Möriken-Wildegg
Jeanine Glarner will auch als Frau Gemeindeammann keine Vollzeit-Politikerin werden

Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird die FDP-Grossrätin Ende November in Möriken-Wildegg zur Frau Gemeindeammann gewählt.

Ruth Steiner
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Ammann-Kandidatin Jeanine Glarner beim Bahnhof Wildegg, wo Bauprojekte anstehen.

Ammann-Kandidatin Jeanine Glarner beim Bahnhof Wildegg, wo Bauprojekte anstehen.

Britta Gut

Jeanine Glarner muss nicht lange überlegen, wo sie sich für das Foto ablichten lassen möchte: Der Bahnhof Wildegg wird für fast sechs Millionen Franken zur regionalen ÖV-Drehscheibe ausgebaut werden. Dieses Projekt wird die sehr wahrscheinlich künftige Frau Gemeindeammann von Möriken-Wildegg in den kommenden Jahren stark beanspruchen. Am 29. November stellt sich die FDP-Frau als einzige Kandidatin für die Nachfolge von Hans-Jürg Reinhart zur Wahl.

Die 36-jährige Historikerin verfügt über einen ansehnlichen politischen Rucksack. Sie hat nicht die übliche Ochsentour absolviert, sondern ist über das Amt als Präsidentin der Jungfreisinnigen Aargau in die Kantonspolitik eingestiegen. 2012 hat sie im Grossen Rat des Kantons Aargau Einsitz genommen. Im vergangenen Jahr versuchte sie mit der Kandidatur als Nationalrätin den Sprung aufs nationale Parkett und kandidierte erfolglos für den Regierungsrat des Kantons Aargau.

Grossrätin ist seit drei Jahren in der Gemeindepolitik

Vor drei Jahren fand Jeanine Glarner den Weg in die Lokalpolitik. Als Gemeinderätin betreut sie in Möriken-Wildegg die Ressorts Hochbau, Sicherheit (Feuerwehr, Polizei, Zivilschutz) sowie Jugendfest, Schwimmbad und Sport. Als bisher grösstes Projekt bezeichnet sie die knapp zwei Millionen Franken teure Sanierung des Schwimmbads, «das wir trotz Corona erfolgreich gestemmt haben».

Stolz schwingt in ihrer Stimme mit, wenn sie über das Projekt spricht. Glarner legt Wert auf die Feststellung, dass das Ammann-Mandat keineswegs ein Ersatz für die verpassten politischen Chancen auf kantonaler und nationaler Ebene ist. «Gemeindeammann ist ein anspruchsvolles Amt, das mit hohen Erwartungen der Bevölkerung verbunden ist.»

Diesen Ansprüchen will die Tochter des Wildegger Hausarztes Thomas Glarner bestmöglich gerecht werden. So sie von der Bevölkerung gewählt werde, betont sie.

Im Gespräch wird deutlich, wie stark verwurzelt Jeanine Glarner mit der Gemeinde ist. Weder für das Studium noch für die Arbeit hat sie den Ortsteil Wildegg je verlassen. «Möriken-Wildegg ist eine Gemeinde, in der man sich noch kennt und grüsst, wenn man sich auf der Strasse begegnet», hält sie fest.

Der anschliessende Werbespot über das Dorf kommt in einem Atemzug. «Die Zentren Zürich, Basel, Bern und Luzern sind mit dem öffentlichen Verkehr innerhalb einer Stunde erreichbar. Der Weg in die schöne Natur mit der Bünzauen und dem Aaregebiet ist kurz.» Zudem verfüge die Gemeinde über sämtliche Schulstufen und ein vielfältiges Kulturangebot.

Glarner lobt «die lebendige Vereinstätigkeit in der Gemeinde», obwohl sie selber nie in einem Verein aktiv war. Für die Klavierspielerin und in der Jugend ambitiöse Tennisspielerin war in der Gemeinde kein Angebot vorhanden.

Als Schülerin erster politischer Vorstoss gemacht

Was hat Jeanine Glarner politisiert? Politik gehörte in der Familie Glarner zum Zmittag wie das Essen selber, erzählt sie und schmunzelt. «Seit ich mich erinnern kann, wurden mittags um halb ein Uhr am Radio die Mittagsnachrichten verfolgt.» Während der Sendung habe Ruhe geherrscht, umso angeregter sei anschliessend unter Umständen diskutiert worden, erinnert sie sich.

Ebenso gegenwärtig hat Jeanine Glarner ihren ersten politischen Vorstoss als etwa 14-jährige Schülerin. «Als an der Schule die Fünftage-Woche eingeführt wurde, habe ich das gar nicht toll gefunden.» Die aktive Tennisspielerin fand, damit bleibe ihr unter der Woche zuwenig Zeit für das Training. Dem mütterlichen Rat folgend, habe sie ihre Bedenken der Präsidentin der Schulpflege in einem Brief mitgeteilt.

Beruf und Politik schaffen wertvolle Synergien

Welche Herausforderungen nebst dem erwähnten Bahnhofprojekt stehen in Möriken-Wildegg an? «Die Gemeinde ist aus meiner Sicht gut aufgestellt», gibt Glarner sich gelassen. Man könne in Projekte investieren. Mit Blick auf das geplante Wachstum ist das auch nötig.

In den kommenden vier Jahren will Möriken-Wildegg zünftig zulegen, und zwar um 300 Personen auf 4850 Bewohnerinnen und Bewohner. Glarner betont, dass dafür keine neuen Infrastrukturbauten notwendig seien. «Unseren Berechnungen zufolge wird die bestehende Schulinfrastruktur dieses Wachstum abdecken können.»

Das Ammann-Amt in Möriken-Wildegg entspreche einem Pensum von etwa 40 Prozent, erklärt Jeanine Glarner. Hat die FDP-Grossrätin und voraussichtlich künftige Möriken-Wildegger Frau Ammann eine professionelle Politkarriere im Visier? Glarner lacht. «Das ist nicht vorgesehen.» Im Gegenteil: Eine berufliche Tätigkeit mit einem politischen Amt zu verbinden, schaffe wertvolle Synergien, ist sie überzeugt.

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