Schöfltand
Eben lief noch alles gut - jetzt muss Alterszentrum sparen und Angestellten kündigen

Finanziell läuft es im Alterszentrum Schöftland nicht ganz so rund, wie noch vor einigenMonaten kommuniziert wurde – zudem wurden auch Kündigungen ausgesprochen.

Christine Wullschleger
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Alterszentrum schöftland

Alterszentrum schöftland

AZ

Einen zweiten Farbdrucker, eine neue Büroeinrichtung oder eine modernere Maschine für den Gartenunterhalt wird es momentan im Alterszentrum Schöftland nicht geben. Der Grund: Im Alterszentrum muss gespart werden. Das hat die az aus mehreren unabhängigen Quellen erfahren. Dies erstaunt, weil sich Verwaltungsratspräsident Hans Rudolf Würgler am 23. April dieses Jahres noch so zitieren liess: «Der Betrieb des Alterszentrums Schöftland läuft gut, auch was die Finanzen anbelangt.» Auch aus dem Geschäftsbericht 2015 lassen sich keine Rückschlüsse ziehen, dass es mit den Finanzen nicht rund läuft. Darin geht es unter anderem um die Finanzierung des Pflegeheim-Sanierungsprojekts. Dessen Gesamtinvestitionen belaufen sich auf rund 45 Millionen Franken. «Aufgrund der guten Rechnungsabschlüsse der vergangenen Jahre konnten einige Rückstellungen getätigt werden. Das ist auch 2015 dank permanenter Kostenkontrolle gelungen», schreibt Würgler im Bericht.

Kurzfristige Schwankungen

Was also ist in dieser kurzen Zeitspanne mit den Finanzen im Alterszentrum passiert? «Vielleicht haben wir in den letzten Jahren zu wenig auf die Kostenseite geschaut», sagt Hans Rudolf Würgler. «Das finanzielle Ergebnis eines Alterszentrums hängt von verschiedenen Faktoren ab, die teilweise nicht vorhersehbar sind.» Die Anzahl Pflegefälle könne stark schwanken, was auf der personellen Seite nicht immer ausgeglichen werden könne. «Das führt allenfalls zu weniger Ertrag, ohne Möglichkeit, auf der Kostenseite kurzfristig zu reagieren.» Zudem habe man aufs neue Jahr hin bei allen Mitarbeitern die Anzahl Ferientage um zwei Tage angehoben und «eine namhafte Summe für Korrekturen bei den unteren Löhnen bewilligt».

Hans Rudolf Würgler spricht als weiteren Grund die Sanierung des in die Jahre gekommenen Pflegezentrums an. «Wir haben uns ehrgeizige Ziele gesetzt und wollen sanieren, ohne dass die Aktionärsgemeinden einen Beitrag bezahlen müssen», sagt er. Um auch im laufenden Jahr Abschreibungen und Rückstellungen vornehmen zu können, müsse der Fokus stärker auf die Kosten gelegt werden. Diesen Auftrag habe man auch der Zentrumsleitung erteilt. «Es ist nicht besorgniserregend, aber wir müssen jetzt handeln, damit das Projekt finanziert werden kann», ergänzt er. Deshalb würden nicht unbedingt nötige Anschaffungen wie beispielsweise eine neue Büroeinrichtung nicht bewilligt. Wie viel gespart werden muss, wird laut Hans Rudolf Würgler jedoch nicht bekannt gegeben. Nur so viel: Man weise aktuell kein Defizit aus.

Mehr Kündigungen als normal

Auch zu Kündigungen ist es gekommen. Obwohl Otto Zeller im März, als er die Zentrumsleitung ad interim übernommen hatte, noch sagte: «Ein Stellenabbau ist Quatsch, ich bin nicht hier, um zu sanieren.» Hans Rudolf Würgler bestätigte damals, es gebe keinen Grund für die Streichung von Stellen.

Damals wurde der bisherige Zentrumsleiter Thomas Zeller wegen unterschiedlicher Auffassung in der Führung der Institution freigestellt. Seitdem wurden auffällig viele Stelleninserate vom Alterszentrum publiziert. Unter anderem wurden ein Leiter und ein stellvertretender Leiter für den geschützten Wohnbereich gesucht. Was also ist passiert? Hans Rudolf Würgler bestätigt, dass seit dem Wechsel in der Zentrumsleitung die Mitarbeiterfluktuation grösser ist als üblich. «Dies betrifft vor allem die geschützte Wohngemeinschaft, wo demente Patienten betreut werden», sagt er. «Der Grat zwischen Kostenbewusstsein und ‹alles machen für die Patienten› ist sehr schmal und wir waren uns mit der damaligen Führung der geschützten Wohngemeinschaft nicht mehr einig.» Die Mitarbeiter hätten von sich aus gekündigt.

Zudem wurden drei Kündigungen ausgesprochen: «Konkret mussten wir leider im Zusammenhang mit dem momentan gestoppten Erweiterungsprojekt Untere Mühle insgesamt drei Anpassungen vornehmen.» Es handle sich dabei um Personal, das auf Vorrat angestellt worden sei. «Als wir dieses Personal angestellt hatten, haben wir mit dem Ausbau des Demenzbereichs gerechnet und bereits Strukturen dafür geschaffen», sagt Würgler. «Vielleicht hätten wir eher zuwarten sollen. Jetzt, nach dem Entscheid, das Projekt Untere Mühle zu stoppen, müssen wir uns natürlich selbst an der Nase nehmen.» Sämtliche Betroffene hätten aber wieder eine Anstellung gefunden.

Mit dem Wechsel in der Zentrumsleitung von Thomas Zeller zu Otto Zeller haben diese Anpassungen laut Würgler nichts zu tun. Er ergänzt zudem, dass zum Abbau von Überstunden und zur temporären Entlastung von Mitarbeitern sieben Personen neu eingestellt worden sind. Ein neuer Zentrumsleiter wurde noch nicht gefunden, man stecke in der Evaluationsphase und habe bereits Bewerbungsgespräche mit mehreren Kandidaten geführt.

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