Hitze

Strassenarbeiter: Der Schweiss fliesst in Strömen

Der Sommer kommt, die Temperaturen steigen. Es stellt sich die Frage: welches ist der schlimmste Job, um draussen in der brütenden Hitze zu arbeiten? Mit am schlimmsten dran sind die Strassenarbeiter. Die az hat die «Büetzer» besucht.

Adrian Hunziker
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 Eine der strengsten Aufgabe ist die Arbeit mit dem Presslufthammer
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 Die Strassenarbeiter beim Autobahnzubringer T5
Bauarbeiter T5 Aarau
 Der Polier Roland Neeser beim Ausmessen

Eine der strengsten Aufgabe ist die Arbeit mit dem Presslufthammer

AZ

Roland Neeser überlegt kurz und meint, dass er im Minimum so drei Liter Wasser pro Tag trinke. Neeser ist Polier Strassenbau/Tiefbau. Er übt seinen Job bereits seit 13 Jahren aus. «Der jetzige Sommer ist noch nicht mit dem Jahrhundertsommer von 2003 vergleichbar. Er hat ja erst begonnen. Aber wenn es so weiter geht, könnte es wieder so werden wie damals, wenn nicht schlimmer», wagt der 29-Jährige einen kleinen Ausblick.

Neben dem vielen Wasser, das er zu sich nimmt, schützt er sich mit einem Helm gegen die Sonne. Dieser ist auf der Baustelle Pflicht. Die Sonnenbrille muss er nicht tragen, sie ist aber von Vorteil. Zudem trägt er viel Sonnencreme auf.

Mittagsstunden

Die Arbeiter machen von 12 bis 13 Uhr Mittagspause. Doch wer denkt, dann seien die Temperaturen am intensivsten, der täuscht sich. «Von 14 bis 17 Uhr ist es am schlimmsten. Dann läuft der Schweiss nur so runter», korrigiert Neeser. Klarer Fall verbringen die Arbeiter ihre Pausen im Schatten.

Darauf angesprochen, was denn der schlimmste Aspekt dieses Wetters ist, zögert der Polier nicht lange: «Das ewige Auf und Ab der Temperaturen ist am mühsamsten. Man kann sich nie auf so was einstellen. Wenn es über längere Zeit zwischen 28 und 32 Grad warm ist, kann man sich daran gewöhnen.» Da aber die Temperaturen häufig stark variieren würden, sei es viel schwieriger, damit umzugehen.

Hinzu kommt der viele Verkehr und die Abgase, die die Arbeit nicht wirklich einfacher machen. «Ich bin richtig schwarz, wenn ich nach Feierabend duschen gehe», sagt Neeser.

Lieber Hitze als Kälte

Als Aussenstehender denkt man, dass der Job des Strassenarbeiters vor allem körperlich sehr anstrengend ist. Doch das ist nicht das schlimmste. «An die körperlichen Strapazen gewöhnt man sich schnell. Aber die Witterung ist viel schlimmer. Hitze, Wind, Regen oder Schnee setzen viel mehr zu.» Derzeit ist die Hitze der grösste Feind der Strassenarbeiter, denn es geht kein Lüftchen, das ein bisschen Abkühlung verschaffen würde.

Der Schweiss strömt. Auch an den Füssen. «Wir tragen Sicherheitsschuhe mit Stahlkappen und einem Nagelschutz an der Sohle», meint Neeser. «Da ist viel Metall dabei.»

Dem Polier sind diese heissen Witterungsbedingungen aber doch lieber, als die Kälte im Winter. Laut eigener Aussage steht er aber scheinbar eher alleine da. Viele seiner Kollegen können besser damit umgehen, wenn es kalt ist.

Der Supergau

Das Nonplusultra der Temperaturen erfahren die Arbeiter, wenn ein neuer Belag aufgetragen wird. Der frische Teer, der auf der Strasse verteilt wird, ist zwischen 90 und 120 Grad heiss. Dazu kommt die direkte Sonneinstrahlung, die auch um die 50 Grad beträgt. «Wenn man dann hinter der Teermaschine arbeitet, ist die Sauna mit inbegriffen», schildert Neeser.

Darauf angesprochen, ob er diesen Teil der Arbeit verabscheue, meint er: «Das gehört mit zum Job. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Er gewöhnt sich an alles.» Neeser lacht und macht sich wieder an die schweisstreibende Arbeit, während knapp einen Meter neben ihm die Autos vorbeifahren.