Kölliken

Die Römisch-katholische Kirche bleibt im Dorf

Nach kontrovers geführter Diskussion hat die Kreiskirchgemeindeversammlung Aarau beschlossen, ihre Kirche in Kölliken für 2,2 Millionen Franken zu sanieren und baulich aufzuwerten.

Beat Kirchhofer
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Am 3. Juli wird der Baustart mit einem Gottesdienst eingeläutet.

Am 3. Juli wird der Baustart mit einem Gottesdienst eingeläutet.

bkr

Nicht ausgelastete Räume gelten heute als unwirtschaftlich und setzen sich dem Ruf des Verzichtbaren aus. «Dem ist entgegenzuhalten, dass ein Wesensmerkmal der Sakralarchitektur nicht der Erwerbssinn ist, sondern ein Überfluss an Fläche in jedem Gotteshaus», sagt Werner Ryter, als Kirchenpfleger Leiter Bau und Infrastruktur des Pastoralkreises Aarau.

Man habe vor einem Jahr eine breite Grundsatzdiskussion geführt und sei zum Schluss gekommen, dass die Kölliker Kirche erhalten bleiben müsse. «Ein Kirchenabriss, auch verbunden mit einem Neubau, hätte das Gemeinwesen bis ins Mark getroffen», sagt Ryter. Kirchen seien nicht nur den Siedlungsraum strukturierende, sondern auch identitätsstiftende Gebäude.

Die Baukommission hat im Vorfeld an einer öffentlichen Informationsveranstaltung über das Bauprojekt informiert. «Gleichwohl wurden fehlende Informationen kritisiert.» Weiter hätten die Gegner ausgeführt, das zum Beschluss vorgelegte Bauprojekt sei nicht ausgereift. Streitpunkt bildete die Trennung des Chors vom Kirchenraum.

Der Niveauunterschied zwischen den beiden Räumen, der zwei Stufen umfasst, solle eliminiert und so das ganze Innere der Kirche behindertengerecht ausgestaltet werden. Kein Thema in der Diskussion war ein allfälliger Abbruch der seit den Sechzigerjahren bestehenden Kirche «Mutter Gottes».

In der Abstimmung stellt sich eine deutliche Mehrheit hinter den Antrag der Kreiskirchenpflege und auch hinter deren zweites Vorhaben. Auf dem Schrägdach der Südfassade für 100 000 Franken eine Photovoltaikanlage zu realisieren, stiess auf breite Zustimmung. Ein Antrag, diesen Betrag in das Untergeschoss des Pfarreizentrums zu investieren, um es ebenfalls behindertengerecht zu gestalten, scheiterte klar.

Das bewilligte Projekt sieht vor, den Kirchenraum (den Chor ausgeklammert) um einen Drittel zu verkleinern. So können im Eingangsbereich ein Foyer, ein behindertengerechtes WC und eine Küche entstehen. Im Kirchenraum sind anstelle der Bänke Stühle vorgesehen. So kann dieser für feierliche Zwecke wie auch für Begegnungen (mit Tischen) genutzt werden.

Baubeginn im Sommer

Nach Ablauf der Referendumsfrist wird das Baugesuch öffentlich aufgelegt. Der Baubeginn ist für den Sommer 2016 vorgesehen. Die Kreiskirchgemeinde rechnet mit einer Bauzeit von gut einem Jahr. Die Bauphase stelle eine grosse Herausforderung mit Nutzungseinschränkungen dar, sagt Ryter. «Eine temporäre Auslagerung von Gottesdiensten und Veranstaltungen wird nicht zu vermeiden sein.»