Menziken/Elba
Ferienanbieter auf hundertjährigem Holzboot: Er fand sein Glück auf dem Meer

Segeln lernte er auf dem Hallwilersee. Jetzt ist Markus Lanz Skipper. Drei Viertel des Jahres verbringt er auf See. Er bietet Schiffs- und Tauchferien auf einen fast hundertjährigen Holzboot an.

Melanie Eichenberger
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Auf dem Schiff von Kapitän Markus Lanz kann man Ferien machen.

Auf dem Schiff von Kapitän Markus Lanz kann man Ferien machen.

zvg

Von Januar bis März hat Markus Lanz (57) aus Menziken festen Boden unter den Füssen, den Rest des Jahres verbringt er auf dem Wasser. Auf seinem Schiff. Lanz hat sich vor zwei Jahren ein fast hundertjähriges Holzboot, die «Norseman», gekauft, ist nach Italien ausgewandert und bietet seither Schiffs- und Tauchferien rund um die Inseln im toskanischen Archipel – zum Beispiel Elba oder Giglio – an. Wie kam es dazu? «Eigentlich wollte ich mich nicht noch einmal selbstständig machen», erzählt Lanz. Der gelernte Koch ist ein wahrer Allrounder: Er führte mehrere Jahre das Restaurant Bank in Beinwil am See, baute in der Region eine Kampfsportschule auf und machte schliesslich in den Schweizer Seen das Tauchlehrerbrevet. «Meine Kinder haben mich zum Tauchen gebracht», sagt der dreifache Vater. Sie hätten im Sommer 1998 beim Ferienspass an einem Schnuppertauchkurs teilgenommen, da habe es ihn auch gepackt.

2011 hat sich Lanz eine einjährige Auszeit genommen, «den Planet bereist», Spanisch gelernt und als Tauchguide gearbeitet. Wieder zurück in der Schweiz machte er sich auf Jobsuche. «Mit 55 Jahren ist es schwierig, in der Schweiz eine Stelle zu finden», sagt er. Lanz jobbte unter anderem als Badmeister in Rotkreuz ZG. 2014 entschloss er sich, auszuwandern. «Ich übernahm die Basisleitung eines Tauchzentrums auf der portugiesischen Insel Madeira», so Lanz. Dort habe es ihm gefallen, ausser der Sprache. Vier Fremdsprachen spricht er, Portugiesisch gehört nicht dazu.

«Das Riff, das Kapitän Schettino rammte, wäre ein Tauchplatz von uns», sagt Schiffskapitän Markus Lanz.

«Das Riff, das Kapitän Schettino rammte, wäre ein Tauchplatz von uns», sagt Schiffskapitän Markus Lanz.

Melanie Eichenberger

Schiff statt Schule

Den Vorbesitzer des bald 100 Jahre alten Eichenholzschiffes «Norseman» kannte er von verschiedenen Ausflügen auf dem Mittelmeer. «Bereits 2012, als der Vorgänger den Betrieb einstellte, wollte ich das Schiff kaufen.» Damals habe es noch nicht gepasst. 2015 passte es dann doch. Lanz kaufte die «Norseman» mit dem Geld, das vom Verkauf seiner Kampfsportschule kam. Das Schiff lag damals bereits einige Jahre auf dem Trockenen. Lanz hat mit Freunden das ganze Schiff überholt und wieder instand gestellt. Das Konzept des Tauchschiffes übernahm er von seinem Vorgänger, neu ist es auch ein «Eventschiff»: Man kann darauf eine Woche Ferien machen oder als Gruppe das ganze Schiff chartern. Die Gäste sind dabei Teil der Crew.

Gebaut als seetüchtiges Fährschiff und Fischerboot im Jahr 1922, wurde die «Norseman» in den Siebzigerjahren zu einem Ausflugsschiff umgebaut. Sechs Gäste können jeweils auf dem Boot übernachten – es verfügt über Einzelkojen. «Wer Ferien auf dem Luxusdampfer machen will, ist bei mir nicht am richtigen Ort», sagt der Schiffskapitän. Die «Norseman» entspreche Lanz Grundhaltung: einfach, pur, weg vom Mainstream.

Costa Concordia: eine Chronologie

13. Januar 2012: Die Costa Concordia rammt einen Felsen vor der Insel Giglio und kentert. 32 Personen sterben.
14 Bilder
20. Januar 2012: Die Regierung ruft für die Umgebung den Notstand aus, das havarierte Schiff sei eine Gefahr für die Umwelt.
18. Juni 2012: Die Bergung des Wracks beginnt.
2. November 2012: Das Wrack ist gesichert. Die Bergungsarbeiten kosteten rund 1,5 Milliarden Euro.
10. April 2013: Die Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere erzielt einen Vergleich und muss eine Million Euro Strafe zahlen.
20. Juli 2013: Vier geständige Crewmitglieder und ein Manager erhalten Haftstrafen bis zu knapp drei Jahren – ohne Prozess.
16./17. September 2013: In einer 19-stündigen Bergungsaktion wird die Costa Concordia aufgerichtet.
23. Juli 2014: Die Costa Concordia verlässt Giglio. Aufgrund der Wetterlage musste die Überführung mehrfach verschoben werden
27. Juli 2014: Das Schiff trifft in Genua ein, wo es verschrottet werden soll.
3. November 2014: Der letzte Vermisste, ein indischer Kellner, wird gefunden.
11. Februar 2015: Der Kapitän der «Costa Concordia» Francesco Schettino wird zu 16 Jahren Haft verurteilt.
21. September 2015: Die Staatsanwaltschaft legt Berufung gegen die ihrer Ansicht nach zu milde Strafe ein.
3. Januar 2016: Das Luxusschiff ist so weit abgewrackt, dass die ersten zwei Schwimmkästen entfernt werden können.
1. September 2016: Die Costa Concordia wird ein letztes Mal im Hafen von Genua verschoben. Es folgt die Verschrottung – 80 Prozent wird recycelt.

13. Januar 2012: Die Costa Concordia rammt einen Felsen vor der Insel Giglio und kentert. 32 Personen sterben.

Keystone

Attraktion «Costa Concordia»

Dass Markus Lanz ausgerechnet nach Italien ausgewandert ist – reiner Zufall. «Das Schiff war schon seit langer Zeit auf der Insel Elba», so Lanz. Heute ankert es in Portoferraio, fünf Minuten vom Fährhafen entfernt. Es sei am einfachsten gewesen, das Schiff dort zu belassen. Ausserdem sei das toskanische Archipel ein schönes Tauchgebiet: «Das Mittelmeer bietet fischreiche Tauchgänge.» Anders als im Roten Meer oder in der Südsee, müsse man im Mittelmeer aber tiefer tauchen.

Die Routen plant Kapitän Lanz jeweils zusammen mit seinen Gästen. Dabei spielen das Wetter und die Bedürfnisse der Ferienbesatzung eine Rolle. Wenn er jeweils vorschlägt, nach Giglio zu fahren, werden die Gäste hellhörig. Die Bilder des Unfalls des Kreuzfahrtschiffs «Costa Concordia» im Jahr 2012 vor Giglio sind noch präsent. «Das Riff, das Kapitän Schettino rammte, wäre ein Tauchplatz von uns», sagt Lanz. Die Stelle sei aber immer noch gesperrt. Die Leute wollten den Ort des Geschehens trotzdem sehen, darum fahre Lanz mit seinen Gästen oft dort vorbei. «Wenn wir uns der Stelle nähern, halten meine Gäste ihren Fotoapparat bereit.»

Einmann-Betrieb

Markus Lanz spricht von wir, wenn er über sein Schiffsunternehmen spricht. «Eigentlich mache ich das alleine, aber wir klingt einfach schöner», sagt er. Er sei beim Betrieb des Eventschiffs auf Besatzung angewiesen. «In der Not ginge es aber auch alleine», so der Kapitän. Drei Monate im Jahr verbringt Lanz an Land. Dann lebt er in Menziken bei seiner Tochter und tourt mit seinem Geschäft an den verschiedenen Ferienmessen durch die Schweiz. Ob sich Lanz auf der «Norseman» zur Ruhe setzen wird, kann er heute nicht beantworten: «Kann sein, im Moment stimmt es so für mich.»

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