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Kunden stehen hinter Autokönig Riccardo Santoro

Obwohl die Staatsanwaltschaft dem Bruder von Autohändler Riccardo Santoro untersagt hat, geschädigte Leasingkunden über das Strafverfahren gegen SAR zu informieren, wurde der Info-Abend in anderer Form durchgeführt. Kritik an Santoro gab es nicht.

Pascal Meier
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Weiss ehemalige Kunden hinter sich: Riccardo Santoro.

Weiss ehemalige Kunden hinter sich: Riccardo Santoro.

Toni Widmer

Die Parkplätze um das Lenzburger Hotel Krone waren am Dienstag hochkarätig besetzt, in der Abendsonne blitzten Karossen der Marke Porsche und Audi.

Die Fahrer folgten einer Einladung von Riccardo Santoro – jenem Autohändler, der mit der Fiat-Leasinggesellschaft Fidis Finance jahrelang Luxus-Limousinen zu unschlagbaren Leasing-Konditionen vermittelt hatte und nun mit dem Rücken zur Wand steht.

Fidis wirft Santoro vor, Autos im Wert von 22 Millionen Franken veruntreut zu haben. Hunderte SAR-Kunden sind deshalb mit unangenehmen Forderungen von Fidis konfrontiert.

Nur nette Worte für Santoros

Riccardo Santoro, in den Augen der Öffentlichkeit ein mutmasslicher Betrüger und möglicherweise Verursacher des grössten Fall von Wirtschaftskriminalität im Aargau seit 20 Jahren – dieses Bild wollte sein Bruder Luca Santoro korrigieren. An der Kunden-Orientierung, zu der auch die az eingeladen war, sollte mit Akten bewiesen werden, dass Fidis alleinige Täterin und Riccardo Santoro deren Opfer ist.

Kurz vor der Orientierung untersagte jedoch die Kantonale Staatsanwaltschaft Luca Santoro per Verfügung, über den Fall zu sprechen und Verfahrensakten herauszugeben. «Das Strafverfahren befindet sich im Vorverfahren, das nicht öffentlich ist», sagt Elisabeth Strebel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft. «Wir wollen verhindern, dass künftige Zeugen, die wir noch befragen müssen, beeinflusst werden.»

Weitere Kunden auf ihrer Seite

Der Info-Abend wurde dennoch durchgeführt; aber in anderer Form. «Ihr seid immer noch unsere Kunden», rief Luca Santoro in den zu einem Viertel besetzten Saal und warb mit Anwälten für ein gemeinsames Vorgehen gegen Fidis. Einzelne Geschädigte reagierten enttäuscht und liessen durchblicken, nicht noch mehr Geld für Anwälte ausgeben zu wollen. Keine Kritik wurde an den Santoros laut, die von den Anwesenden freundschaftlich Luca und Ricci genannt wurden. Nicht gestellt wurde auch die Frage, welche Rolle diese in der Leasingpleite gespielt haben.

Ein Ziel des Abends war damit erreicht: Luca und Riccardo Santoro haben weitere Kunden auf ihrer Seite – zumindest jene, die nach Lenzburg kamen. Andere haben mit dem gefallenen Autokönig längst abgeschlossen. «Ricci kommt mir besser nicht unter die Augen», sagte ein SAR-Kunde vor Monaten der az.