Nach 35 Jahren schliesst die Geschenkboutique «Himmelrych»

Das Spielwaren- und Geschenkangebot liess nicht nur Kinderherzen höher schlagen. Nach 35 Jahren fehle der Mumm für einen Neuanfang, sagen die Besitzerinnen. Online-Konkurrenz und der Einkaufs-Tourismus besiegelten das Schicksal des Ladens.

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Bald schliessen Ruth Ruchti und Bea Kleiner mit ihrer letzten Lernenden Katia Valente auch das letzte Kapitel der Boutique.

Bald schliessen Ruth Ruchti und Bea Kleiner mit ihrer letzten Lernenden Katia Valente auch das letzte Kapitel der Boutique.

AZ

Praktische Prüfung» steht am 20. Mai in der Agenda von Katia Valente. Dann ist sie Detailhandelsfachfrau, Schwergewicht Spielwaren Beratung, wie die genaue Berufsbezeichnung heisst. Katia Valente wird die letzte von sechs jungen Frauen sein, die in der Geschenkboutique «s’Himmelrych» in der Altstadt ihre Berufsausbildung gemacht haben. Nach ihr kommt keine mehr.

Am Tag darauf schliesst die Geschenkboutique «s’Himmelrych» seine Pforten. Ein Monat vor dem definitiven Ende ist im Laden noch keine Spur vom baldigen Ende. Noch schlägt jedes Kinder- und Erwachsenenherz höher bei der Auslage, die sich dem Auge bietet: Kinderbücher, Gesellschaftsspiele, die einen an die eigene Kindheit erinnern, Kerzen, Taschen, Deko-Artikel, bunte Kleber, farbige Malstifte, und noch viel mehr. Das dürfte sich jedoch bald ändern: Am kommenden Dienstag, 26. April, beginnt der Ausverkauf. In der ersten Woche gibt es 30 Prozent Rabatt auf die Gegenstände, mit jeder Woche sind es 10 Prozent mehr. Am Samstag, 21. Mai, verabschieden sich Bea Kleiner und Ruth Ruchti nach 35 Jahren mit einem Apéro für alle Kunden und 80 Prozent Ermässigung auf die noch vorhandenen Artikel.

Alternative Standorte geprüft

Sieben Jahre hing das Damoklesschwert der Schliessung über dem «Himmelrych». Ein Besitzerwechsel und Umbaupläne lösten damals Hilferufe aus. Die Lokalitäten in der Rathausgasse waren für das Spielwaren- und Geschenkangebot optimal. Gesucht wurde deshalb eine Übergangslösung, um allenfalls wieder an die gleiche Adresse zurückkehren zu können. Oder ein gleichwertiger alternativer Standort. Vergeblich. «Wir haben alles Menschenmögliche unternommen, die Fühler ausgestreckt, Lösungen geprüft und gerechnet», sagt Bea Kleiner. Vor allem Letzteres entpuppte sich zunehmend als Knackpunkt. «Wir konnten uns nicht irgendwelche Mietkosten leisten.» So war es für den Geschenkladen fast ein wenig ein Geschenk, dass sich die Sanierung der Liegenschaft hinauszögerte. Kürzlich haben die Bauhandwerker nun Hand angelegt.

In der Zwischenzeit hat sich in der Branche und im Einkaufsverhalten der Leute vieles verändert. «Die Online-Konkurrenz und der Einkaufstourismus ennet der Grenze machten auch vor dem «Himmelrych» nicht Halt», stellen die zwei Frauen fest. Den guten Jahren folgten weniger erfreuliche. Der Umsatz sank schleichend. Mit der Abschaffung des Euro-Mindestkurses im Januar 2015 war dann das Schicksal des Ladens besiegelt. «Der teure Franken war der endgültige Killer», sagt Ruth Ruchti.

Für die beiden Frauen hat sich auch die persönliche Perspektive unterdessen geändert. «Die Situation in der Rathausgasse hat sich in den vergangenen neun Jahren substanziell verändert. Hinzu kommt, dass wir nicht jünger werden.» Die Erschwernisse gewichten zu sehr und haben den Mumm für einen Neustart endgültig geraubt. «Die Investitionen würden sich kaum mehr lohnen.»

Weiterhin zwei Läden

In den Reihen der Rathausgasse-Läden und auch im Branchenmosaik der Stadt entsteht damit eine neue Lücke. Wie schnell sie wieder geschlossen werden kann, steht derzeit noch in den Sternen.

Das Haus wird zusammen mit der Nachbarliegenschaft, welche dem gleichen Eigentümer gehört, einer umfassenden Sanierung unterzogen. In den oberen Geschossen entstehen acht Wohnungen, die vermietet werden. Den Gewerbebereich im Parterre wollen die Besitzer Roland Lüscher und Marina Schmidt Lüscher von der Oekoplan Architekten GmbH, Buchs ZH, mit zwei Ladenflächen beibehalten. Den Baustart hinausgezögert hätten verschiedene andere Projekte, sagen sie. Nun habe man die Sanierung der Liegenschaft in der Rathausgasse jedoch in Angriff nehmen können.

Was die Renovation anbelangt, so steht die Bauherrschaft derzeit im Gespräch mit der Kantonalen Denkmalpflege, dem Stadtbauamt und der Stadtbildkommission.