Hirschthal

Diese Post ist jetzt auch ein Tante-Emma-Laden

Urs Rauber liebt seine Poststelle. So sehr, dass er, um sie zu retten, seinen eigenen Tante-Emma-Laden eröffnete. Dabei ist Urs Rauber eigentlich Posthalter und kein Chrämer.

Aline Wüst
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Urs Rauber an der Kasse im neuen Hirschthaler Dorfladen. Aline Wüst

Urs Rauber an der Kasse im neuen Hirschthaler Dorfladen. Aline Wüst

Er ist mutig, Urs Rauber. Gestern hat er in Hirschthal einen Dorfladen eröffnet. Unbeeindruckt von all den Lädeli, die in den letzen Jahren überall eingegangen sind. 18 Jahre lang leitet er die Post in Hirschthal. Die Post, die für ihn mehr ist, als nur ein Geschäft. Die Post war sein Leben und er hat sich vorgestellt als Posthalter pensioniert zu werden.

Die Post-Finanzverwalter aus Bern machten ihm einen Strich durch die Rechnung. Seine Poststelle soll geschlossen werden, hiess es letztes Jahr. Rauber hätte damit seine Lebensgrundlage verloren und die Hirschthaler ihre Post. «Das darf nicht sein», dachte sich Urs Rauber und suchte nach Lösungen. Die Post bot an eine Postagentur in einem Dorfladen zu eröffnen. Nur hatte Hirschthal keinen Dorfladen. Raubers etwas unkonventionelle Lösung: Er eröffnete extra einen Dorfladen.

Eier vom Gemeindeamman

Die Gemeinde unterstütze ihn, und baute die Poststelle in ein Geschäftslokal um. Rauber erzählt, dass er sich vor 18 Jahren, als er nach Hirschthal zog, immer einen Dorfladen gewünscht habe. «Dass ich selber den Laden führen werde, das hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt.»

Gestern wurde der ungeträumte Traum Realität: Die Schiebetüren zum neuen Dorfladen öffneten sich das erst Mal für die Bevölkerung. Urs Rauber wirkte glücklich und auch ein bisschen müde. Denn der Maxi-Laden ist zwar mini, enthält aber trotzdem alle Dinge des täglichen Leben. Und die mussten in den letzten Tagen angeliefert und ausgepackt werden. Das bedeutete einige Nachtschichten für Rauber und sein 10-köpfiges Team.

Neben vielen Hirschthalern ist auch Peter Lüscher, der Gemeindammmann von Holziken, gekommen. Lüscher liefert Rauber die Bio-Eier. Auch sonst hat Rauber möglichst viel aus der Region in seinen Regalen.

Nun braucht es Solidarität

«Für die Familie Rauber vom Dorfladen» steht auf einem Couvert neben einem Blumenstrauss. Der bald ehemalige Gemeinderat Rauber ist zwar der Chef – seine Frau Gaby hilft ihm aber, wo sie kann. Und auch die drei Rauber-Kinder sind begeistert vom eigenen Laden. Dass die Kinder dahinterstehen, dass sei ihnen wichtig gewesen, sagt Gaby Rauber. «Wir wissen, wenn wir dem Laden nicht zugestimmt hätten, dann hätten unsere Eltern das nicht gemacht», erklären Sonja, Adrian und Katja. Aber die drei waren sofort begeistert von der Idee. Und können sich sogar vorstellen, den Laden einmal zu übernehmen.

Als der Posthalter den Laden der Bevölkerung zeigte, wollten ihm alle die Hand schütteln. Was auffällt: Die Leute bedanken sich bei Rauber und es scheint als seien sie stolz, einen wie ihn unter sich zu haben. Aus Seon angereist ist auch seine Mutter, Klara Rauber. «Man studiert schon, ob das geht», sagt sie. Klara Rauber weiss aber auch, wie sich das Wagnis ihres Sohns auszahlt:« Die Leute müssen zusammen halten und den Urs unterstützen».

Gegen den Strom

Solidarität mit dem Laden fordert auch der Hirschthaler Gemeindeammann Peter Stadler und freut sich, dass der Dorfladen auch eine neue Begegnungszone schafft.

Angst vor der Zukunft hat Rauber keine: «Wir wollen nicht reich werden mit dem Laden. Und ich bin auch nicht wütend, wenn ich Leute mit Migros-Taschen antreffe.»

Urs Rauber schwimmt gerne gegen den Strom. Aber immer im Dienst seiner Mitmenschen. «Wenn ich am Abend nach Hause gehe und jemandem etwas Gutes tun konnte, dann bin ich glücklich», sagt er.