Bezirksgericht Kulm

Beschuldigter (65) bleibt Gerichtsverhandlung fern – und lädt sich damit hohe Kosten auf

Ein Beschuldigter ist dem Bezirksgericht Kulm ferngeblieben – die Kosten werden für dadurch nicht kleiner.

Peter Weingartner
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Blick in den Gerichtssaal im Bezirksgericht Kulm.

Blick in den Gerichtssaal im Bezirksgericht Kulm.

Peter Siegrist

Der knapp 65-jährige Beschuldigte, nennen wir ihn Stefan, ist nicht zu seiner Verhandlung vor Gericht erschienen. «Nichterscheinen bedeutet Rückzug der Einsprache gegen den Strafbefehl», sagt Gerichtspräsidentin Yvonne Thöny. Und dieser Strafbefehl gilt nun als akzeptiert; dazu kommen die zusätzlichen Gerichtskosten wegen der Einsprache.

Recherchen legen nahe, dass im weitesten Sinne eine Baugeschichte aus einer mittleren Wynentaler Gemeinde hinter der vergeblich anberaumten Verhandlung steckt. Was hatte Stefan getan? Von «mehrfacher Verleumdung» spricht der Strafbefehl. Stefan habe sich wider besseres Wissen strafrechtlich relevanten Verhaltens schuldig gemacht.

Sechs Personen, darunter ehemalige und aktuelle Mitglieder des Gemeinderats jener Gemeinde, habe er in einem Brief beschuldigt, «ihn bestohlen, ja beraubt und Hausfriedensbruch zu seinem Nachteil begangen zu haben». So stehts im Strafbefehl.

Nicht genug damit: Ein paar Tage später hing ein mutmasslich von Stefan bearbeitetes Schreiben im Aushängekasten des Dorfladens. Darin wirft er den sechs Personen vor, «ihn bestohlen, eingeschüchtert und gedemütigt, sowie zu seinem Nachteil Hausfriedensbruch begangen zu haben». Damit habe er sie mit Wissen und Willen in deren Ehre verletzt.

Nun, Stefan hat den Gerichtstermin nicht wahrgenommen. Also werden die Urteile des Strafbefehls gültig. Eine bedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 210 Franken wird hinfällig, wenn er während der Probezeit von zwei Jahren nicht erneut straffällig wird.

Und das kostet die kostspielige Frustabfuhr: Busse von 2500 Franken; Strafbefehlsgebühr 1200 Franken. Zu den 3700 Franken kommen Kosten von rund 500 Franken, die Stefan berappen muss, weil er den Strafbefehl ursprünglich nicht akzeptiert hatte.