Thailand
«Ich habe mich in der Schweiz gelangweilt»: Warum sich ein Aargauer trotz Drohungen für Elefanten einsetzt

Der Aargauer Urs Fehr hat seine Leidenschaft für Elefanten zum Beruf gemacht. Nach seinem Umzug nach Thailand hat er dort einen Schutzpark für misshandelte Dickhäuter aufgebaut: den «Green Elephant Sanctuary Park Phuket».

Emilie Ridard, swissinfo.ch
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Der Lenzburger Urs Fehr mit einem seiner Schützlinge im «Green Elephant Sanctuary Park Phuket».

Der Lenzburger Urs Fehr mit einem seiner Schützlinge im «Green Elephant Sanctuary Park Phuket».

màd/swissinfo.ch

Die Geschichte von Urs Fehr ist aussergewöhnlich. Wie kommt ein Schweizer dazu, in Thailand einen Schutzpark für Elefanten einzurichten? «Ehrlich gesagt: Ich habe mich in der Schweiz ein bisschen gelangweilt», antwortet Urs Fehr. Er stammt aus Lenzburg und arbeitete in einer Sicherheitsfirma. «Es brauchte einen Tapetenwechsel.» Daher beschloss er gemeinsam mit seiner thailändischen Partnerin, in ihr Heimatland zu ziehen: Das war im Jahr 2015, Urs Fehr war damals 36 Jahre alt.

Das Paar hatte keine konkreten Zukunftspläne. Zuerst mieteten die beiden ein Haus in Phuket. «Wir entschieden uns für dieses Gebiet, weil es eine touristische Region ist, die mehr Möglichkeiten bietet als der Norden, aus dem meine Partnerin stammt», so Fehr. Phuket und die umliegenden Provinzen sind tatsächlich beliebte Ferienziele: Im Jahr 2019, im Jahr vor der Coronavirus-Pandemie, zählte Thailand 40 Millionen Besuchende, davon 14 Millionen in Phuket.

Zwei Jahre lang lebte Urs Fehr von seinen Ersparnissen. Er hatte viel Zeit. Und er nutzte diese, um zwei bis drei Mal pro Woche Elefanten, die eine Tourismus-Attraktion sind, zu besuchen beziehungsweise zu beobachten. «Ich habe Elefanten schon immer bewundert», sagt er. Doch er habe schnell erkannt, dass hinter den Kulissen unschöne Dinge passierten: «Ich habe leider feststellen müssen, dass die Tiere schlecht behandelt werden.»

Die dunkle Seite des Tourismus

In Thailand wurden Elefanten ursprünglich vor allem in der Holzindustrie, in der Landwirtschaft und zu militärischen Zwecken eingesetzt. Als die Regierung 1989 die kommerzielle Ausbeutung von Naturwäldern verbot, hatten Tausende von Menschen, die Elefanten besassen, kein Einkommen mehr. Sie suchten neue Verdienstmöglichkeiten im Tourismus.

So entstanden touristische Parks, in denen das Reiten auf Elefanten zur Hauptattraktion wurde. Einige entwickelten Shows, bei denen die beliebten Rüsseltiere akrobatische Kunststücke vollführten oder Zeichnungen anfertigten. Allerdings sind die Bedingungen, unter denen die Tiere trainiert und gehalten werden, oft erbärmlich. Wenn die Dickhäuter keine Touristinnen und Touristen transportieren, sind sie häufig an kurze Ketten gefesselt und können sich kaum bewegen.

Um die Tiere zu dressieren, wenden die Mahouts (Dompteure) die «Phajaan»-Technik an, bei der die Willenskraft der Tiere gebrochen wird. Diese Mahouts benutzen einen Stab mit einer scharfen Metallspitze, um den Elefanten die grundlegenden Befehle beizubringen. Als Fehr Zeuge dieser Praktiken wurde, beschloss er, einen Schutzpark für misshandelte Elefanten zu gründen.

Ein Weg voller Hürden

Doch der Weg dazu war mehr als steinig. «Wenn ein Ausländer ein solches Projekt verfolgt, ist das ein ‹no go› – denn es bedeutet auch Konkurrenz», sagt Fehr. Er erhielt Drohungen. Die Einheimischen stellten Schilder vor seinem Haus auf und forderten ihn auf, die Gegend zu verlassen.

Zum Glück erhielt Fehr Unterstützung von seinem Vermieter. Dieser – ein ehemaliger Pilot der thailändischen Armee – half ihm bei der nötigen Administration. Nachdem die Bewilligung vorlag, machte sich Fehr auf die Suche nach einem geeigneten Gelände. Er fand ein 40'000 Quadratmeter grosses Terrain am Rande des Dschungels.

Alles war schliesslich bereit, nur die Elefanten fehlten noch. Fehr stiess auf Widerstand, weil er ein «Farang» ist – ein thailändischer Begriff für Weisse aus dem Westen. Dazu kam: «Die Mahout-Gemeinschaft in Thailand ist klein. Sie haben versucht, meinen Ruf zu ruinieren.» Daher habe er Schwierigkeiten gehabt, Menschen zu finden, die ihm Elefanten verkaufen. Fehr liess sich nicht entmutigen: Mit Hilfe seiner Lebensgefährtin klapperte er das Land nach misshandelten Elefanten ab. Und es gelang dem Paar schliesslich, erste Exemplare zu erwerben.

«Ich habe das Schutzgebiet mit fünf Dickhäutern eröffnet. Meine gesamten Ersparnisse habe ich dafür verwendet.» Inzwischen erwirtschaftet der Elefanten-Schutzpark ein wenig Gewinn. Und dieser wird sofort in die Rettung weiterer Tiere investiert. Ein Elefant kostet im Durchschnitt zwei Millionen thailändische Baht, was etwa 57'000 Schweizer Franken entspricht. Inzwischen zählt der Green Elephant Sanctuary Park 15 Elefanten und beschäftigt 63 Mitarbeitende.

Population der Elefanten drastisch geschrumpft

Urs Fehr ist empört über die Situation in Thailand: «Die Regierung unternimmt nichts, um die Elefanten zu schützen oder zu retten». Er fügt hinzu: «Die Leute, die Elefanten misshandeln, gehen praktisch keine Risiken ein.» Es gebe zwar eine Anlaufstelle, um Fälle von Tiermisshandlungen zu melden. Doch es sei schwierig, Beweise zu sammeln.

Der Aargauer würde gerne mit Tierschutzorganisationen zusammenarbeiten. Doch diese seien zumeist nicht sehr aktiv und «vor allem feige».

Derweil ist die Population der asiatischen Elefanten in den letzten drei Generationen drastisch geschrumpft. Damals gab es noch über 100'000 Tiere in Zentral- und Südostasien, heute sind es weniger als 45'000. Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN wird die Art als gefährdet eingestuft. In Thailand leben schätzungsweise 3200 Elefanten in freier Natur und fast 3800 in Gefangenschaft.