Kölliken

Dorfmuseum bietet besonderen Hörspaziergang in die Vergangenheit

Das kleine Dorfmuseum in Kölliken ist auf technischer und didaktischer Augenhöhe mit den Grossen der «Branche». Das wird an der diesjährigen Sonderausstellung «Handwerkskunst» wieder zu sehen - und zu hören sein.

Beat Kirchhofer
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Christoph Haller, Präsident der Museumskommission, in der Sonderausstellung «Handwerkskunst» vor dem prächtigen Festgewand eines hochgestellten Kameruners und einer Aargauer Sonntagstracht. bkr

Christoph Haller, Präsident der Museumskommission, in der Sonderausstellung «Handwerkskunst» vor dem prächtigen Festgewand eines hochgestellten Kameruners und einer Aargauer Sonntagstracht. bkr

Hört man das Wort Audioguide, denkt man an die grossen Museen, aber kaum an ein kleines Dorfmuseum wie jenes im stroh- respektive heute schilfgedeckten Hochstudhaus in Kölliken. Seit diesem Jahr kann man sich auch hier an 15 Stationen des Rundgangs von einem professionellen Sprecherpaar im Dialog das Haus, das Leben im 19. Jahrhundert und altes Handwerk erklären lassen. Für Christoph Haller, Präsident der Museumskommission, ist der Audioguide das i-Tüpflein der Neukonzeption des Museums. Diese wurde 2012 zum 25-Jahr-Jubiläum mit einem Kredit der Gemeinde und Geldern aus dem Lotteriefonds an die Hand genommen.

Traum erfüllt

«Nachdem alles abgerechnet war, hatten wir noch etwas Geld übrig, mit welchem wir uns den Traum eines professionell gemachten Audioguides erfüllen konnten», sagt Haller. «Unser Museum wird von Freiwilligen in deren Freizeit betreut. Unter diesen können nicht alle vertiefte Erklärungen abgeben oder Fragen umfassend beantworten.» Ausserhalb gebuchter Führungen springt hier nun der Audio-Guide ein. «Nein, Fremdsprachen konnten wir uns finanziell nicht leisten», sagt Haller. Wobei man solche am Saisoneröffnungstag durchaus hätte nutzen können. «Wir hatten englisch- und französischsprachige Leute im Museum.»

Massgeblich in die Neugestaltung eingebracht hatte sich der Aarauer Historiker Dominik Sauerländer. Zusammen mit der Kölliker Museumspädagogin Bärbel Schwarz wurde dabei auch für einen kindergerechten Zugang zu Geschichte und altem Handwerk gesorgt. Zum einen wiederum mit dem Audioguide, für welche es ein Kinderprogramm mit zwölf Stationen gibt, an denen zudem kleine Aufgaben gestellt werden. Zum anderen mit einem Besuchsprogramm für Schulen, in dessen Rahmen sich die Schülerinnen und Schüler in den Handwerken ihrer Urururgrosseltern versuchen können. Arbeiten an der Drehbank des Drechslers, als Rechenmacher oder als Schreiner mit dem Versuch, aus Holz eine Schraube zu fertigen. «Der Dünkelbohrer fehlt derzeit leider», sagt Haller und zeigt an einen Ort im Museum, wo der Länge nach durchbohrte Fichtenstämme zu sehen sind. Sie bildeten die Wasserleitungen früherer Generationen.

«Den Bohrer haben wir dem Museum Aargau ausgeliehen, das auf dem Legionspfad von Vindonissa ein Stück Wasserleitung rekonstruieren will.» Als Gegenleistung werden die «Römer» im Herbst in Kölliken demonstrieren, wie man aus einem Baumstamm ein Wasserrohr macht.

Wie gross die Anerkennung und damit die Stellung «Köllikens» in der Museumslandschaft Schweiz ist, illustriert auch eine Publikation. Auf dieses Jahr hin ist ein Kunstführer der renommierten Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte mit dem Titel «Das Salzmehus in Kölliken» erschienen.

Highlight Sonderausstellung

Jedes Jahr organisiert das Museum eine Wechselausstellung. Die aktuelle heisst «Handwerkskunst» und stellt in einem faszinierenden Konzept kunsthandwerkliche Gegenstände aus dem Grasland von Kamerun solchen aus dem früheren Kölliken gegenüber. Die Exponate aus dem zentralafrikanischen Land gehören Hans Knöpfli aus Kriegstetten, der 30 Jahre lang als Pfarrer und Schulleiter in Kamerun gelebt und gearbeitet hat. Am 31. Mai werden er und seine Frau für einen Gottesdienst und einen Nachmittag im Museum in Kölliken weilen.

Am Museumstag vom 17. Mai ist das Salzmehus von 14 bis 17 Uhr geöffnet.