Lenbzrug

Wer pünktlich nach Zürich fahren will, muss diesen Zug wählen

Auf mehreren Zugverbindungen zwischen Lenzburg und dem Zürcher Hauptbahnhof kommt es regelmässig zu Verspätungen. Spitzenreiter ist der sogenannte Lumpensammler.

Janine Gloor
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Wer am Bahnhof Lenzburg (im Bild) einsteigt und und in Zürich pünktlich aussteigen will, dem ist der Regionalexpress zu empfehlen.

Wer am Bahnhof Lenzburg (im Bild) einsteigt und und in Zürich pünktlich aussteigen will, dem ist der Regionalexpress zu empfehlen.

Chris Iseli

Die Website pünktlichkeit.ch wertet täglich den Zugverkehr in der Schweiz aus. Fährt irgendwo ein Zug der SBB mit Verspätung ab, merkt sie das und verzeichnet es. Die Daten dafür werden von den SBB zur Verfügung gestellt.

Auf einer interaktiven Karte liefert pünktlichkeit.ch Informationen zu allen SBB-Verbindungen. Verschiedene Farben kennzeichnen auf der Website die Pünktlichkeitsraten. Zwischen Lenzburg und Zürich HB gibt es mehrere Linien in Rot. Eine davon schaffte es kürzlich in die «NZZ am Sonntag»: «Tiefstwerte wurden zwischen Lenzburg und Zürich gemessen.»

Schuld sind verlängerte Wartefristen

Das Zitat bezieht sich auf die IC-Verbindungen. Wer die Metainformationen zu dieser roten Linie genau studiert, merkt schnell: Es gibt nicht viele IC-Verbindungen zwischen Lenzburg und Zürich HB. Genau eine pro Tag in jede Richtung. Der Zug mit der schlechtesten Pünktlichkeitsrate auf dieser Strecke ist der IC5, der um 00.53 Uhr von Lenzburg nach Zürich fährt.

Gemäss pünktlichkeit.ch kommt dieser Zug jedes zweite Mal zu spät in Lenzburg an, er ist nur in 46,1 Prozent von allen Fahrten pünktlich. Der Grund: Er ist der Besenwagen, im Volksmund Lumpensammler genannt. «Als letzter Zug auf der Strecke Biel–Zürich hat er verlängerte Wartefristen», sagt ein Sprecher der SBB.

«An allen Bahnhöfen unterwegs wartet dieser Intercity bis zu zehn Minuten auf verspätete Anschlusszüge, damit Umsteigerinnen und Umsteiger wenn immer möglich nach Hause kommen.» Wegen Baustellen auf der Strecke und der übertragenen Verspätung anderer Züge sei diese Verbindung anfällig für Verspätungen, so der Sprecher.

IR37 kam 1229 Mal zu spät in Lenzburg an

Eine andere Verbindung, die von den Pendlern etwas mehr Geduld erfordert, ist der Interregio von Zürich nach Lenzburg. Der IR37 fährt jede Stunde, zum ersten Mal um 05.08 Uhr und zum letzten Mal um 22.08 Uhr. Gemäss pünktlichkeit.ch kommt er in Lenzburg zu 82,1 Prozent pünktlich an. Oder anders gesagt: In den letzten 365 Tagen fuhr der Interregio 6856 Mal von Zürich HB nach Lenzburg, 5627 Mal davon kam er pünktlich an.

Die Gründe dafür liegen unterwegs. «Zwischen Zürich und Lenzburg gibt es momentan und gab es 2019 Baustellen mit Langsamfahrstellen», sagt der SBB-Sprecher. Zum Beispiel den Weichenumbau im Gexi vom vergangenen Sommer und den laufenden Ausbau des Bahnhofs Zürich Altstetten.

Für diese vorhersehbaren Hindernisse gebe es im Fahrplan Reserven, damit die Züge trotz langsamerer Fahrt im Bereich von Baustellen pünktlich ankommen. «Dann bestehen aber natürlich automatisch weniger Reserven für Unvorhergesehenes», so der SBB-Sprecher. Zudem hat der IR37 das Problem, dass er der letzte von fünf Zügen ist, welche die Strecke befahren.

Ist einer der vorfahrenden Züge verspätet, überträgt sich das auf den nach Lenzburg fahrenden Zug. In die umgekehrte Richtung allerdings scheint der IR37 weniger oft aufzulaufen. Von 6005 Fahrten waren in den letzten 365 Tagen 5262 pünktlich, das sind 87,6 Prozent.

Wer von Lenzburg mit einem pünktlichen Zug nach Zürich HB reisen will, wählt am besten den Regionalexpress, der in Lenzburg immer zur vollen Stunde fährt und seinen Ursprung in Aarau hat. Dieser kam in den letzten 365 Tagen in 96,5 Prozent pünktlich am Hauptbahnhof an.

Was heisst denn überhaupt pünktlich? Zeit ist relativ und frühmorgens auf einem Perron in der Kälte fühlen sich fünf Minuten an wie ein halbes Leben. Für die SBB ist ein Zug pünktlich, wenn er am Zielbahnhof mit weniger als 3 Minuten Verspätung ankommt und die Anschlüsse erreicht werden können.

Die Zeit fürs Umsteigen ist ebenfalls definiert und beträgt mindestens drei Minuten. Je nach Laufweg wird sie angepasst. «Im Hauptbahnhof Zürich beträgt sie sieben Minuten, in Bern fünf», sagt der SBB-Sprecher. Die Zeiten scheinen also nichts mit den gängigen regionalen Stereotypen zu tun zu haben.

WSB verkürzt Öffnungszeiten

Am 6. Dezember fand der Startschuss für den 65 Millionen Franken teuren Neubau des Bahnhof Aarau Süd (bisheriger WSB-Bahnhof) statt. AVA-Chef Severin Rangosch erklärte unter anderem, es werde eine attraktive und kundenfreundliche Verkaufsstelle entstehen.

Ein regelmässiger WSB-Benutzer hat die AZ jetzt darauf aufmerksam gemacht, dass die Öffnungszeiten des Bahnhofs eine Woche nach dem Startschuss still und leise massiv gekürzt wurden (gleichzeitig mit der Schliessung der Verkaufstellen in Gränichen und Oberentfelden). Neu ist die AVA-Verkaufsstelle in Aarau nur noch von 7 bis 19 Uhr (am Sonntag bis 17 Uhr) offen. Bisher von 5.15 bis 23.45 Uhr. (uhg)