Lenzburg

Ortsbürger rüsten sich mit Eichenwald für Klimawandel

Im Lenzburger Lütisbuech und im Lind sollen Eichenwald-Spezialreservate ausgeschieden werden. Dort wird die Nutzung alter Eichen teilweise zeitlich hinausgezögert und die Schaffung neuer, eichenreicher Bestände forciert.

Heiner Halder
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Wichtige Weichenstellungen für die Lenzburger Ortsbürgergemeinde wurden unter «Verschiedenes» angekündigt, entschieden wurde (noch) nichts, die einzigen beiden Sachgeschäfte – Gesuche für das Ortsbürgerrecht und Voranschlag 2011 – winkten die anwesenden 97 (von total 536) Stimmberechtigten diskussionslos durch.

Eichenwald-Spezialreservat

Nachhaltige Waldbewirtschaftung wird bei den Forstdiensten Lenzia unter Stadtoberföster Frank Haemmerli gross geschrieben. Das bedeutet, dass nicht nur der kurzfristige finanzielle Nutzen im Vordergrund steht, sondern die langjährige Waldbewirtschaftung mit den positiven Auswirkungen auf Umwelt und Natur, begründete Stadtrat Martin Stücheli die Beteiligung von Lenzburg am kantonalen Förderprogramm für Eichenwälder.

Vorgesehen ist, im Lenzburger Lütisbuech und im Lind Eichenwald-Spezialreservate auszuscheiden. Dort wird die Nutzung alter Eichen teilweise zeitlich hinausgezögert und die Schaffung neuer, eichenreicher Bestände forciert.

Der Nutzungsverzicht ist auf 50 Jahre angelegt und wird vom Kanton mit 131000 Franken entschädigt. Die Verjüngung sieht vor, in 15 Jahren durch eine Neuanlage von 21 Hektaren Eichennachwuchs heranzuziehen; der Kanton entrichtet dafür 630000 Franken Pauschalentschädigung. Die normale Nutzung des Waldes wird durch die Reservate nicht eingeschränkt.

Die Eiche hat eine «dicke Haut»

Warum gerade die Eiche? Sie ist jener Baum, der über tausend verschiedene Tierarten beherbergt, der witterungsbeständiges Konstruktionsholz und Möbelholz liefert und langlebig ist; die Erntereife erlangen Eichen ab 150 Jahren.

Und noch ein Trumpf: Die Eiche hat eine «dicke Haut» und kann die Klimaerwärmung problemlos ertragen, versichert Stadtoberförster Haemmerli. Die Versammlung nahm das wegweisende Vorhaben «zur Kenntnis», die Vertragsunterzeichnung mit dem Kanton steht noch bevor.

«Ausserordentliche» im Februar

Ortsbürger-Stadtrat Martin Stücheli kündigte zudem eine ausserordentliche Ortsbürger-Gemeindeversammlung auf den 16. Februar 2011 an. Traktandiert sind dann zwei Immobiliengeschäfte der Ortsbürgergemeinde.

Zum einen sollen die Büroräume im ersten und zweiten Obergeschoss des Hirzelhauses in zwei Wohnungen umgebaut werden. Seit der Renovation im Jahr 1996 war hier eine Advokaturgemeinschaft untergebracht, welche jetzt ausgezogen ist. Die Nachfrage nach Wohnraum ist grösser als das Büro-Bedürfnis. Man rechnet mit Umbaukosten von 125000 Franken.

Zum andern sollen im Nachbarhaus auf dem Seifiareal Raumbedürfnisse von Museum und Bauamt gedeckt werden. Die «Brocki» bleibt im zweiten Stock, und auch die Firma im Erdgeschoss wird nicht tangiert. Im Keller, wo derzeit Hächler-Skulpturen lagern, werden Werkzeuge und Ausstellungsgegenstände aus Max Zurbuchens Urzeitwerkstatt untergebracht.

Platz für Hero-Ausstellung

Mit dem Auszug der Firma Matec wird im Erdgeschoss Raum frei, wo das Museum Burghalde die auf anderthalb Jahre angelegte Wechselausstellung zum Hero-Jubiläum platzieren möchte.

Auch das Bauamt hat Interesse am Lagerhaus, wo das Stadtmodell als Arbeitsinstrument aufgestellt und Ausstellungen für Architekturwettbewerbe organisiert werden könnten. Die Mühlematt-Turnhalle wird demnächst abgebrochen, das Hero-Wohlfahrtshaus steht bald nicht mehr zur Verfügung und der Tommasini-Estrich ist wenig geeignet.

Es ist geplant, den Mehrzweckraum mit einfachen Mitteln herzurichten, wofür ein Aufwand von 110000 Franken geschätzt wird.

Gesunde Finanzlage

Die Ortsbürgergemeinde kann im Jahr 2011 über den budgetierten Gewinn 2010 vom Kieswerk von 200000 Franken verfügen. Anderseits ist mit einer Entnahme aus dem Eigenkapital in ungefähr gleicher Höhe zu rechnen.

Das Museum Burghalde budgetiert einen Mehraufwand für die Hero-Sonderausstellung, doch werden auch doppelt so hohe Eintrittseinnahmen erwartet.

Beim Kieswerk hängt das Ergebnis im Wesentlichen davon ab, wann die Erweiterung des Abbaugebietes realisiert werden kann. Es zehrt momentan von den vorhandenen Reserven, für die laufenden Investitionen ist ein Rückzug von 1,44 Mio. Franken vorgesehen.

Die Forstdienste Lenzia sehen vor, einen Gewinn von 20000 Franken in die Forstreserve einzulegen. Ins Ortsbürgerrecht wurde die Familie Rolf Georg und Daniela Schmid mit Christian und Martina aufgenommen.