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Herznotfall oder Atemnot: Sie rücken aus, wenn jede Sekunde zählt

Ab 1. Januar 2019 rückt die neu gegründete First Responder-Gruppe der Feuerwehr Chestenberg und des Samaritervereins Lenzburg im Notfall aus.

Markus Christen
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Guide Reijnen und Elvira Schärer leiten die neu gegründete Notfallgruppe.

Guide Reijnen und Elvira Schärer leiten die neu gegründete Notfallgruppe.

Markus Christen

Gemäss der Schweizerischen Herzstiftung erleiden in der Schweiz jährlich rund 8000 Personen einen Herzkreislaufstillstand. Kommt es zu einem Notfall, zählt jede Sekunde. Denn die Chancen für eine erfolgreiche Reanimation verringern sich mit jeder Minute, die ohne Behandlung verstreicht, um 10 Prozent.

Um bei einem Notruf möglichst schnell Hilfe leisten und die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken zu können, hat die Feuerwehr Chestenberg zusammen mit dem Samariterverein Lenzburg und Umgebung für die Gemeinden Holderbank, Möriken-Wildegg und Niederlenz nun eine First Responder Gruppe gegründet. Diese besteht aus 13 Personen, die ihren Dienst alle ehrenamtlich verrichten. Darunter aktive Feuerwehrleute, Mitglieder des Samaritervereins sowie Fachleute aus dem Gesundheitswesen.

Die First Responder sind direkt mit der kantonalen Notrufzentrale verbunden und werden ab dem 1. Januar bei den vier Einsatzstichworten Bewusstlosigkeit, Brustschmerzen, Atemnot sowie leblose Person beziehungsweise Kreislaufstillstand automatisch alarmiert. Jedes Mitglied ist mit einem Erste-Hilfe-Rucksack und einem Defibrillator ausgerüstet. Ausserdem sind die Einsatzkräfte in den drei Einzugsortschaften wohnhaft, viele von ihnen arbeiten in den Gemeinden.

Vor zwei Jahren 69 Notfälle

«Aus der Statistik der Notrufzentrale wird ersichtlich, dass im Jahr 2016 insgesamt 69 Notfälle aus den Gemeinden Holderbank, Möriken-Wildegg und Niederlenz eingegangen sind, welche den Einsatzbereich der First Responder betreffen», sagt Guido Reijnen. Der Kommandant der Feuerwehr Chestenberg ist zusammen mit Elvira Schärer vom Samariterverein für die Leitung der Erste-Hilfe-Gruppe zuständig.

«Wenn wir nur in zwei oder drei Fällen durch unseren Einsatz ein Leben retten oder Folgeschäden minimieren können, dann hat sich unsere Arbeit bereits gelohnt», sagt Reijnen und Elvira Schärer ergänzt: «Ein Nebeneffekt der Arbeit der First Responder kann es unter Umständen sein, dass wir den von einem Notfall betroffenen Personen eine Hand bieten und weitere Schritte aufzeigen können beim Umgang mit dem Ereignis. Dazu fehlt den Einsatzkräften von Sanitätsdienst und Polizei oft schlicht die Zeit.» Die beiden Leiter der Einsatzgruppe sagen aber auch: «Eine Garantie, dass immer ein Mitglied der First Responder Gruppe auf einen Notfall reagieren kann, können wir nicht geben.»

Drei Gemeinden machen mit

In Sachen First Responder seien der Kanton Bern und das Tessin mit seinen vielen Tälern die zwei Pionierkantone, so Guido Reijnen. Im Kanton Aargau würden die Einsatzgruppen derzeit noch regional organisiert. So greifen beispielsweise das Eigenamt sowie die Gemeinden Rupperswil und Auenstein bereits auf die Dienste einer First Responder- Gruppe zurück. «Wenn man mit den Gemeinderäten dieser Gemeinden spricht, sind ausschliesslich positive Erfahrungsberichte zu hören», sagt Elvira Schärer.

Für den Aufbau der First Responder- Gruppe haben die Gemeinden Holderbank, Niederlenz und Möriken-Wildegg einen gemeinsamen Kredit über 34 000 Franken gesprochen. Um die Auslagen für die Erstausrüstung möglichst tief zu halten und das benutzte Einsatzmaterial decken zu können, haben die First Responder Mitte August einen Spendenaufruf gestartet. Rund 13 000 Franken konnten auf diese Weise gesammelt werden.

Für die Mitglieder der First Responder-Gruppe steht in den kommenden zwei Monaten noch ein intensives Ausbildungsprogramm an. In einer Schulung am ersten Oktoberwochenende werden sie in Erste-Hilfe-Massnahmen unterrichtet und über verschiedene Fallbeispiele informiert. Bis zum Ende des Jahres folgen drei weitere Ausbildungsabende, an denen auch Einsatzkräfte des Sanitätsdienstes und der Polizei mitwirken werden. Im Monat Dezember erfolgt zudem ein Probealarm.

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