Lenzburg

Restaurierte Stadtkirche: Endlich klingt die Glocke richtig

Die Restauration der Stadtkirche war für die Architektin eine Herzensangelegenheit. Die Glocke hallt nun majestätisch über der Stadt.

Janine Gloor
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Die reformierte Stadtkirche Lenzburg erstrahlt im neuen Glanz.
12 Bilder
Die Beleuchtung wurde auf den neusten Stand gebracht.
Die Orgel wurde äusserlich saniert sowie mit weiteren Registern ausgestattet.
Die Orgel wurde äusserlich saniert sowie mit weiteren Registern ausgestattet.
Die Orgel wurde äusserlich saniert sowie mit weiteren Registern ausgestattet.
Jolanda Hofmann (Architektin) und Johannes Burger (Präsident der Kirchgemeinde Lenzburg-Hendschikon) waren für die Sanierung der Stadtkirche Lenzburg federführend.
Sanierung Stadtkirche Lenzburg
Die Glocken tragen die Wappen von Lenzburg und Hendschikon.

Die reformierte Stadtkirche Lenzburg erstrahlt im neuen Glanz.

Chris Iseli

Manch einer dürfte am Donnerstag verwundert zum Turm der reformierten Stadtkirche hochgeblickt haben. Majestätisch hallte der Klang der grössten Glocke über der Stadt. Die Uhr zeigte 10.48. Für die az-Besucher durfte die Glocke vorführen, was sie kann. Denn seit ihrer Instandsetzung 1935 hat sie noch nie so schön getönt.

Alle Glocken haben neue Klöppel erhalten, diese sind leichter und schonender. Der Glockenstuhl wurde auf Gummilager gestellt, welche die Vibrationen abfedern. Damit der Klöppel nicht immer an derselben Stelle aufschlägt, wurden die Glocken jeweils um 60 Grad gedreht, zudem schwingen sie heute höher. «Das kann man auch von aussen sehen», sagt Architektin Jolanda Hofmann, welche die Restauration leitet. Und hören. Der warme, tiefe Ton klingt auch wenige Meter unter der Glocke durch zugepresste Ohren äusserst angenehm.

Doppelte Freude

Jolanda Hofmann freut sich gleich doppelt, dass sie mit diesem Projekt betreut wurde. In Lenzburg aufgewachsen, kennt sie die Stadtkirche bestens. «Auch für unser Geschäft war es schön, diesen Auftrag zu bekommen», sagt sie.

Das Architekturbüro Baumann Waser Partner AG hat bereits die letzte Restauration der Kirche im Jahr 1991 durchgeführt. «Ich bin stolz, dass ich an diesem Projekt beteiligt bin», sagt Hofmann. Die Kirche liegt ihr aber nicht nur aus fachlicher Perspektive am Herzen. Von der Empore fällt der Blick auf die renovierte Stuckdecke. «Einmal bin ich hier oben gestanden, als der Orgelbauer intoniert hat. Das war so schön», sagt die Architektin. Die Orgel hat zwei neue Register und auch neue Pfeifen erhalten. Jolanda Hofmann und der dazugestossene Kirchenpflegepräsident Johannes Burger sind sich nicht ganz sicher, wie viele Pfeifen es insgesamt sind. «Auf jeden Fall über 3000», sagt Hofmann. «Solche Dinge interessieren mich einfach.» Beim Aufstieg zur Glockenstube zählt sie die Stufen.

Noch steht an der Südseite des Turms ein Gerüst. «Der Verputz hielt einige Überraschungen bereit», sagt Hofmann. Die Wetterseite sei in einem viel besseren Zustand gewesen als erwartet. Auf der Südseite musste der Verputz dagegen grossflächig ersetzt werden. Das schlechte Wetter hat die letzten Streicharbeiten bis jetzt verhindert. Jolanda Hofmann ist mit der Arbeit der Handwerker zufrieden. «Die vielen Spezialisten sind mit allem sehr sorgfältig umgegangen.» Und trotzdem war zum Beispiel der Gerüstabbau in der Kirche für sie ein «Zitterimoment», an den sie nur ungern zurückdenkt. «Ich war nur kurz da, den ganzen Tag hätte ich nicht zuschauen können», sagt sie. Was da alles versehentlich hätte zerstört werden können. Auch kostenmässig verläuft die Restauration nach Plan, der bewilligte Kredit von 1,775 Mio. Franken wurde laut Burger nicht überschritten.

Als letztes Projekt hat Jolanda Hofmann die Sanierung des Fünfsterngebäudes der Strafanstalt mitbegleitet, in Zukunft wird sie sich wieder neueren Gemäuern zuwenden. «Diese Abwechslung gefällt mir sehr», sagt sie. Sie freut sich auf das Jugendfest, wenn die Kränze duften. Denn sie weiss jetzt, wie es auf dem Dachstock der Kirche aussieht, wo das Seil der Kränze durch ein Loch gezogen wird. Und wenn die Glocken nach der Morgenfeier läuten, kann sie beruhigt daran denken, dass das Mauerwerk nicht unter den Schallwellen leiden muss.

Einweihung vom Sonntag, 26. März

- 10 Uhr: Festgottesdienst

- 11.30 Uhr: Matinée-Konzert Magnificat von Johann Sebastian Bach mit dem Ensemble Academia Musica

- 12.30 Uhr: Apéro und Führungen durch die Kirche, Verpflegung im Festzelt bis 16.45 Uhr

- 15 Uhr: Kinderprogramm

- 17 Uhr: VollesGlockengeläut

- 17.15 Uhr: Kurzes Orgelkonzert zum Abschluss mit Andreas Jud, Organist der Stadtkirche