Lenzburg
Zum Schutz der Fussgänger: Wegen eines Pilzes fällt die Stadt acht Bäume am Aabach

Wie eine Diskusscheibe, die sich im Stamm der Erle am Ufer des Aabaches verkeilt hat, sieht er aus: der Feuerschwamm. Ein Pilz, der sich in schwachen Bäumen ausbreitet und das Holz zersetzt. Gleich mehrere Bäume sind in Lenzburg an der Bahnhofstrasse beim ehemaligen Geburtshaus «Storchenäscht» betroffen und müssen deshalb aus Sicherheitsgründen gefällt werden.

Stefanie Garcia Lainez
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Acht kranke Erlen müssen am Aabach in Lenzburg weichen
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Der Pilz mit dem Namen «Feuerschwamm» breitet sich im Innern des Baumes aus und zersetzt das Holz.
Eine Erle wurde wegen des Pilzes vor einigen Jahren bereits gekürzt und mit einem Drahtseil gesichert.
Da die etwa 70 Jahre alte Baumgruppe abgeholzt wird, müssen zwei weitere Erlen dranglauben, die sich auf einer kleinen Insel in der Bachmitte weiter rechts im Bild befinden.

Acht kranke Erlen müssen am Aabach in Lenzburg weichen

Stefanie Garcia Lainez

Eine Erle wurde wegen des Pilzes vor einigen Jahren bereits gekürzt und mit einem Drahtseil gesichert. Eine weitere verdörrt zunehmend. Nun will die Stadt die ganze Baumgruppe mit sechs Erlen fällen. «Die Bäume wachsen aus dem gleichen Baumstock», sagt Werkhof-Leiter Peter Ulmann. «Da bereits zwei Bäume erkrankt sind, können wir davon ausgehen, dass auch die anderen vom Pilz befallen sind.» Das ist ein Sicherheitsrisiko für die Fussgänger, die täglich unter den Erlen hindurchlaufen. Denn wie sich der Pilz im Innern der Bäume ausbreitet, ist von aussen schwer abzuschätzen. Äste könnten sich lösen – oder die Bäume gar umfallen.

Da die etwa 70 Jahre alte Baumgruppe abgeholzt wird, müssen zwei weitere Erlen dranglauben, die sich auf einer kleinen Insel in der Bachmitte befinden. Ulmann erklärt: «Durch das Fällen der sechs Erlen bieten die zwei anderen Bäume eine grössere Angriffsfläche für den Wind und könnten umfallen.»

Linden erhalten mehr Platz

Am 13. Februar fällt der Forstdienst Lenzia die acht Erlen. Für die beiden einzelstehenden Bäume muss der Bagger mit der Greifzange auf die Brücke fahren. Die Bahnhofstrasse ist deshalb gegen 13.30 Uhr in diesem Bereich für maximal eine halbe Stunde nur einspurig befahrbar. Ein Verkehrsdienst regelt in dieser Zeit den Strassenverkehr. Die gefällten Bäume werden im Werkhof zu Brennholz verarbeitet und den Lenzburger Feuerstellen zur Verfügung gestellt.

Ob die Stadt die Erlen ersetzt, sei noch nicht sicher, sagt Ulmann. Doch immerhin erhalten andere Bäume mehr Platz und Licht. «Wir haben vor, die Linden zurechtzuschneiden, damit sie sich besser ausbreiten können.» Und er ergänzt: «Der Nachwuchs ist da.»

«Schneckenbaum» sorgte für Furore

Immer wieder muss Lenzburg Bäume in der Stadt fällen. Ein emotionales Thema. Bei den acht Erlen am Aabach rechnet Ulmann jedoch kaum mit Reaktionen. «Wenn wir die Bevölkerung früh informieren, ist dies meist kein Problem.» Hinzukomme, dass beispielsweise Eichen für viel mehr Insekten ein Zuhause bieten oder viel langsamer wachsen würden als die Erlen, sagt der Werkhofleiter.

Für schweizweites Aufsehen sorgte jedoch die Rosskastanie beim Müli-Märt. Der altersschwache und kranke Baum wurde Anfang 2017 gefällt – aber erst, nachdem Freiwillige mit einer aufwendigen Aktion rund 800 Exemplare der Zahnlosen Schliessmundschnecke umgesiedelt hatten. Die kleinen Bewohner stehen auf der Roten Liste der Weichtiere und sind in der Schweiz gefährdet. Die Stadt steuerte 5000 Franken zum Schutz der Tiere bei.

Ein halbes Jahr später mussten 14 Bäume weichen, unter anderem eine 100-jährige Linde vor dem Müli-Märt. Pilz und Bakterien hatten dunklen Schleimfluss, lange, tiefe Risse und Höhlungen verursacht. Die Stadt hatte über mehre Jahre versucht, den Baum zu retten. Doch vergeblich. Die Stadt ersetzte die Linde und die dreizehn anderen gefällten Bäume.

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