beer hatte ein Ziel und das verfolgte er weiter.

Wenn man als Model erfolgreich sein will, empfiehlt sich eine gute Agentur. Nach «Switzerland’s Next Topmodel» ergatterte sich David Beer einen Vertrag mit der Agentur Scout Model, die ihn vertritt. Es folgten grössere Jobs, wie zum Beispiel für Zalando.

Die Luxusmarke Gucci ist ein direkter Kunde der Agentur Scout Model und so wurde David Beer vor weniger als einer Woche zum Casting nach Mailand eingeladen. Er durfte zum ersten Mal die Zehen in den Pool der internationalen High-Fashion-Welt strecken – und sprang gleich ganz rein.

Guccis Kreativdirektor Alessandro Michele war vom jungen Staufner so angetan, dass er ihn exklusiv für seine Show buchte. Das heisst, Beer durfte für keine andere Show laufen. «Das ist ein grosses Kompliment», sagt Beer.

Zum ersten Mal im Leben Absätze getragen

Zum Job gehört weitaus mehr, als auf einem Laufsteg gut auszusehen. «Professionalität ist wichtig», sagt David Beer. Während Castings und vor einer Show gibt es viele Wartezeiten. Da gilt es, trotzdem die Contenance zu wahren – «ned omehange» – und stets pünktlich zu sein.

Und sich zusammenzureissen. Nur wenige Tage vor der Show wurde David Beer der Blinddarm entfernt. Anstatt sich von der Operation zu erholen, reiste er nur wenige Tage später nach Mailand. Alles für den Traum.

Ein anderes – im Vergleich zur Blinddarmoperation eher kleineres – Problem war, dass Gucci für sein Outfit hohe Schuhe vorgesehen hatte. Selbst für den extravaganten David ein Novum. «Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben Absätze getragen», sagt er. Alles ging gut, David Beer hat seinen ersten internationalen Catwalk gut gemeistert. «Ich bin enorm zufrieden», sagt er.

Die Glitzerwelt vor und hinter der Bühne, wo Stars und Influencer sich mit den Models fotografierten, hat ihm gefallen. Auch in der Schweiz ist er viel an Events unterwegs, das gehört zum Model-Leben. Gehört auch der Druck, schlank zu sein, dazu? «Ich habe überhaupt keinen Druck», sagt David Beer.

«Ich ernähre mich gesund und ausgewogen, habe noch nie eine Diät gemacht.» Mindestens einmal pro Woche gehe er ins Fitness. Das erste, was er von seiner Laufsteg-Erfahrung in Mailand erwähnt, ist das Riesen-Catering.

Für die Zukunft hat David Beer grosse Erwartungen. Aber darüber sprechen will er lieber erst, wenn es denn so weit ist. Er könnte sich auch vorstellen, für seine Karriere ins Ausland zu ziehen. «Nach New York würde ich gut passen», sagt er, ohne zu zögern.

«Ich will zeigen, dass man es schaffen kann, wenn man hart arbeitet», sagt er. Und das tut er auch neben dem Modeln, wenn er im Aarauer Pub «Mr. Pickwick» arbeitet.