Lockdown

Einmal Haare schneiden bitte: Seoner Firma erfindet vollautomatischen Coiffeur-Roboter

Durch den Lockdown sind Coiffeurbesuche derzeit nicht möglich. Die Mitarbeiter der Firma Robotec Solutions AG aus Seon haben sich Gedanken gemacht und fanden eine kreative Lösun: Sie lassen sich die Haare künftig automatisch schneiden.

Philipp Herrgen
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Das Coronavirus hat die Schweiz immer noch Griff. Seit Wochen sind Schulen, Geschäfte und Restaurants geschlossen. Überall mussten neue, kreative Wege eingeschlagen werden – sei es durch Fernunterricht, Online-Handel oder Lieferdienste. Für bestimmte Branchen wurde die Arbeit durch «Social Distancing» beinahe unmöglich. Coiffeure beispielsweise können ja schlecht aus der Distanz Haare schneiden.

Das mussten auch die Mitarbeiter der Robotec Solutions AG in Seon am eigenen Leib erfahren. «Die Belegschaft sass beim Zmittag», erzählt Verkaufsleiter Fabian Stutz, «als wir bemerkten, dass die Haare bei allen immer länger wurden.» Um das zu ändern, sei es schliesslich nur logisch gewesen, die hauseigene Technologie zu nutzen. Normalerweise produziert Robotec Solutions industrielle Roboteranlagen, beispielsweise für die Uhren- oder Automobilzulieferindustrie. In der aktuellen Lage haben solche Anlagen auch schon mitgeholfen Teile für Coronatests zu fertigen.

Aus der spontanen Idee wurde ein konkreter Plan. Robotec Solutions entwickelte den «Barbershop Robot». In einem Video, das auf Facebook geteilt wurde, zeigt der Roboter sein Handwerk. Mit dessen Hilfe können die Haare eines Kunden aus Corona-sicherer Distanz geschnitten werden. «Das Projekt hat uns etwa einen halben Tag gekostet», sagt Fabian Stutz stolz. Das Ergebnis des ersten Haarschnitts sei zudem vollends zufriedenstellend.

Noch nicht ganz serienreif

Dennoch muss Stutz ein wenig auf die Euphorie-Bremse drücken: «Serienhaarschnitte sind derzeit noch nicht möglich.» Für den «Barbershop» habe man eigens ein 3-D-Modell des Kunden-Kopfes angefertigt und letztlich den Roboter darauf programmiert. Demnach müsste der Roboter auch für jeden Kunden neu eingestellt werden. «Auch die Kreativität eines echten Coiffeurs kann der Roboter nicht ersetzen», muss Stutz eingestehen.

Glücklicherweise hat der Bundesrat eine Lockerung der Schutzmassnahmen bereits in Aussicht gestellt. Ab dem 27. April dürfen personenbezogene Dienstleistungen wie Coiffeure wieder öffnen. Für die Zukunft scheint die Schweiz, das Land der Innovation, zumindest haartechnisch bestens gerüstet.