Jagd

Wer auf die Jagd will, wird auf eine harte Probe gestellt

Bevor sich einer Jäger nennen darf, muss er eine anspruchsvolle Ausbildung durchlaufen. 34 angehende Jäger stellen sich der praktischen Prüfung – 28 haben bestanden.

Hanny Dorer (Text und Fotos)
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An der praktischen Prüfung werden nicht nur die Treffsicherheit, sondern auch die korrekte Handhabung der Waffe und die Beachtung der Sicherheit geprüft; auf dem Bild René Schärli (rechts) mit einem Prüfling.

An der praktischen Prüfung werden nicht nur die Treffsicherheit, sondern auch die korrekte Handhabung der Waffe und die Beachtung der Sicherheit geprüft; auf dem Bild René Schärli (rechts) mit einem Prüfling.

An einem frühen Morgen an einem Frühlingstag auf der Schiessanlage Obertel in Suhr: 34 angehende Jägerinnen und Jäger stellen sich der praktischen Jagdprüfung. Damit sie dazu antreten durften, mussten sie nachweisen, dass sie den vom Jagdgesetz vorgeschriebenen Jagdlehrgang in einem Jagdrevier absolviert, die nötigen Kurse besucht sowie 12 praktische Einsätze im Jagdrevier geleistet haben. Ausserdem ist der Anmeldung zur Jagdprüfung ein Auszug aus dem Zentralstrafregister beizulegen.

Experten kennen keinen Pardon

«Der Schiessbetrieb steht unter dem Hauptmotto Sicherheit», prägte Peter Hilfiker, Obmann der Jagdprüfungskommission, den Kandidaten ein. Wer also beim ersten Teil der praktischen Prüfung, beim Thema Waffenhandhabung, die (natürlich ungeladene) Waffe gegen den Experten richtet, wird unverzüglich nach Hause geschickt. Da kennen die Experten kein Pardon. Neben der Handhabung werden auch die Waffenkenntnisse über Flinte, Pistole, Revolver und Kugelbüchse geprüft. Auch das Schätzen von Distanzen gehört zum Prüfungsstoff.

Jetzt erst wird der Kandidat zum Schiessen zugelassen. Das Präzisionsschiessen mit Zeitbeschränkung erfolgt auf 100 Meter mit der Kugel auf eine stehende Rehscheibe sowie auf die 50 Meter entfernt stehende Wildschweinscheibe. Schliesslich wird mit Schrot auf die laufende Reh- und Fuchsscheibe geschossen.

Während einige Kandidaten die Ruhe selbst sind, können andere ihre Nervosität nicht unterdrücken. So auch Nationalrätin Sylvia Flückiger; sie erreicht die geforderte Punktzahl nicht und wird die Schiessprüfung im Herbst nachholen. Dafür bestand sie – trotz Session – letzte Woche die theoretische Prüfung und kann sich jetzt voll auf das Schiessprogramm konzentrieren.

Sechs komplexe Prüfungsfächer

Die praktische Prüfung wurde letzte Woche mündlich abgelegt. Sechs Experten befragten die Kandidaten einzeln zu Jagdrecht, Jagdkunde, Wild- und Vogelkunde, Lebensraumkunde, Schiess- und Waffenkunde sowie zu Jagdhunden und Wildkrankheiten.

Zum Beispiel: Stefan Scherf wird von Peter Hilfiker in Wild- und Vogelkunde getestet. Er ist gut vorbereitet, weiss, was Schalenwild und was ein Sprung (eine Wohngemeinschaft von Rehen) ist. Er erkennt auf einem Bild die Jahreszeit und das Alter der Rehe aufgrund ihrer Verfärbung.

Er kennt die Jagdsprache, erklärt, was ein ungrader Sechzehner ist und was ein Mönch (Hirsch, der wegen eines genetischen Defekts kein Geweih trägt). Die diversen Marderarten kennt er ebenso wie das Beuteschema des Baummarders und seine Feinde.

Auf einem weiteren Bild erkennt er problemlos Spiess-, Schnatter-, Löffel-, Reiher-, Tafel- und Tauchenten und nennt alle Greifvögel beim Namen. Und weil er auch in den anderen Fächern gut abschneidet, gehört Scherf zu den Glücklichen, die gestern ihren Jagdfähigkeitsausweis entgegennehmen durften.

«Sehr schwierig», beurteilt Markus Brunner nach bestandener Prüfung die Anforderungen. «Aber es ist richtig, dass man damit dem Thema Jagd gerecht wird.» Brunner ist seit 20 Jahren Treiber bei der Jagdgesellschaft Schneisingen, wo er auch sein Jagdlehrjahr absolviert hat. «Auch mein Vater ist Jäger, er hat aber nie Druck auf mich gemacht», schmunzelt er.

Vermehrt junge Jäger

Obmann Hilfiker ist zufrieden. «Wir haben zum Teil erstklassige Antworten erhalten; vor allem die Jungen sind gut.» Generell gebe es viel mehr junge Jäger als früher, stellt er erfreut fest. Auch Frauen interessieren sich zunehmend für die Hege und Pflege von Wald und Wild.