Niederlenz

«Kernigkeit entlang der Hauptstrasse»: Mit Planungszone gegen Häuserschlucht im Dorfkern

Die Bevölkerung in der Gemeinde Niederlenz ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Der Gemeinderat erlässt eine Planungszone, um im Dorfzentrum eine vernünftige Entwicklung zu ermöglichen.

Ruth Steiner
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An der Hauptstrasse sind Neubauten kaum noch möglich.

An der Hauptstrasse sind Neubauten kaum noch möglich.

Janine Gloor

Die Bevölkerung in der Gemeinde Niederlenz ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen – der Trend geht weiter: In den kommenden zwanzig Jahren rechnet der Gemeinderat mit einem Wachstum von heute rund 4800 Personen auf 5500 bis gar 6200 Bewohner.

Die laufende Revision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) soll das Dorf nun für den anstehenden Bevölkerungszuwachs fit machen. Wie man sich das Niederlenz der Zukunft vorstellt, wurde bereits im vergangenen Jahr in einem «Räumlichen Entwicklungsleitbild» (REL) festgehalten. In diesem Papier wurden Quartiere «mit verschiedenartigem Handlungsbedarf» festgelegt.

Der Dorfkern gehört dabei zu den Schlüsselgebieten des REL. Bereits früher hatte Gemeindeammann Jürg Link betont, dass Niederlenz im Dorfkern eine zeitgemässe Entwicklung mit einer Mischnutzung anstrebe, ohne dass dabei das charakteristische Ortsbild verloren gehe. Der für Raumplanung und Bau zuständige Gemeinderat Toni Grob bestätigt dies und ergänzt: «Wir wollen verhindern, dass im Dorfzentrum entlang der Kantonsstrasse mit entsprechenden Neubauten in ferner Zukunft eine Schlauchbildung entsteht.»

Problem Grenzabstände

Bis die revidierte BNO steht, dauert es noch eine Weile. In der Zwischenzeit plant der Gemeinderat, über das Gebiet östlich der Kantonsstrasse von der Rössligasse bis zum Stierenweg eine Planungszone zu verhängen. Der Erlass kann noch bis zum 25. Februar auf der Gemeindekanzlei eingesehen werden. Weshalb hat sich der Gemeinderat zu diesem Schritt entschlossen? Dazu sagt Toni Grob: «Die Situation der Bauten auf der östlichen Seite entlang der Hauptstrasse ist nicht einfach. Vor allem wird es rasch einmal eng. Die bis zu 200 Jahre alten Häuser sind mit Strassenerweiterung und dem Bau von Trottoirs im Verlaufe der Jahre sehr nahe an die Kantonsstrasse gerückt.» Mit andern Worten: Die gesetzlich vorgegebenen Grenzabstände sind nicht gegeben, was eine neue Bebauung der Grundstücke massiv erschwert.

Das Vorgehen des Gemeinderats ist gesetzlich verankert, erklärt Gemeinderat Grob. «Laut kantonalem Baugesetz mit neuer Bauverordnung können bis zum Erlass, höchstens aber während fünf Jahren, während der Revision von Gesamtricht- beziehungsweise Nutzungsplänen für genau bezeichnete Gebiete Planungszonen festgesetzt werden; innerhalb derselben dürfen dann keine baulichen Veränderungen vorgenommen oder sonstige Vorkehren getroffen werden, welche der im Gang befindlichen Planung zuwiderlaufen.»

Der Gemeinderat wird mit einem Masterplan, erstellt und begleitet durch einen Fachplaner, «die Kernigkeit entlang der Hauptstrasse anstreben». Dazu soll mit dem Kanton über eine Fassadenlinie verhandelt werden, die Mindestabstände unter den üblichen gesetzlichen Vorgaben (6 Meter) ermöglicht. Laut Grob sind es zwei Herausforderungen, welche wohl zu einigen Diskussionen führen werden: der neue Bachabstand und der Gebäudeabstand zur Hauptstrasse. Darüber hinaus gilt es Erschliessungsfragen der Grundstücke im definierten Perimeter (Zufahrt zu den Grundstücken, Parkplätze, Veloabstellplätze etc.) zu klären.

Zur Absicht des Gemeinderates hinter den geplanten Schritten sagt Toni Grob: «Im Gebiet auf der östlichen Seite der Kantonsstrasse zwischen der Rössligasse und dem Stierenweg soll eine vernünftige Entwicklung möglich gemacht werden, die einer breiten Bevölkerung gerecht werden soll.»