Platzverweis
Rassismus oder gebrochene Verbote? Gemeinderat jagt den FC Holderbank vom Platz

Seit Jahren ist das Verhältnis zwischen dem FC und dem Gemeinderat angespannt. Nun hat ein Namenswechsel das Fass zum Überlaufen gebracht.

Janine Gloor
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Die Gemeinde Holderbank hat dem FC Alba Holderbank die Benützung der Sportanlagen im Schachen untersagt.

Die Gemeinde Holderbank hat dem FC Alba Holderbank die Benützung der Sportanlagen im Schachen untersagt.

ZVG

Rote Karte für den FC Holderbank: Der Verein darf seit Beginn der laufenden Saison die Sportanlagen der Gemeinde nicht mehr benutzen. So hat es der Gemeinderat beschlossen. Seither kann der Verein nur noch auswärts spielen und ist auf die Gunst der Gastgeber angewiesen.

Das Verhältnis zwischen der Gemeinde und dem FC Holderbank ist schon seit längerem zerrüttet. 1981 gegründet, erlebte der Verein vor ungefähr zehn Jahren eine Veränderung. Wie Gani Alimehaj, der damals Präsident wurde, haben immer mehr Mitglieder einen Migrationshintergrund. «Wir sind viele Albaner und Bosnier», sagt Alimehaj. Für ihn spielt beim Platzverweis Rassismus eine Rolle. «Das ist Diskriminierung.»

«Die Herkunft und Ortsansässigkeit der Spieler haben einen untergeordneten Einfluss», sagt Gemeindeammann Herbert Anderegg. Unter anderen ein Grund für die Unstimmigkeiten zwischen Gemeinde und FC sei die Benützung der Sportanlage Schachen. «Wir sind platz- und anlagemässig eingeschränkt», sagt Anderegg.

Der Turnverein und der Fussballverein wollen beide auf dem Rasen trainieren. Damit der Hauptplatz, wo die offiziellen Fussballspiele stattfinden, nicht zu fest beansprucht wird, hat die Gemeinde dem FC vorgeschrieben, dass das Training nur auf einem Nebenplatz absolviert werden darf. Zwei Mal in der Woche, Dienstag und Donnerstag. «Für ein taktisches Training durften wir jeweils eine Dreiviertelstunde vor dem Training den Hauptplatz benützen», sagt Alimehaj.

Der Hauptplatz als Zankapfel

Die Trainingszeiten und Platzzuteilungen waren es denn auch, welche zu Schwierigkeiten zwischen Gemeinde und FC geführt haben. «Der Verein hat sich regelmässig nicht an die Abmachungen gehalten», sagt Anderegg. So hätten die Fussballer nach dem taktischen Training noch einen Match auf dem Hauptplatz angefügt, wenn andere Vereine nicht zugegen waren. Oder es seien neue Trainer gekommen, die konsequent den Hauptplatz benutzt hätten, mit der Ausrede, dass sie nichts von den Benützungsbestimmungen gewusst hätten.

«Wir haben die Rahmenbedingungen festgelegt und trotzdem hat sich der Verein immer wieder nicht daran gehalten», sagt Anderegg. Wiederholt sei es zu Schreiben und Gesprächen zwischen Gemeinderat und FC gekommen. Präsident Gani Alimehaj versuchte stets, mit der Gemeinde grosszügigere Benutzungsvereinbarungen zu verhandeln. «Schliesslich war der FC beinahe bei jeder zweiten Gemeinderatssitzung ein Thema», sagt der Ammann.

Für Gani Alimehaj handelt es sich bei den Platzstreitigkeiten um «Bagatellen». «Wir haben immer alle Regeln eingehalten», sagt er. Nie sei es zu nennenswerten Zwischenfällen gekommen. Andere Fussballteams würden gern nach Holderbank kommen, die Schiedsrichter fühlten sich wohl hier. Er würde gern eine Juniorenmannschaft eröffnen. Doch das verbot die Gemeinde dem Verein schon bei der Gründung. «Im Schachen hat es keinen Platz, dass auch noch eine Juniorenmannschaft trainieren könnte», sagt Anderegg.

Neuer Name wird nicht geduldet

Die Streitigkeiten um den Platz strapazierten das Verhältnis zwischen Gemeinde und FC arg, doch das Fass zum Überlaufen brachte das Wort «Alba». Die Fussballer änderten den Namen ihres Vereins zu «FC Alba Holderbank». «Alba ist lateinisch für weiss», sagt Alimehaj. Seine Lieblingsbasketballmannschaft trägt ebenfalls ein Alba im Namen. Schon 2012 beantwortete der Gemeinderat eine Anfrage zur Namensänderung ablehnend. «Solange der Verein die Sportanlage im Schachen sowie im Winter die Turnhalle gratis benützen kann, soll er weiterhin FC Holderbank heissen», sagt Herbert Anderegg.

Der Gemeinderat stellte dem Verein ein Ultimatum: Entweder der Verein streicht das Alba aus dem Namen oder die Fussballer dürfen nicht mehr im Schachen trainieren. Doch für die Fussballer hat der Namenswechsel nicht nur ästhetische Gründe, denn ein weiterer Knackpunkt in Holderbank ist das Spielfeld. Dieses muss auf die Spielsaison 2018/2019 gemäss den Vorgaben des Aargauischen Fussballverbands (AFV) angepasst werden.

Der Platz muss neu justiert und die Goals versetzt werden. FC-Präsident und Gemeinde waren zu einer Einigung gekommen; die Gemeinde sicherte zu, sich an der Umsetzung und den Kosten zu beteiligen. Doch bis jetzt haben wegen der jahrelangen Konflikte weder FC noch Gemeinde eine Anpassung vorgenommen.

«Mit dem Namenwechsel wollten wir garantieren, dass wir in der nächsten Saison weiterspielen können», sagt Alimehaj. «Als Vorsichtsmassnahme.» Denn um die Meisterschaftsspiele auch in einer anderen Gemeinde austragen zu können, braucht der Verein einen neutralen Namen. «Während der laufenden Saison können wir den Namen nicht zurückändern», sagt Alimehaj. Für den Gemeindeammann ist diese Begründung eine Ausrede. Eine Einigung ist nicht in Sicht.

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