Reinach

Aus und vorbei: Die roten WSB-Güterloks werden jetzt verschrottet

Mit dem Verschwinden der Lokomotiven und Rollschemel ist der WSB-Güterverkehr nach knapp 100 Jahren endgültig Geschichte. Die Zuglokomotiven werden jetzt in ihre Einzelteile zerlegt.

Peter Siegrist
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Das Ende einer Ära: Die roten WSB-Güterloks werden verschrottet
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Endstation für Güterloks 2012: Drei WSB-Lokomotiven werden hier zerlegt.
2005: Die WSB plant und baut in Suhr eine neue Rollbockanlage. Doch heute sind diese Rollschemel aus dem Verkehr gezogen und verschrottet.
Jahr 2013: Diese Güterlok, ein umgebauter Triebwagen, wartet in Reinach auf die Demontage.
Holzverlad beim Bahnhof Reinach 2008: Gegen 3000 Tonnen Nutzholz werden im Winter vom Forstbetrieb aargauSüd in Reinach verladen und nach Deutschland und Italien exportiert.

Das Ende einer Ära: Die roten WSB-Güterloks werden verschrottet

Aargauer Zeitung

Vor elf Jahren war das Bild in Reinach alltäglich: Güterzüge fuhren mitten durchs Dorf. Die roten WSB-Güterloks zogen auf Rollschemel gestellte SBB-Güterwagen bis nach Menziken hinauf. Noch heute erzählen auswärtige Autofahrer vom Schreck, der ihnen in die Knochen fuhr, wenn auf der rechten Strassenseite plötzlich die WSB entgegenkam.

Im Dezember 2002 wurde die WSB auf das ehemalige SBB-Trassee (Beinwil am See–Beromünster) verlegt und die aufgebockten Güterwagen verschwanden aus dem Dorfbild. Nur an zwei Stellen erinnern kurze Schienenstücke an die einstige Bahn in der Hauptstrasse.

Feinsäuberliche Zerlegung

Jetzt stehen die drei Güterloks der WSB auf Freiverladeplatz in Reinach. Die Spezialisten der Recyclingfirma Bertschi Mulden AG werden die Fahrzeuge zertrennen. «Wir zerlegen die Fahrzeuge vor Ort in grosse Stücke und transportieren sie in unsere Firmenhalle», erklärt Geschäftsführerin Monika Bertschi. Hier erfolgten die feine Zerlegung und das Aussortieren nach den verschiedenen Materialien.

Alles Eisen werde zur Swiss-Steel in Gerlafingen oder Emmenbrücke zum Einschmelzen transportiert. Brennbares wird via Kehrichtverbrennung entsorgt.

Die Firma Bertschi hat Erfahrung im umweltgerechten Zerlegen von Eisenbahnzügen. Nur beim blauen Nostalgiebähnchen blieb der Schneidbrenner kalt. Dieses hat die Firma kurzerhand «gerettet» und auf ihrem Gelände als Denkmal und Eventraum aufgestellt.

Güterverkehr bis Ende 2012

Die Wynentalbahn (WTB) startete 1904 mit der Personen- und Gütebeförderung. 1905 hat die Bahn laut Jahresbericht 27 000 Tonnen Güter transportiert. Das Transportvolumen stieg in den folgenden Jahrzehnten kontinuierlich und erreichte 1970 den Spitzenwert von 105 236 Tonnen. Dann setzte ein der Rückgang ein.

1996 transportierte die Bahn erstmals weniger als 30 000 Tonnen. 2012 waren es noch genau 20 169 Tonnen. Mehrere Firmen im Wynental schlossen, andere verlegten ihre Transporte auf die Strasse. Ende 2009 wurde der Gütertransport im Suhrental stillgelegt.

Im Wynental wurde zwar im Zusammenhang mit der neuen Bahnhofanlage in Suhr noch in den Güterverkehr investiert, doch der Volumenrückgang war nicht zu bremsen. Als Massengüter wurden noch Metall (70%), Zuckerrüben (20%) und Holz (10%) mit der Bahn transportiert. 2012 stellte die Bahn den Gütertransport aus Rentabilitätsgründen auch hier ein.