Naturama

Naturschützer verlangen Massnahmen gegen Katzenplage

Katzen töten hierzulande 10 Millionen Mäuse - das stört niemanden. Doch auch geschützte Arten fallen den Tieren zum Opfer. Das Naturmuseum Naturama in Aarau greift das Tabuthema jetzt auf und fordert Massnahmen gegen Katzen.

Hans Lüthi
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Wir haben zu viele Katzen im Land, die Schätzung pendelt zwischen 1,4 und 1,5 Millionen Tieren mit den Samtpfoten – die genaue Zahl kennt niemand. Auch herzige Katzen und die liebsten Schnurrlikater werden zu Raubtieren, sobald sie in die freie Natur hinaus kommen.

Wegen ihres angeborenen Jagdinstinktes greifen die vierbeinigen Jäger zu: «Sie schleichen sich an die Opfer heran, den Bauch dicht an den Boden gepresst, springen, packen die Beutetiere mit den Vorderpfoten und töten sie mit einem gezielten Biss in den Nacken», schreibt das Bundesamt für Umwelt. Wohlgenährte Hauskatzen töten mindestens so viele Tiere wie ihre hungrigen Artgenossen. Bevorzugt sind die Mäuse, 800000 kommen pro Monat unter die Pfoten, gegen 10 Millionen pro Jahr. Daran stört sich niemand, ganz im Gegenteil.

Naturschützer schlagen Alarm

Von der Katzenplage haben Natur- und Umweltschützer langsam aber sicher genug, jetzt schlagen sie Alarm und fordern Massnahmen. Das Naturama Aargau greift das Thema auf und liefert erschreckende Zahlen: 1,8 Millionen Vögel, 600000 Reptilien, 3 Millionen Schmetterlinge werden von den Katzen jedes Jahr getötet oder gefressen. Jedes zehnte Tier gehört zu einer geschützten Art, Eidechsen, Blindschleichen, Molche, Frösche, Fledermäuse.

«Vom Artenschutz her ist das weltweit ein Riesenproblem, das völlig verharmlost wird», sagt Dominik Thiel von der Sektion Jagd und Fischerei in der Abteilung Wald. In Umwelt Aargau hat er das Dilemma von Kuscheltier und Raubkatze untersucht: In den für andere Tierarten aufgestellten Fotofallen liessen sich viele Katzen ablichten. An 252 Standorten gab es 361 Bilder mit Katzen, einige davon mit Halsband. Denn: Hauskatzen schleichen nicht nur ums Haus, am Tag suchen sie ein Jagdgebiet von drei und nachts von acht Hektaren Fläche ab.

Katzensteuer und Chip denkbar

Naturschützer wollen das lange tabuisierte Problem jetzt intensiv und tabulos diskutieren. «Dabei wird auch die Einführung einer Katzensteuer aufs Tapet gebracht, ebenso ein obligatorischer Chip wie bei den Hunden», betont Monica Marti des Naturama. Dies geschehe im Bewusstsein, dass es hier um ein emotionales Thema gehe und man sehr schnell als Katzenhasser verschrien werde.

«Einer Katzensteuer stehe ich eher skeptisch gegenüber», sagt die dazu befragte Astrid Becker, Präsidentin des Aargauer Tierschutzes. Einen Chip mit den Daten des Besitzers auch für jede Katze empfindet sie als gute Sache. Bei einem Unfall mit verletzten oder getöteten Tieren, aber auch bei entlaufenen Katzen sei es schon von Vorteil, wenn man die Besitzer rasch ausfindig machen könne. Kritisch beurteilt Becker die Chips, wenn sich jemand gegen eine solche Implantation wehrt.

Die Tierschutz-Präsidentin ist selber eine grosse Katzenliebhaberin und betreut neun Pflegekatzen aus dem Tierheim des Verbandes in Untersiggenthal. Dorthin werden herrenlose, kranke und junge Katzen gebracht und betreut. Weil sich Katzen wie einst die Hasen vermehren, ist die Kastration von Männchen und Weibchen ein wichtiges Mittel. Der Tierschutz erfasst jährlich rund 500 solche Katzen, die Aktion Bauernhof-Kastration 600 bis 800, aber diese 1100 bis 1300 sind im Aargau nur knapp zehn Prozent.

Schutz für die Wildtiere

Die Katzen machen keinen Unterschied zwischen weit verbreiteten und geschützten Vogelarten, sie töten auch Flussuferläufer oder die stark bedrohten Wiedehopf und Rotkopfwürger. Das Bafu rät dazu, sich die Anschaffung einer Hauskatze gut zu überlegen, weil eine artgerechte Haltung selten möglich ist. Durch gesicherte Nistkästen und Manschetten an den Baumstämmen kann man verhindern, dass die Katzen Jungvögel erreichen. Mit engmaschigen Drahtgittern können Eidechsen und andere Reptilien geschützt werden.