Menziken

Dorforiginal Francesco "Franz" Stampfli für verschollen erklärt

Immer mal wieder verschwand er. Bis jetzt war aber immer wieder aufgetaucht. Nun scheint das Menziker Dorforiginal endgültig verschwunden zu sein.

Nadja Rohner
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Mit diesem Bild suchte die Polizei 2020 nach Francesco Stampfli.

Mit diesem Bild suchte die Polizei 2020 nach Francesco Stampfli.

Kapo AG

Das Bezirksgericht Kulm hat letzte Woche eine Verschollenenerklärung für Francesco Stampfli, geboren am 17. Juli 1959, publiziert. Damit hat es faktisch ein Menziker Dorforiginal für tot erklärt: "Franz" war zwar ein Eigenbrötler gewesen, man kannte ihn jedoch im oberen Wynental.

Eine Verschollenenerklärung setzt voraus, dass «der Tod einer Person höchstwahrscheinlich ist, weil sie in hoher Lebensgefahr verschwunden oder seit langem nachrichtenlos abwesend ist». So steht es im Zivilgesetzbuch. Dreimal hatte das Gericht per Amtsblatt einen Aufruf, eine sogenannte Ediktalladung gemacht, offenbar ohne Hinweis auf den Aufenthaltsort von Franz Stampfli. Er wurde "als verschollen erklärt, mit der Wirkung, dass dessen noch vorhandene Vermögenswerte an das erbberechtigte Gemeinwesen fallen" - und zwar rückwirkend auf den 6. Februar 2012.

Der Mann ist also tot vor dem Gesetz. Aber ist er auch wirklich gestorben? Ganz genau weiss man es nicht. Franz Stampfli tauchte schon öfter längere Zeit ab.

Am 5. Januar 2012 verschickte die Polizei eine Medienmitteilung: "Vermisst: · Stampfli Francesco, 51-jährig." Darin war zu lesen dass der Vermisste zuletzt am 24. Dezember 2011, um 10 Uhr vormittags, bei der Migros in Menziken gesehen worden war. Er sei 175 cm gross, schlank und trage seine schulterlangen, graumelierten Haare zu einem Rosschwanz zusammengebunden, der Bart wuchert wild. "Der Grund für sein Verschwinden ist unklar. Suizidabsichten können nicht ausgeschlossen werden", hiess es.

Eine AZ-Reporterin machte sich vor Ort in Menziken auf Spurensuche. In ihrem Artikel vom 5. März 2012 beschreiben die Einheimischen den "Franz" als Einzelgänger, der am Rand der Gesellschaft lebe. Er sei früher Seemann gewesen und viel herumgekommen, davon würden seine Tätowierungen zeugen. Offenbar lebte er von Sozialhilfe und war psychisch angeschlagen, oft habe er wirre Sachen geredet. Er besass einen Hund, Mancho. Dieser hat er offenbar vor seinem Verschwinden Bekannten anvertraut. Auch schilderte ein Nachbar in dem Artikel, wie Franz seinen vor seinem Verschwinden den Haushalt aufgelöst habe, er stellte angeblich den Computer in den Gang, liess Handy und Portemonnaie zurück, schloss die Wohnung nicht ab. Die Gerüchteküche brodelte, man vermutete einen Suizid, oder dass sich Franz ins Ausland abgesetzt habe.

Das Menziker Dorforiginal ist nach seinem aufsehenerregenden Verschwinden an Heiligabend 2011 offenbar noch zweimal aufgetaucht. Im Antrag auf Einleitung des Verfahrens betreffend der Verschollenenerklärung, eingereicht vom Regionalen Sozialdienst Oberwynental, hiess es, Franz Stampfli sei zuletzt am 6. Februar 2012 auf dem Polizeiposten Reinach gesehen worden, danach sei die Suche nach ihm erfolglos verlaufen. Auf diese Angaben hat das Bezirksgericht bei seiner Verschollenenerkärung vom 28. Februar 2020 abgestellt.

Ganz stimmt es allerdings nicht: Stampfli wurde am 12. April 2012 von einer Patrouille der Grenzwache in einem Zug bei Aarau angetroffen. Körperlich unversehrt, wurde er in eine psychiatrische Einrichtung gebracht. Die Polizei verschickte wiederum eine Medienmitteilung. Was danach mit dem Mann passiert ist, "entzieht sich unserer Kenntnisse gänzlich", sagt Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei.

Beim Bezirksgericht Kulm wusste man nichts davon und ging davon aus, dass sich die Spur schon im Februar 2012 verlor. Es spiele aber insofern keine Rolle, als dass die gesetzlichen Fristen für die Verschollenenerklärung längst abgelaufen seien und dass sich niemand auf die öffentliche Publikation des Verfahrens gemeldet habe, sagt der zuständige Gerichtsschreiber.

Der zuständige Regionale Sozialdienst Oberwynental möchte sich aus Rücksicht auf Stampfli nicht öffentlich zum Fall äussern. So ist unklar, ob allenfalls noch Wertgegenstände aus dem Nachlass des für tot Erklärten in den Besitz der Gemeinde übergehen. (nro)

Das war die Vermisstmeldung der Kantonspolizei vom 5.1.2012

Vermisstmeldung Francesco Stampfli (51)

Vermisst seit Samstag, 24. Dezember 2011, in 5737 Menziken AG

Francesco Stampfli Der Vermisste ist ca. 175 cm gross, schlanke Statur und hat schulterlange zu einem Rossschwanz zusammengebundene grau-melierte Haare, trägt einen langen Bart, ungepflegte Erscheinung, trägt schwarze Jeans, schwarze Jacke und vermutlich kariertes Hemd.Der Vermisste ist ca. 175 cm gross, schlanke Statur und hat schulterlange zu einem Rossschwanz zusammengebundene grau-melierte Haare, trägt einen langen Bart, ungepflegte Erscheinung, trägt schwarze Jeans, schwarze Jacke und vermutlich kariertes Hemd.

Der Vermisste wurde zuletzt am Vormittag um 10.00 Uhr bei der Migros Menziken gesehen. Der Grund für sein Verschwinden ist unklar. Es bestehen bislang keine konkreten Anhaltspunkte über den möglichen Aufenthaltsort. Suizidabsichten können bei Herrn Stampfli nicht ausgeschlossen werden.

Personen, welche über den Aufenthaltsort des Vermissten Angaben machen können, werden gebeten, sich mit dem Polizeikommando der Kantonspolizei Aargau, Telefon 062 835 81 81, oder jeder anderen Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen.

Der Vermisste wurde zuletzt am Vormittag um 10.00 Uhr bei der Migros Menziken gesehen. Der Grund für sein Verschwinden ist unklar. Es bestehen bislang keine konkreten Anhaltspunkte über den möglichen Aufenthaltsort. Suizidabsichten können bei Herrn Stampfli nicht ausgeschlossen werden.

Personen, welche über den Aufenthaltsort des Vermissten Angaben machen können, werden gebeten, sich mit dem Polizeikommando der Kantonspolizei Aargau, Telefon 062 835 81 81, oder jeder anderen Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen.