Bundesgericht
Kleine Beute, riesiger Sachschaden: Aargauer Lebensmittel-Dieb kassiert die Quittung

Ein Mann klaute im Bezirk Kulm Esswaren, Alkohol und Zigaretten. Dafür wird er nun hart bestraft.

Nadja Rohner
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Die Richter in Lausanne haben das Urteil gesprochen. (Symbolbild)

Die Richter in Lausanne haben das Urteil gesprochen. (Symbolbild)

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Eine eher miese Bilanz: 2400 Franken war die Beute wert, aber um sie zu ergaunern, verursachte der Dieb 41'600 Franken Sachschaden. Gegen seine Strafe wehrte er sich bis vors Bundesgericht – allerdings erfolglos.

Abgespielt hat sich das Ganze im Bezirk Kulm im Jahr 2014. Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm wirft dem Täter Petar (Name geändert) vor, er habe insgesamt sieben Einbrüche und sechs Diebstähle in einem Selbstbedienungsladen begangen.

Konkret sei er jeweils in unbewohnte Liegenschaften eingestiegen und habe kleine Mengen Bargeld oder Lebensmittel gestohlen. Zudem soll er in weiteren sechs Fällen Lebensmittel gestohlen haben, «um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten», wie im Bundesgerichtsurteil steht.

Bezirksgericht: Teilfreisprüche

Das Bezirksgericht verurteilte Petar wegen mehrfachen, teilweise versuchten Diebstahls, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruchs und Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz (Marihuana) zu einer Freiheitsstrafe von 10 Monaten und einer Busse von 500 Franken. In Bezug auf vier Tatvorwürfe sprach es ihn frei. Offenbar, weil es nicht genügend Indizien gab.

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch Petar zogen das Urteil ans Obergericht weiter. Dieses sah die Indizienlage ein bisschen anders: Es bestätigte alle Schuldsprüche – und hob fast alle Freisprüche auf. Petar winkten nun 18 Monate Knast. Unter anderem, weil das Obergericht seine Klauerei als gewerbsmässig klassifiziert hatte. Das wollte Petar nicht hinnehmen, weshalb er ans Bundesgericht gelangte.

Er beschwerte sich wegen zweierlei. Erstens habe das Obergericht bei fünf Schuldsprüchen den Sachverhalt willkürlich festgestellt. In flagranti erwischt worden war Petar während dieser Diebestouren nämlich nicht. Aber: Bei den betroffenen Liegenschaften, alle in der selben Region, waren innert kurzer Zeit nachts Fenster oder Türen mit einem Flachwerkzeug aufgebrochen worden. Das entspreche Petars «Modus operandi», seiner Vorgehensweise, hatte das Obergericht befunden.

Aufgrund der «erdrückenden Beweislage» sei die Möglichkeit, dass ein Dritttäter die Delikte begangen habe, nur sehr theoretisch vorhanden. Petar und sein Anwalt argumentierten zwar vor Bundesgericht, das Obergericht dürfe seine Schuld nicht pauschal annehmen. Das Bundesgericht erachtete jedoch die obergerichtliche Einschätzung bei einer gesamthaften Betrachtung aller Indizien nicht als willkürlich, weshalb es diesen Teil der Beschwerde abwies.

Diebstähle waren Nebenerwerb

Zweitens wehrte sich Petar dagegen, dass das Obergericht seine Diebstähle als gewerbsmässig klassifiziert hatte. Ein einfacher Diebstahl wird nämlich mit bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe geahndet. Werden die Diebstähle aber gewerbsmässig ausgeführt – klaut also jemand regelmässig, um seine Lebensunterhaltskosten zu finanzieren -, kann die Freiheitsstrafe bis 10 Jahre betragen, auch die drohende Geldstrafe ist höher.

Petar behauptete, er habe die Diebstähle spontan begangen, um Lebensmittel zu besorgen, und nicht, um ein regelmässiges Erwerbseinkommen zu erhalten. Die Deliktbeträge liegen allesamt zwischen 150 und 345 Franken. Neben Esswaren hatte Petar auch Zigaretten und Alkohol mitgehen lassen. Das Obergericht hatte festgehalten, die Häufigkeit der Delikte und vor allem das Motiv – Stillen von Hunger, Durst und Nikotinsucht – zeigten, dass Petar seine Delikte als eine Art Nebenerwerb ausgeführt habe. Die Absicht, ein Nebeneinkommen zu erzielen, sei bei einem Delikterlös von 2250 Franken innert zweier Wochen bei weitem erfüllt.

Das Bundesgericht folgte dem Obergericht und wies Petars Beschwerde vollumfänglich ab.